Braunschweig. Timo Keller über das Familienleben im Klimawandel. In dieser Folge von „Familienklima“ geht‘s um Hitze und ein wegweisendes Urteil.

Erstmal eines: Grillen ergibt zu jeder Jahreszeit absolut Sinn. Doch auch als großer Freund eines über dem offenen Feuer zubereiteten Mahls (muss ja nicht immer Steak und Wurst sein) macht es natürlich mehr Spaß, wenn die Sonne vom Himmel lacht und der Grill nicht zugleich als Wärmequelle gegen klappernde Zähne gebraucht wird. Deshalb verwundert es auch nicht, dass am vergangenen Wochenende die Kühlregale in den Supermärkten stellenweise verdächtig leer waren.

Bei Temperaturen jenseits der 20 Grad setzt beim Deutschen stets der große Run aufs Grillgut ein. Und wenn der Grill dann von der Winter-Patina befreit wurde, wird angegrillt. Beim Gang durch die Nachbarschaft wehte gefühlt aus jedem zweiten Garten ein entsprechendes Aroma herüber.

Temperaturen jenseits der 30 Grad sind Anfang April ein Novum in Deutschland

Die Wetter-App zeigte für unseren Ort in der Spitze 24,2 Grad an. Das Thermometer in der Sonne kam sogar auf fast 27 Grad. Die kleinen Kinder tollten durch den Garten, die größeren spielten auf der Straße Basketball. Alles gut also. Ein schöner Sommertag bei fast 30 Grad. In Ohlsbach im Rheintal wurde die Marke sogar geknackt, dort wurden 30,1 Grad gemessen. Wie der Tagesspiegel berichtet, habe es solche Temperaturen Anfang April in der 143-jährigen Geschichte der Wetteraufzeichnungen in Deutschland noch nicht gegeben.

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Selbst unserer Fünfjährigen war es irgendwann schon zu heiß, zumindest zum Herumtollen. Ein kühles Eis musste her. Doch Kinder in ihrem Alter kommen mit hohen Temperaturen ja grundsätzlich gut zurecht. Bei Senioren, Babys oder Kranken sieht das schon anders aus. Und als ob die Richter am Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte nur auf diesen heißen April-Tag gewartet hätten, verkündeten sie Anfang der Woche ein wegweisendes Urteil. Die Schweiz wird wegen mangelnden Klimaschutzes verurteilt.

Europäische Richter urteilen im Sinne der Schweizer Seniorinnen

Geklagt hatte eine Gruppe von mehr als 2000 Frauen im Alter von durchschnittlich 73 Jahren. Nebenbei ein weiterer Beweis dafür, dass der Kampf gegen den Klimawandel unser aller ist. Konkret warfen die Seniorinnen der Schweizer Regierung vor, dass deren unzureichende Bemühungen zur Bekämpfung der Erderwärmung sie in Gefahr bringe, bei einer Hitzewelle zu sterben. Die 17 Richterinnen und Richter in Straßburg sahen das offenbar auch so.

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Fast zeitgleich meldete der Klimadienst der Europäischen Union, dass schon der März der wärmste seit Beginn der regelmäßigen Wetteraufzeichnungen war. Wir müssen also weiter was tun – aber natürlich ist es trotzdem erlaubt, die Sonne zu genießen und den Grill anzuwerfen.

Haben Sie Ideen, Anregungen oder Kritik? Schreiben Sie mir: timo.keller@funkemedien.de.

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