„Hey, Alter!“ für Braunschweiger Gemeinsam-Preis nominiert

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In Braunschweig konnten sie bereits 1000 Schüler mit einem eigenen Rechner fürs Homeschooling beglücken: Die Initiatoren Martin Bretschneider (links) und Moritz Tetzlaff von „Hey, Alter! Alte Rechner für junge Leute“ können sich auf ein starkes Team Ehrenamtlicher verlassen.

In Braunschweig konnten sie bereits 1000 Schüler mit einem eigenen Rechner fürs Homeschooling beglücken: Die Initiatoren Martin Bretschneider (links) und Moritz Tetzlaff von „Hey, Alter! Alte Rechner für junge Leute“ können sich auf ein starkes Team Ehrenamtlicher verlassen.

Foto: Bernward Comes / Archiv Braunschweiger Zeitung

Braunschweig.  Sie bereiten alte Rechner auf und verschenken sie an Schüler: Das Team von „Hey, Alter!“ wurde für den Gemeinsam-Preis unserer Zeitung nominiert.

Manche Dinge sind einfach so gut, die müssen Erfolg haben. Beispiel gefällig? Die Initiative „Hey, Alter! Alte Rechner für junge Leute“. Zwei Braunschweiger hatten sich im ersten Lockdown überlegt: Es kann kann doch nicht so schwierig sein, Schüler mit Rechnern fürs Homeschooling zu versorgen! „Wir haben einfach losgelegt“, erinnert sich Martin Bretschneider, der die Initiative zusammen mit Moritz Tetzlaff im Mai 2020 gegründet hat. Die Leser unserer Zeitung haben das Projekt nun für den „Gemeinsam-Preis“ vorgeschlagen.

Wir blicken kurz zurück: Moritz Tetzlaff, Projektleiter beim TrafoHub in den Wichmannhallen, hatte über seine Frau, die Lehrerin an einer Berufsschule arbeitet, mitbekommen, dass zwei ihrer Schüler kein Laptop besaßen und so vom Homeschooling ausgeschlossen waren. Ein kurzer Anruf bei Martin Bretschneider von der Agentur „Gingco Communication“ hatte Erfolg: Dort lagen noch ausrangierte Rechner im Lager. Das brauchte die beiden auf eine zündende Idee: Schließlich liegen in vielen Firmen Rechner rum, die nicht mehr dem neuesten Stand entsprechen und abgeschrieben sind - die aber noch gut genug sind, um damit im Internet zu recherchieren, an Videokonferenzen teilzunehmen und Hausaufgaben zu machen.

„Hey, Alter!“ ist zum großen Gemeinsam-Projekt der Braunschweiger geworden

Und so startete die Initiative „Hey, Alter!“. Bretschneider und Tetzlaff nutzten ihr großes Netzwerk und fanden rasch Unterstützer. „Eigentlich müsste es nicht ,Hey, Alter!’ heißen, sondern ,Hey, Braunschweig’“, witzelt Tetzlaff. Denn: Ob Eintracht Braunschweig, die Basketballer, Alba, Nordzucker, die Awo oder die Öffentliche Versicherung: Sie alle und weitere spendeten bereitwillig gut erhaltene Laptops und Rechner, ebenso viele Privatpersonen.

Schnell fand sich auch ein Team aus etwa 20 ehrenamtlichen Helfern zusammen, das unermüdlich dabei ist, die gespendete Hardware auf Vordermann zu bringen: Die Speicher werden neutralisiert, anschließend werden das Betriebssystem Ubuntu Linux, ein Browser und LibreOffice installiert. Das Sandkasten-Projekt der TU ist ebenso an Bord wie der Verein Stratum 0, der Arbeitgeberverband AGV Braunschweig und die Stiftung Achterkerke.

„Diese Welle der Hilfsbereitschaft und das große Selbstverständnis, mit dem sich alle eingebracht haben, hat mich wahnsinnig positiv überrascht“, sagt Moritz Tetzlaff. Allen sei bewusst gewesen, dass etwas getan werden müsse, und zwar schnell. Bretschneider: „Es ist schon krass, dass unser Land es nicht schafft, seinen Schülern die Lernmittel zur Verfügung zu stellen, die sie brauchen.“

Bundesweit gibt es bereits 20 „Hey, Alter!“-Initiativen

Über die Landesschulbehörde und die Stadtverwaltung entstand der Kontakt zu den Schulen, die ihren Bedarf an „Hey, Alter!“ melden und die Rechner an die Schüler verteilen. Vor kurzem wurde der tausendste Rechner am Wilhelm-Gymnasium ausgeteilt. Aber das ist nicht alles: Die Initiative hat längst Nachahmer gefunden, und das finden Tetzlaff und Bretschneider großartig: „Hey, Alter!“ gibt es nun von Konstanz bis Hamburg, von Cottbus bis Köln: 20 Städte und Kreise sind schon dabei, und es werden immer mehr. „Das ist wie eine Lawine“, freut sich Bretschneider. Die Braunschweiger geben gerne Starthilfe. Auf der Homepage von „Hey, Alter!“ heißt es, das bundesweit bislang 2.400 Rechner ausgeteilt wurden. Bretschneider merkt an: „Die Dunkelziffer ist allerdings hoch, denn einige stellen ihre Zahlen nicht ein.“

Für ihr Engagement hat das Team von „Hey, Alter!“ bereits beim „Niedersachsenpreis für Bürgerengagement“ einen Sonderpreis erhalten, ebenso den Präventionspreis des Braunschweiger Präventionsrats. Nun ist „Hey, Alter!“ von Lesern zum Kandidaten für den „Gemeinsam-Preis“ vorgeschlagen worden, den unsere Zeitung zum 18. Mal zusammen mit dem Braunschweiger Dom verleiht. 25 Kandidaten stellt unsere Redaktion vor, bevor Leser und Jury die Preisträger wählen. Der Preis wird am 18. Mai vergeben.

Es soll weitergehen - über das Austeilen von Hardware hinaus

Die Initiatoren von „Hey, Alter!“ können stolz sein auf ihr Wirken – aber zufrieden sind sie noch lange nicht. „Wir sind jetzt auf einer Welle und wollen den nächsten Schritt machen“, verrät Tetzlaff. Dabei gehe es nicht nur um das Austeilen von Hardware, sondern um Support, um die Vermittlung von Digitalisierung und das Bilden von Schnittstellen zwischen analogen Angeboten und digitalen Plattformen. Man darf gespannt sein.

Das Zwischenfazit von Bretschneider: „In einer Gesellschaft, die oft als egoistisch beschrieben wird, ist es schön zu erleben, wie alle gemeinsam an einem Strang ziehen.“

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„Hey, Alter!“

- Weiterhin gesucht: funktionstüchtige Laptops, die mindestens einen 2 GHz Dual Core Prozessor und 4 GB RAM haben. Alle Komponenten (Kamera, Mikrofon, Lautsprecher, Monitor usw.) sollten funktionsfähig sein.

- Anlieferung der Geräte ausschließlich dienstags und donnerstags 14 Uhr bis 15 Uhr im Bürohaus Wendenring, Wendenring 1, (Eingang rechts neben El Gaucho Steakhouse).

- Mehr unter https://heyalter.com/

Fragen zum Artikel? Mailen Sie uns: redaktion.online-bzv@funkemedien.de

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