„Defihelden Wolfsburg“: Ein Gerät im Körper als Lebensretter

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Karolin Bartels mit ihrem Labrador Ari. Er wird gerade zum Assistenzhund ausgebildet.

Karolin Bartels mit ihrem Labrador Ari. Er wird gerade zum Assistenzhund ausgebildet.

Foto: Katharina Keller

Wolfsburg.  Karolin Bartels initiierte die Selbsthilfegruppe „Defihelden Wolfsburg“ und gibt anderen damit Kraft. Jetzt ist sie für den Gemeinsam-Preis nominiert.

Am 1. April feierte Karolin Bartels ihren 29. Geburtstag. In diesem Alter machen sich wohl die Wenigsten schon groß Gedanken über das Leben und den Tod. Für die gebürtige Wolfsburgerin aber rückte das Thema schon vor sieben Jahren stark in den Fokus: Nach einem Autounfall an der Schlosskreuzung musste sie reanimiert werden. „Die Ersthelfer haben mein Leben gerettet“, sagt Bartels, die ungebremst gegen eine Laterne gefahren war. Sie war nicht schnell unterwegs gewesen, der Tacho zeigte 40 Stundenkilometer an. Auch auf dem Weg ins Klinikum musste die junge Frau mehrfach reanimiert werden.

Bartels möchte anderen mit der Selbsthilfegruppe helfen

Bis heute ist unklar: Flimmerte das Herz und kam es aus diesem Grund zum Unfall? Oder war es der Unfall, der das Herz schädigte? Eines jedenfalls war nach zahlreichen Untersuchungen entschieden: Der damals 22-Jährigen wurde ein Defibrillator implantiert. „Es hieß seinerzeit, dass ich den Defi wohl nie brauchen würde.“ Sieben Jahre später weiß sie es besser: Mehr als ein Dutzend Male „schockte“ er. Doch mit dieser Formulierung und anderen Besonderheiten musste sich Bartels erst einmal anfreunden. Ihr Leben, sagt sie, änderte sich mit dem ersten Schock, den sie eineinhalb Jahre nach dem Unfall hatte. Sie weiß, wie hilflos und unsicher sich ein Defi-Patient fühlen kann. Der Eingriff ist einschneidend. Und wie viele Fragen schwirren im Kopf umher: Was passiert mit meinem Beruf? Welchen Sport darf ich machen?

Aus diesem Grund gibt es seit rund drei Jahren die Wolfsburger „Defihelden“. In einer Hamburger Klinik hatte man ihr zu einem Besuch einer Selbsthilfegruppe geraten. „Doch damals gab es keine in Wolfsburg“, erzählt sie. Darüber hinaus durfte sie nicht mehr mit dem Auto fahren. Was also tun? Selbst eine Gruppe gründen!

Jeder Betroffene ist in der Selbsthilfegruppe willkommen

Einmal im Monat – am zweiten Mittwoch im Monat – treffen sich die Mitglieder nun also zum gemeinsamen Austausch. „Die Altersstruktur ist dabei total gemischt“, berichtet Bartels. Der eine ist Mitte 20, die andere schon 80 Jahre alt. Die Mitglieder selbst kommen nicht nur aus Wolfsburg, sondern auch aus Gifhorn und Braunschweig. Flyer liegen beispielsweise im Wolfsburger Klinikum aus – jeder Betroffene ist willkommen.

Fragen, die sich viele Patienten anfangs stellen, sind beispielsweise diese: „Was darf ich überhaupt noch benutzen? Das Handy? Die elektrische Zahnbürste?“, zählt Bartels auf. Es gebe verschiedene Fabrikate – und so mancher Schockgeber piept auch schon mal bei einem Induktionskochfeld, berichtet die 29-Jährige. „Das muss man im Geschäft dann einfach ausprobieren“, sagt Bartels schmunzelnd. In den vergangenen Monaten fanden die Treffen am Bildschirm statt. „Wenn die Lage es zulässt, können wir uns auch zum Spazierengehen am Allersee oder Freibad treffen“, berichtet Bartels. Bewegung tue schließlich auch den Herzpatienten gut. Der Austausch allemal. „Im vergangenen Sommer haben wir uns auch im Freien getroffen“, erklärt die 29-Jährige, die dafür natürlich stets Rücksprache mit Medizinern hält.

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