Eine Schule für ein Dorf in Madagskar

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Marie Paul aus Wolfenbüttel ist mit ihrem Madagaskar-Projekt für den Gemeinsam-Preis nominiert. 

Marie Paul aus Wolfenbüttel ist mit ihrem Madagaskar-Projekt für den Gemeinsam-Preis nominiert. 

Foto: Jörg Kleinert / Jörg Kleinert (1)

Wolfenbüttel.  2004 gründete Marie Paul aus Wolfenbüttel mit deutschen Mitstreitern den Förderverein Lovasoa. Der Verein setzt sich für den Bau einer Schule ein.

Es begann 1995 mit einer flüchtigen Brieffreundschaft. Er Physiklehrer, sie Physiklehrerin. Fast 8700 Kilometer lagen zwischen Ludger Paul und Marie Honorine Razanoelisoa. Er lebte in Wolfenbüttel, sie im afrikanischen Inselstaat Madagaskar. Doch nur ein Jahr später entwickelte sich aus der Brieffreundschaft eine Liebesgeschichte.

Ludger Paul kaufte ein Flugticket und reiste nach Ankadinondrikely, das Heimatdorf der Madagassin, 165 Kilometer westlich der Hauptstadt Antananarivo gelegen. Beide verliebten sich, 1997 heiratete Ludger Paul die zweifache Mutter. Die heute 62-Jährige zog zu ihrem Mann nach Wolfenbüttel. Ein großer Schritt für Marie Paul, die in ihrer afrikanischen Heimat indes Spuren hinterließ. Sie ließ dort im Jahr 2009 eine Schule bauen. Doch der Reihe nach.

Marie Paul unterstützt ihr Heimatdorf in Madagaskar

1998 kehrte Marie Paul als Besucherin zurück in ihr Heimatdorf. Sie, die einen Weißen geheiratet hatte, galt plötzlich als reich. „Die Leute im Dorf fragten: Kannst du uns eine Schule bauen? Du bist unsere Hoffnung“, erinnert sich Marie Paul. Sie lehnte ab. Zu teuer, zu viel Verantwortung. Die Dorfbewohner ließen nicht locker. In den Jahren 2000 und 2003, erneut war Marie Paul zu Besuch, wiederholten sie die Frage. Und dieses Mal sagte sie ihre Unterstützung zu. Denn: In dem 400 Einwohner kleinen Dorf hatten 80 Kinder im Alter bis 14 Jahre noch nie eine Schule besucht, sie waren Analphabeten.

Marie Paul gründet einen Förderverein

Doch zunächst ging es Marie Paul um Soforthilfe. Die Schule von Ankadinondrikely war im Dorfgemeinschaftshaus untergebracht. Es gab keine verglasten Fenster, keine Türen, kein Mobiliar, dafür harte Lehmböden und unverputzte Wände. „Wir haben mit einer 700-Euro-Privatspende ausgeholfen“, erzählt Marie Paul. Das Haus wurde notdürftig herausgeputzt. Marie Paul hörte gar mit dem Rauchen auf, spendete täglich fünf Euro. „Mit diesem Zigarettengeld haben wir zwei Lehrergehälter bezahlt, ein Lehrer kostete uns 50 Euro pro Monat.“

2004 gründete Marie Paul mit deutschen Mitstreitern den Förderverein Lovasoa – übersetzt aus dem Madagassischen: schönes Erbe. Zwischenzeitlich platzte die alte Schule aus allen Nähten. Der Verein und die Dorfgemeinschaft entschieden: Eine neue, größere Schule muss her. „Wir haben mit der lutherischen Kirchengemeinde im Dorf einen Deal vereinbart“, erinnert sich Marie Paul. Die Pfadfinder der St.-Thomas-Kirche in Wolfenbüttel spendeten 900 Euro für ein neues Blechdach der Dorfkirche, im Gegenzug erhielt Lovasoa 3000 Quadratmeter Kirchen-Acker als Baugrund. Für dieses Engagement ist Marie Paul nun für den Gemeinsam-Preis nominiert.

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