Kommentar

Alstom- und Bombardierfusion: Europa first

„Die Fusion auf dem umkämpften Markt ist richtig, kann sie doch langfristig Arbeitsplätze sichern.“

Hannah Schmitz

Die Fusion von Alstom und Siemens hatte die Europäische Kommission 2019 noch untersagt – zu groß wäre die Gefahr gewesen, dass der Zusammenschluss zu höheren Preisen für Signalanlagen und Hochgeschwindigkeitszügen geführt hätte, argumentierte EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager damals. Jetzt sieht die Welt anders aus.

Die Zugsparte des kanadischen Konzerns Bombardier und der französische Zugbauer Alstom hatten von vorneherein so viele Zugeständnisse gemacht, dass die Wettbewerbshüter in Brüssel die Fusion nach eigenen Angaben „rasch prüfen und genehmigen“ konnten. Mit der Übernahme von Bombardiers Zugsparte, die in Berlin ihren Sitz hat und größter Zulieferer der Deutschen Bahn ist, durch Alstom entsteht der zweitgrößter Zughersteller der Welt – gleich nach dem chinesischen Branchenriesen CRRC.

Die Einschnitte, die beide Unternehmen dafür hinnehmen müssen, schmerzen. Sie gehen natürlich zulasten von Beschäftigten, allerdings bisher nicht in unserer Region. Dennoch bangen die Beschäftigten auch hier wohl so lange, bis der Deal 2021 ganz in trockenen Tüchern ist. Trotz ihrer Furcht um den eigenen Job ist die Fusion auf dem umkämpften Markt richtig, weil sie paradoxerweise langfristig Arbeitsplätze sichern kann. Denn ein europäischer Player in dieser Größe kann einem Konkurrenten wie CRRC, der längst auf den europäischen Markt drängt, viel besser die Stirn bieten – und Aufträge ergattern.

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