Alstom-Bombardier-Fusion: Das gilt in Salzgitter und Braunschweig

Salzgitter.  Die Arbeitnehmervertreter an den Alstom- und Bombardier-Standorten unserer Region wollen wachsam bleiben.

Die Auslieferungshalle im Alstom-Werk in Salzgitter. Der französische Zugbauer darf die Zugsparte von Bombardier übernehmen. Am Freitag gab die EU-Kommission dem Deal ihre Zustimmung.

Die Auslieferungshalle im Alstom-Werk in Salzgitter. Der französische Zugbauer darf die Zugsparte von Bombardier übernehmen. Am Freitag gab die EU-Kommission dem Deal ihre Zustimmung.

Foto: Bernward Comes/Archiv

Nach der jüngsten Entscheidung der EU-Kommission, Alstom die Übernahme von Bombardiers Zugsparte ohne weitere Auflagen zu genehmigen, herrscht auch an den Unternehmensstandorten in unserer Region erst einmal Gewissheit. „Aus unserer Sicht ist damit endlich ein Thema abgehakt. Und als europäischer Gesamtbetriebsrat können wir jetzt ein bisschen Gas geben“, sagte Reinhard Kratzert, Betriebsratschef im Alstom-Werk Salzgitter, am Montag. Uwe Schmieder, Betriebsratschef des 85 Mitarbeiter großen Entwicklungsstandorts von Bombardier in Braunschweig, sagte: „Die Mutmaßungen hören mit der Entscheidung der EU nun auf. Wir sind aber trotzdem weiterhin gespannt, wie die Übernahme konkret umgesetzt wird und in welchem Zeitplan sie erfolgt.“

Alstom- Bombardier-Fusion soll 2021 endgültig stattfinden

Der französische Zugbauer Alstom hatte erklärt, dass Geschäft voraussichtlich im ersten Halbjahr 2021 abschließen zu wollen. Schmieder hält es für möglich, dass der Braunschweiger Bombardier-Standort in dieser Zeit verlegt wird – um Kosten zu sparen. Entweder nach Salzgitter, wo Alstom eines seiner größten Werke unterhält, oder an den Alstom-Standort nach Braunschweig, wo 150 Beschäftigte Wartungsarbeiten im Reparaturwerk durchführen. Genauso gut könnte Bombardier in Braunschweig aber auch ein selbstständiger Standort bleiben. „Wir müssen weiterhin achtsam sein. Denn wie die Integration der verschiedenen Geschäftsbereiche aussehen soll, davon ist uns noch nichts bekannt“, erklärte Schmieder.

Stellenabbau in Braunschweig zunächst keine Sorge

Im Gegensatz zum Bombardier-Standort in Henningsdorf bei Berlin sind die Entwickler in Braunschweig aber im Zusammenhang mit der Fusion nicht vom Arbeitsplatzabbau bedroht. In Berlin hingegen sollen Produktionsanlagen verkauft werden. Der brandenburgische Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) war zuletzt jedoch zuversichtlich, was die Perspektive für das Werk anging. „Aus Sicht der Landesregierung kann der Produktionsstandort Hennigsdorf mit dem Verkauf an Alstom langfristig gesichert werden“, sagte er, wie die Deutsche Presse-Agentur berichtete. Er sei auch zuversichtlich, dass das Gros der dortigen Arbeitsplätze erhalten werden könne.

Auch Alstom-Salzgitter geht unverändert durch die Fusion

Der Alstom-Standort in Salzgitter ist um Einschnitte im Zuge der Fusion bisher ebenfalls herumgekommen. „Als die Nachricht am Freitag kam, haben wir natürlich aufgeatmet. Sie ist gut für Alstom Deutschland", sagte Kratzert. Für den Standort mit knapp 2400 Beschäftigten gelten bis zum Jahr 2025 Standortvereinbarungen. Thorsten Gröger, Bezirksleiter der IG Metall Niedersachsen Sachsen-Anhalt, hatte bereits am Freitag betont: „Wir erwarten vom Konzern, dass diese Standortvereinbarungen vollumfänglich erfüllt werden.“

Betriebsräte in Deutschland, Frankreich und Spanien fordern Transparenz von Alstom und Bombardier

Wie die Betriebsräte erklären, kämpfen sie nun weiter für die Beschäftigungssicherung an allen Standorten der zwei Unternehmen. Außerdem fordern sie Transparenz ein. Dafür arbeiten etwa bei Alstom die französischen, spanischen und deutschen Betriebsräte zusammen, wie Kratzert berichtete. „Wir verstärken jetzt zusammen die Forderung an das Management in Paris, den Übernahmeprozess transparent zu machen“, sagte er. Ende August gebe es eine Telefonkonferenz mit dem Alstom-Vorstand.

Politik steht zu Salzgitter-Standort

Und auch mit politischen Vertretern habe man nach dem EU-Entscheid bereits erneut Kontakt aufgenommen. „Wir haben einen engen Kontakt mit der Stadt Salzgitter, mit der Landesregierung und dem Wirtschaftsministerium“, sagte Kratzert. „Sie haben signalisiert, dass sie definitiv für uns da sind, wenn wir sie brauchen.“ Der Betriebsratschef ist, was die politische Unterstützung angeht, auch deshalb zuversichtlich, weil er sie nach eigenen Angaben schon in der Vergangenheit erlebt hat. „Zum Beispiel, als es um die Verlagerung von Betriebsteilen ging. Da hat uns die Politik schon immer geholfen.“

Der Gesamtbetriebsrat von Bombardier steht in Kontakt mit der deutschen Geschäftsführung des kanadischen Konzerns und will sich bald auch mit dem neuen Eigentümer – Alstom – in Verbindung setzen, wie Schmieder sagte. „Wir fordern einen klaren und transparenten Fahrplan für die Übernahme“, erklärte er.

Lesen Sie hier den Kommentar von Redakteurin Hannah Schmitz.

Bombardier und Alstom gehören zu den Weltmarktführern im Schienenverkehr. Alstom ist vor allem durch den Bau der TGV-Hochgeschwindigkeitszüge bekannt, stellt aber auch Schienenfahrzeuge für den Nah- und Regionalverkehr sowie Signaltechnik und andere Bahntechnik her. 2019 mussten Alstom und die Zugsparte von Siemens ihre Fusionspläne begraben – sie scheiterten damals am Veto der EU.

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder