Beschäftigte wollen Gewissheit bei Alstom und Bombardier

Salzgitter.  Ende Juli entscheidet die EU über die geplante Fusion der beiden Zughersteller.

Gewerkschafter verteilen bei Alstom Flugblätter an die Mitarbeiter. Bei einem EU-weiten Aktionstag bei Bombardier und Alstom möchte die IG Metall auf die Arbeitsplatzsicherheit an den Standorten aufmerksam machen.

Gewerkschafter verteilen bei Alstom Flugblätter an die Mitarbeiter. Bei einem EU-weiten Aktionstag bei Bombardier und Alstom möchte die IG Metall auf die Arbeitsplatzsicherheit an den Standorten aufmerksam machen.

Foto: Betriebsrat

Mit Flugblatt-Aktionen und Kundgebungen haben sich Beschäftigte der Zughersteller Alstom und Bombardier am Donnerstag in ganz Europa für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze bei der geplanten Fusion stark gemacht. Auch am Alstom-Standort Salzgitter verteilte der Betriebsrat Flugblätter und informierte Mitarbeiter über den aktuellen Stand der Übernahme.

„Die Lage war ruhig“, erklärte Betriebsratschef Reinhard Kratzert unserer Zeitung. Vergangene Woche hatten die Beschäftigten dort erfahren, dass das Werk – es ist eines der größten des französischen Zugherstellers – nicht auf der Streichliste des Unternehmens steht. Es sei erkennbar, dass die Mannschaft deswegen nun beruhigter in die Zukunft schaue, sagte Kratzert. „Der Kelch ist vorerst an uns vorbeigegangen“, so der Betriebsratschef. Aber er warnte auch: „Es kann auch noch etwas kommen.“

EU entscheidet bis 31. Juli über Fusion

Die Wettbewerbshüter der Europäische Union entscheiden bis zum 31. Juli darüber, ob Alstom die Zugsparte von Bombardier übernehmen darf. Der französische TGV-Bauer hatte mehrere Streichungen angekündigt, um die Bedenken der EU-Kommission auszuräumen. So will sich Alstom bei einer Übernahme zum Beispiel von der Produktion des Regionalzugs Coradia Polyvalent verabschieden, der im französischen Reichshoffen gebaut wird. Bombardier soll die Produktion des Nahverkehrszugs Talent 3 und dessen Produktionsanlagen in Berlin verkaufen. Im vergangenen Jahr waren Alstom und die Siemens-Zugsparte Mobility bei einem ähnlichen Fusionsversuch an dem Veto der EU-Kommission gescheitert.

Klingebiel: Beschäftigte haben Recht auf verbindliche Aussagen

Thorsten Gröger, IG-Metall-Chef in Niedersachsen und Bremen, forderte in einem Statement auf dem Flugblatt, dass die Konzerne transparenter werden und die Gewerkschaft und Betriebsräten enger in die Diskussion einbinden müssen. Salzgitters Oberbürgermeister Frank Klingebiel (CDU) erklärte, „voll und ganz“ hinter den Forderungen der Beschäftigten von Alstom und Bombardier nach Arbeitsplatz- und Standortgarantien zu stehen. „Die Beschäftigten haben ein Recht darauf, verbindliche Aussagen zur langfristigen Sicherung Ihrer Arbeitsplätze zu erhalten“, sagte der Oberbürgermeister.

Im Salzgitteraner Alstom-Werk arbeiten rund 2400 Beschäftigte. Weil der Betriebsrat Corona-Auflagen nicht erfüllen konnte, beschränkte er sich beim Aktionstag auf die Verteilung der Info-Blätter. Der Braunschweiger Bombardier-Standort mit 85 Beschäftigten beteiligte sich nicht. Wie der Betriebsratsvorsitzende Uwe Schmieder unserer Zeitung erklärte, liege das daran, dass der Entwickler-Standort zum einen nicht von Schließungen betroffen wäre, zum anderen sehr klein sei und Aktionen in ihrer Wirkung daher begrenzt wären.

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