Almas krönt sich mit der nächsten Topzeit zum deutschen Meister

Braunschweig.  Der Sprinter des VfL Wolfsburg wird in Braunschweig nervenstark seiner Favoritenrolle gerecht. Drei Athleten aus der Löwenstadt hoffen auf Sonntag.

Der Wolfsburger Deniz Almas ist derzeit nicht aufzuhalten. Mit zwei Top-Läufen in Halbfinale und Finale holte sich der 23-Jährige in Braunschweig den Titel und will Sonntag vielleicht auch noch die 200 Meter in Angriff nehmen.

Der Wolfsburger Deniz Almas ist derzeit nicht aufzuhalten. Mit zwei Top-Läufen in Halbfinale und Finale holte sich der 23-Jährige in Braunschweig den Titel und will Sonntag vielleicht auch noch die 200 Meter in Angriff nehmen.

Foto: Swen Pförtner / dpa

Was für ein Freudentänzchen von Deniz Almas. Der neue deutsche Meister über 100 Meter kommt von VfL Wolfsburg und breitete nach seinem Fabellauf die Arme aus, als wolle er die Welt umarmen. 10,08 Sekunden zeigte die Uhr an, als der 23-Jährige bei den Titelkämpfen im Braunschweiger Eintracht-Stadion durchs Ziel geflogen war. Dass die Zeit dann noch auf 10,09 hochkorrigiert wurde, war dem glücklichen jungen Mann ziemlich egal.

„Wenn du anfängst zu laufen, träumst du davon, mal deutscher Meister zu werden. Und diesen Traum habe ich mir heute erfüllt“, jubelte er. „Ich bin megaglücklich“ Wichtig sei ihm auch gewesen, seine 10,08 Sekunden aus der besonders schnellen Bahn in Weinheim zu bestätigen. Und das sei ja ebenfalls gelungen, obwohl ihm im Vorfeld gesagt worden sei, im Braunschweiger Stadion könne man keine schnellen Zeiten laufen.

„Ich bin im Kopf deutlich stärker geworden“

Es ist schon faszinierend, wie nervenstark sich der neue deutsche Sprintstar in diesen Wochen präsentiert. Wenn er startet, gewinnt er auch. „Ich bin im Kopf deutlich stärker geworden“, sagte Almas, der im Februar schon deutscher Hallenmeister geworden war. „Früher habe ich mich erst gut gefühlt, aber wenn dann Julian Reus neben mir stand, bin ich fest geworden“, erzählte er offenherzig in der Mixedzone, wo sich die Journalisten hinter einem Absperrgitter so zu ihn hindrängten, dass sie immer wieder ermahnt wurden, bloß den Corona-Abstand einzuhalten.

Gleich noch über 200 Meter?

Das 100-m-Finale am Abend war der unbestrittene Höhepunkt der Meisterschaften vor der, wie ARD-Experte Frank Busemann fand, „gespenstischen Atmosphäre“ an der Hamburger Straße, wo der DLV mangels Zuschauern mit Musik-Einspielern und detaillierter Moderation um ein bisschen Stimmung im heißen Rund kämpfte. Die beiden letzten Rennen waren nach viel Mittelmaß wirklich hochklassig. Erst siegte bei den Frauen Lisa Marie Kwayie (11,30) hauchdünn vor Rebecca Haase (11,34). Dann setzte sich Almas mit seinem guten Start und auch viel Feuer hinten raus vor Joshua Hartmann (10,23) und Altmeister Julian Reus (10,26) durch.

Und weil er nach diesem Triumph, wie er sagte „Blut geleckt hat“, kündigte er gleich noch an, am Sonntag vielleicht auch noch über 200 Meter zu starten: „Ich bin gut drauf, das muss man ausnutzen!“

Hendel steigt aus

Die fünf Läufer der LG Braunschweig waren auch alle am ersten Tag schon aktiv. Dabei stand Langstrecken-Ass Sebastian Hendel als einziger bereits im Finale. Doch das 5000-m-Rennen wurde für ihn eine Enttäuschung. Nach 12 Minuten stieg der Braunschweiger aus und fasste sich an die rechte Hüfte. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte er noch Kontakt zur Spitze.

„Ich hatte einen Krampf, das hatte sich schon die Runden vorher angedeutet und ist dann schlimmer geworden“, erklärte der 24-Jährige sein Ausscheiden, gerade als nach vorne die Post abging. Ärgerlich sei das, sagte er. „Der erste Start im neuen Trikot, dann auch noch in Braunschweig, und ich krieg einen Krampf!“

Kritik der 5000-Meter-Asse

Große Hoffnungen auf einen Top-Platz hatte er sich aber ohnehin nicht gemacht, weil er nach einer Achillessehnenentzündung noch kaum Schnelligkeitstraining absolviert hatte. „Das war für mich heute ein Sprung ins kalte Wasser“, sagte er, merkte aber sofort, dass dies angesichts der Umstände vielleicht das falsche Bild war.

Denn die 5000-Meter-Läufer klagten darüber, dass ausgerechnet sie, die eine lange Viertelstunde auf der Bahn unterwegs sind, in der größten Nachmittagshitze starten mussten. „Da habe ich schon ein bisschen Kritik am Veranstalter“, sagte auch Hendel, der irgendwie auf eine Verlegung des Rennens in die Abendstunden gehofft hatte. „Man hat ja den Wetterbericht und könnte ein bisschen besser auf die Gesundheit von uns Sportlern achten, als uns bei 37 Grad starten zu lassen.“

Die Maßnahmen gegen Corona fand der Braunschweiger „ganz schön streng“. „Ich weiß nicht, ob Maskentragen im Freien sein muss“, sagte er, akzeptierte aber, dass im Eintracht-Stadion eben das Konzept nach dem Stand aus dem Frühsommer umgesetzt wurde. „Und ich bin ja froh, dass wir überhaupt diese DM haben.“

Lawnik gewinnt sein Halbfinale

Am frühen Nachmittag hatte Braunschweigs Laufteam-Chef Peter Heine schon mal zufrieden Zwischenbilanz gezogen. „Wenn man drei von vier Athleten ins Finale kriegt, ist das doch super“, frohlockte er, nachdem Julius Lawnik über 800 Meter sowie Viktor Kuk und Kilian Grünhagen über 1500 Meter die Qualifikation für die Endläufe am Sonntag geschafft hatten.

Live-Ticker- Wolfsburger Deniz Almas ist schnellster Deutscher

Lawnik gewann sein Halbfinale mit einem Start-Ziel-Sieg. „Ich hatte mir keine Taktik zurechtgelegt“, erzählt er. „Aber als dann keiner führen wollte, habe ich gedacht, ich mach’s, dann müssen die anderen mich erstmal überholen.“ Doch dazu kam es nicht mehr. Auf den letzten 200 Metern wehrte der Braunschweiger den Angriff von Christian von Eitzen ab und kam nach 1:51,72 Minuten ins Ziel.

„Für uns Athleten wurden gute Lösungen gefunden“

„Ich bin sehr, sehr zufrieden“, resümierte er. „Das Rennen hat mich nochmal motiviert, morgen vorne mit dabei sein zu wollen.“ Die Organisation der Titelkämpfe mit dem strengen Hygienekonzept lobte Lawnik. „Ich finde alles sehr professionell aufgezogen. Für uns Athleten wurden gute Lösungen gefunden“, sagte er. „Man wird überhaupt nicht behindert, und es wird gut auf den Abstand geachtet.“

Zur Vorbereitung aufs Finale fuhr er wieder heim nach Magdeburg. Ich mag es, mein gewohntes Umfeld zu haben, abzuschalten und vielleicht noch mit der Familie essen zu gehen.“

LG-Teamkollege Max Dieterich lief im zweiten von drei Halbfinals zunächst wie geplant an Position zwei. Das sah gut aus. Doch nach der ersten Runde wurde er von einem Trio überholt und musste etwa 200 Meter vor dem Ziel abreißen lassen. „Am Ende ist er den Heldentod gestorben“, sagte Heine mit Mitgefühl für den 20-Jährigen. In 1:53,67 wurde Dieterich Vierter und schied als Gesamt-13. aus.

Duo stürmt mit Glück ins 1500-m-Finale

Unverhofft lösten anschließend die 1500-Meter-Läufer Viktor Kuk und Kilian Grünhagen beide ihr Finalticket. Und das war hart! Bei 36 Grad Celsius mussten die LG-Athleten und ihre acht Konkurrenten im zweiten Halbfinale auf die Bahn. Ein Fehlstart kostete zusätzlich Energie. Aber die Braunschweiger bissen sich durch und hatten auch Glück: Durch einen Sturz in der letzten Runde, bei dem drei Athleten übereinander stolperten und einen vierten ausbremsten, dezimierte sich das Feld.

Routinier Kuk kam in 4:01,51 als Vierter im Führungsquartett direkt weiter, aber auch Grünhagen erfüllte sich im Endspurt zu 4:02,00 als Fünfter seinen Finaltraum. „Das hat er top gemacht, er hat die Chance gesehen und ist dann da reingegangen“, lobte Heine den LG-Neuzugang bei dessen erster Freiluft-DM-Teilnahme.

Mehr zum Thema:

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder