„Quantensprung“: VfL-Sprinter Almas plötzlich DM-Favorit

Wolfsburg.  Der Wolfsburger Sprinter katapultiert sich über 100 Meter in 10,08 Sekunden auf Platz 1 der europäischen Bestenliste.

VfL-Sprinter Deniz Almas lief in Weinheim in 10,08 Sekunden über 100 Meter nicht nur zum Sieg, sondern auch europäische Jahresbestzeit. Damit ist der Wolfsburger Sprinter bei der DM in Braunschweig am Samstag der Favorit.

VfL-Sprinter Deniz Almas lief in Weinheim in 10,08 Sekunden über 100 Meter nicht nur zum Sieg, sondern auch europäische Jahresbestzeit. Damit ist der Wolfsburger Sprinter bei der DM in Braunschweig am Samstag der Favorit.

Foto: BEAUTIFUL SPORTS/B.Hoffmann / imago images

Von null bis hundert in 10,08 Sekunden: Deniz Almas hat sich in Weinheim zum DM-Topfavoriten über die Königsdisziplin der Leichtathletik katapultiert. Der Sprinter des VfL Wolfsburg lief bei der Kurpfalz-Gala im Finale Jahresbestzeit über 100 Meter – und das nicht nur für Deutschland, sondern sogar für Europa. Damit geht er Samstag bei den deutschen Meisterschaften in Braunschweig als großer Favorit ins Rennen.

Es ist fast etwas unübersichtlich, wenn man schaut, was der in Leipzig lebende und für den VfL startende Almas mit seinem Fabellauf im Finale von Weinheim geknackt hat: Er ist nun der schnellste Sprinter eines niedersächsischen Vereins, löst damit Sven Knipphals ab, der 2016 10,13 Sekunden gelaufen war. Er ist schnellster Deutscher und schnellster Europäer des Jahres und mit seinen 23 Jahren auch der jüngste Deutsche, der unter 10,10 Sekunden gelaufen ist. Rekordhalter Julian Reus war 28 Jahre alt, als er in Mannheim nur 10,01 Sekunden benötigt hatte. Almas reiht sich in die ewigen Bestenliste des deutschen Verbands auf Rang 5 ein. Und dabei wäre der VfLer in Weinheim fast gar nicht auf die Strecke gegangen...

Vor Rekord: Almas wollte schon nach Hause fahren

Denn bei der Kurpfalz-Gala gab es reichlich Verzögerungen. Nach einer Regenpause vor dem Wettkampf fiel auch noch eine Zielkamera aus, rund 75 Minuten mussten die Athleten warten, ehe sie auf die Strecke konnten. „Ich hatte den Wettkampf schon aufgegeben und richtig schlechte Laune“, so Almas. „Fast wäre ich zurück nach Leipzig gefahren. Gut, dass ich das nicht gemacht habe.“ Und wie: Schon im Vorlauf lief er 10,13 Sek. – stellte damit den Landesrekord von Ex-VfLer Knipphals ein, der Almas vor knapp zwei Jahren nach dem eigenen Karriereende in die VW-Stadt gelotst hatte. Knipphals arbeitet in Leipzig als Chiropraktor, hat dort auch den Bundeskader-Athleten unter seinen Fittichen, der 2018 bereits als großes Talent gegolten hatte.

In diesem Jahr ist der 23-Jährige eindrucksvoll ins Rampenlicht getreten: Schon sein Sieg bei der deutschen Hallenmeisterschaft über 60 m ließ auf ein starkes Jahr hoffen. Doch dann kam die Corona-Pandemie, der Lockdown und die Verschiebung der Olympischen Spiele in Tokio um ein Jahr auf 2021. Im Nachgang kann man sagen, dass Almas ein Gewinner dieser Zeit ist. Während viele Athleten schwer daran zu kauen haben, dass ihnen ein Wettkampfjahr genommen wurde, katapultierte sich die Nachwuchshoffnung ganz nach vorne. Bereits am 10. Juli war er in Dresden mit 10,24 Sekunden deutsche Jahresbestleistung gelaufen. Die hatte der Kölner Joshua Kaufmann am 26. Juli in Zeven mit einer 10,14 Sek. kassiert. Nun gab’s die prompte Antwort des Wolfsburgers, der auf der für Topzeiten bekannten Bahn von Weinheim ein Ausrufezeichen setzte. Im Vorjahr lag die Bestzeit noch bei 10,28 – nun hat er sie um zwei Zehntel steigern können. „Das ist ein Quantensprung“, staunte auch VfL-Coach Werner Morawietz. „Normal ist es, sich in einem Jahr vielleicht um drei Hundertstel oder Tausendstel zu verbessern.“

Almas: Mit Wut im Bauch zur Topzeit

Mit ordentlich Wut im Bauch lief der 23-Jährige bei der Kurpfalz-Gala allen davon, im Finale verbesserte er seine 10,13 Sek. bei 1,4 m/s. Rückenwind noch einmal und verwies Yannick Wolf (10,27 Sek.) und Luca Lai (10,33 Sek.) mit reichlich Abstand auf die Plätze. Im Vorfeld hatte er vor allem am Start gearbeitet, den er in Dresden noch für ausbaufähig gehalten hatte. „Das hat schon im ersten Lauf deutlich besser funktioniert als in Dresden“, so Almas. Im Finale hatte er die Vorlaufzeit einfach nur bestätigen wollen, doch bei etwas besserem Wind lief es noch mal etwas besser. „Da war ich erst einmal stutzig“, so der VfLer zu seiner ersten Reaktion nach den 10,08 Sekunden. Doch schnell brach die Freude aus ihm heraus, die ihn nun zum Topfavoriten auf den DM-Sieg in Braunschweig macht. Almas geht allerdings zum ersten Mal in der Löwenstadt auf die Bahn, die im Gegensatz zu Weinheim oder auch Zeven nicht für Topzeiten bekannt ist. Morawietz meint: „Die Bahn ist sehr windanfällig. Aber bei der DM geht es nicht um die Zeit, sondern um die Platzierung.“ Und da könnte in diesem Jahr erstmals überhaupt ein Wolfsburger auf der Königsdisziplin der Leichtathleten ganz vorne landen.

Lesen Sie mehr:

https://www.wolfsburger-nachrichten.de/sport/regionalsport/wolfsburg/article229558314/VfL-Sprinter-Almas-bestaetigt-seine-starke-Form.html

https://www.wolfsburger-nachrichten.de/sport/regionalsport/wolfsburg/article229505864/Wolfsburgs-Almas-jetzt-so-schnell-wie-Reus.html

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