Kommentar

Druck von der Straße

Selbst die sonst so schwerfällige deutsche Industrie hat die Zeichen der Zeit erkannt.

Als vor gut einem Jahr die ersten Schüler freitags in den Klimastreik gingen, hätte wohl kaum jemand gedacht, dass sie bis zum Sommer durchhalten würden. Und dann auch noch dieses sonderbar blasse Mädel aus Schweden. Greta kennt mittlerweile jedes Kind auf der Welt. Und die Schüler in Deutschland stellen am Freitag einen generationenübergreifenden Klimastreik auf die Beine.

Dieser Großstreik in 500 deutschen Städten erinnert an einen für deutsche Verhältnisse völlig untypischen Generalstreik wie in Frankreich, Griechenland oder Italien. Der Klimaschutz bewegt in Deutschland die Massen.

Der Druck von der Straße ist gut.Er ist ein beeindruckendes Signal für das parallel tagende Klimakabinett um Kanzlerin Merkel. Und doch muss die Groko am Ende dieser Woche im Trubel des Klimastreiks mit kühlem Kopf nachhaltige Beschlüsse fassen. Sie muss den Bürgern weh tun wollen, sie muss ihrer Verantwortung gerecht werden. Selbst die sonst so schwerfällige deutsche Industrie hat die Zeichen der Zeit erkannt. VW oder die Salzgitter AG wollen Milliarden investieren, um künftig CO2-ärmer zu produzieren. Das sollte die Groko doch inspirieren.

Schließlich sollte sich jeder fragen, ob er oder sie weiter im Überfluss leben will. Kreuzfahrten, große Autos und sorglose Kurztrips mit dem Flugzeug gilt es zu überdenken. Notfalls muss die Politik eben nachhelfen.

Niedersachsens Kultusminister Tonne hat gerade noch rechtzeitig für Klarheit gesorgt: Schulen können am Klimastreik teilnehmen. Für Berufstätige ist das so einfach nicht. Die Teilnahme birgt Risiken. Eine Teilnahme muss jeder mit sich selbst vereinbaren. Hoffentlich werden es viele.

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