Braunschweig. Nach 45 Jahren sollen die 20 Bahnen abgebaut werden. Die letzte Kugel könnte bereits Ende April rollen. Oder gibt es doch noch Hoffnung?

Bowling in Braunschweigs Innenstadt – wird diese Zeit nach 45 Jahren enden? Das „City Bowling-Center“ im Erdgeschoss des Parkhauses Wallstraße soll schließen. Zehn Mitarbeiter verlieren dann ihren Arbeitsplatz. Die Bowling-Bahn selbst würde wohl verschrottet.

Bowling ist kein einfaches Geschäft. In der 45-jährigen Wallstraßen-Geschichte gab es bereits mehrere Insolvenzen. Rolf Ohlendorf kaufte die Bahn samt Inneneinrichtung im Jahr 2007 selbst aus der Insolvenzmasse heraus. „Ich bin begeisterter Bowler und spielte dort oft. Weil der Preis am Ende stimmte, griff ich damals zu.“ Den Standort sichern und später weiterverkaufen – das war sein Plan. Es kam anders. Seine Tochter Nadine ist mittlerweile geschäftsführende Gesellschafterin. Ebenfalls Bowling-begeistert und mit einer Vergangenheit als deutsche Nationalspielerin.

Kein Wunder also, dass die 20 Bahnen zertifiziert und Bundesliga-tauglich sind. Eigentlich müsste eine erneute Zertifizierung dieses Jahr erfolgen. Dazu wird es aber wohl nicht kommen. Stand jetzt: „Ende April wird hier die letzte Kugel rollen. Dann beginnt der Innen-Abriss. Ende Juni müssen wir raus. Unser Mietvertrag wurde nicht verlängert“, erzählt Rolf Ohlendorf. Er versteht die Welt nicht mehr.

Sanierungsstau muss aufgelöst werden

Die Ohlendorfs halten sich für gute Mieter. „Selbstverständlich habe ich immer pünktlich die Miete gezahlt“, sagt Nadine Ohlendorf. Selbst in der schweren Corona-Zeit, als die riesige Fläche von rund 2000 Quadratmetern über Monate leer stand. Corona führte auch dazu, dass der Mietvertrag nicht Ende Juni 2022 endete, sondern erst ein Jahr später. „Er sollte ursprünglich um zweimal fünf Jahre verlängert werden. Eine Verdoppelung der Miete stand im Raum. Dass der alte Mietvertrag um ein Jahr verlängert wurde, sollte dafür sorgen, dass über einen neuen Mietvertrag ohne Zeitdruck gesprochen werden kann“, erzählt sie.

Die Contipark International Parking GmbH galt bei den Ohlendorfs als guter Vermieter. Rund 1000 Parkeinrichtungen in neun europäischen Ländern gehören dem Unternehmen oder werden von ihm verwaltet. „Es gab mehrere Vorbesitzer, die sich wenig um die Immobilie gekümmert haben. Conti hat am Ende dafür gesorgt, dass das Dach dicht wurde und es nicht mehr auf die Bahnen durchregnet. Das ganze Parkhaus haben sie aufgemöbelt“, erinnert sich Nadine Ohlendorf. Drogen, Prostitution auf den Parkdecks – das gehöre mittlerweile der Vergangenheit an.

Vermieter der Flächen ist die Contipark International Parking GmbH.
Vermieter der Flächen ist die Contipark International Parking GmbH. © Braunschweiger Zeitung | Bernward Comes

In Vertragsgesprächen meinten die Ohlendorfs auch herausgehört zu haben, dass man über die Mieterhöhung sprechen könne. „Das ist hier schließlich Rotlicht-Milieu und gehört nicht zu den ersten Adressen, wenn Eltern mit ihren Kindern Bowling spielen wollen“, erklärt Rolf Ohlendorf. Er meinte auch, einen guten Verhandlungsspielraum zu haben: Ein Sanierungsstau muss aufgelöst werden. Neue Toiletten sind nötig, eine Wand im Billard-Raum gilt es zu richten. Die Kosten wollten die Ohlendorfs tragen.

Sie waren so optimistisch, dass bereits neue Sitzpolster bestellt wurden. Investitionen waren geplant: Für 150.000 Euro sollte eine neue Zählanlage gekauft werden.

Suche nach Ersatzflächen scheiterte

Es sollte anders kommen. Denn per Einschreiben kam nicht der neue Mietvertrag, sondern die fristgerechte Kündigung. Begründung: Reparaturen seien nicht zielführend, eine Sanierung müsse erfolgen. Alles müsse dazu raus. Zwischenlagerung des Inventars nicht möglich. Das Aus für den Betrieb.

Die neuen Sitzpolster wurden wieder abbestellt. „Ein Umzug schied aus, weil es in Braunschweig keine Ersatzflächen gibt“, sagt die geschäftsführende Gesellschaftin. Arbeit im Bowling-Center sei zwar im Grunde Gastronomie und hart, mitunter werde erst um 2.30 Uhr abgeschlossen. „Aber nach zwölf Jahren habe ich mich daran gewöhnt. Und dann ist die Aussicht, wieder in meinem alten Beruf als angestellte Bürokauffrau zu arbeiten, nicht besonders prickelnd.“ Denn nicht nur ihre zehn Mitarbeiter, auch sie selbst würde ihren Arbeitsplatz verlieren.

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Eine Lösung für Inventar und Bowling-Bahn gibt es nicht. Rolf Ohlendorf sagt: „Die Tische werden wohl in den Kleinanzeigen verkauft, der Rest wird im Hochofen landen.“ Ist die Bahn weg, wird es wohl um den Bowling-Standort geschehen sein. „Eine neue Bahn kostet rund 1,5 Millionen Euro. Die investiert keiner.“

Ob es tatsächlich so kommt, ist momentan noch unklar. Die Kündigung zum 30. Juni hat Bestand. Auf Nachfrage bot Contipark International nun jedoch weitere Gespräche an. Ein guter Ausgang ist aber keineswegs gewiss.

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