Gastroszene in Braunschweig

Sushibar in Frauenhand: Nach Hannover jetzt Start in Braunschweig

| Lesedauer: 6 Minuten
Eröffnung des neuen Restaurants Soshe an der Neuen Straße mit den Geschäftsführerinnen Inna Krasevic (links) und Lina Furman (rechts), in der Mitte Betriebsleiterin Anastasia Kinzel.

Eröffnung des neuen Restaurants Soshe an der Neuen Straße mit den Geschäftsführerinnen Inna Krasevic (links) und Lina Furman (rechts), in der Mitte Betriebsleiterin Anastasia Kinzel.

Foto: Bernward Comes / Braunschweiger Zeitung

Braunschweig.  Mütter, Ehefrauen, Unternehmerinnen: Inna Krasevic und Lina Furman eröffnen ihr zweites Restaurant – das Soshe an der Neuen Straße.

Auftritt Lina Furmann und Inna Krasevic. Die beiden jungen Frauen schweben auf eleganten High-Heels in schimmernden Jumpsuits durch den Raum, begrüßen strahlend ihre Gäste. Perfekt bis in die Haarspitzen. Motto: All eyes on me. Die erfolgreichen Geschäftsfrauen eröffnen an diesem Abend ihr zweites Restaurant: das Soshe an der Neuen Straße.

Ihr erstes Restaurant heißt Tresor und ist in Hannover. Seit 2014 am Start, ist es inzwischen eine feste Größe in der Gastroszene der Landeshauptstadt. „Die Hannoveraner waren skeptisch“, erinnert sich Lina Furmann an die Anfangszeit, „vor allem die anderen Wirte.“ Hinter vorgehaltener Hand wurden Fragen wie ­diese diskutiert: Wo kommen die denn her? Das sind doch Quereinsteiger? Schaffen die das? Ob sie lange durchhalten?

Ja, sie haben es geschafft.

„Meine Eltern haben entschieden. Was muss das muss. Punkt.“

Ehrgeiz und Disziplin scheinen den beiden in die Wiege gelegt, das unternehmerische Können haben sie studiert. „Wir kamen Mitte der 90er Jahre als 14-Jährige beziehungsweise 11-Jährige mit unseren Familien aus dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion nach Hannover“, erzählt Lina Furmann. Unabhängig voneinander, sie sollten sich erst Jahre später treffen.

Beide gehen in Hannover zur Schule, sprechen schnell deutsch, machen ihr Abi. Ob der Umzug in ein fremdes Land schwer war? „Ich habe das nie in Frage gestellt“, sagt Lina, „meine Eltern haben entschieden. Für mich war das damit klar. Was muss das muss. Punkt.“

Ähnlich konsequent gehen die jungen Mädchen ihren Weg, studieren beide Internationales Management an der Uni Hannover. Auch dort laufen sie sich noch nicht über den Weg. Erst kurz danach, sozusagen als Verwandte. Ihre Partner sind Brüder, Unternehmer in der Pflegebranche, die Frauen arbeiten mit. Beide bekommen jeweils zwei Kinder, die sind heute zwischen 8 und 14 Jahre alt.

Die Ehemänner motivieren die Frauen, es selbst zu versuchen

Das Hobby der beiden Frauen: „Essen gehen und dabei die Qualität testen“, sagen beide lachend. Vor allem Lina Furmann weiß es fast überall besser, hat Vorschläge und Ideen. „Sie macht die Pläne, wo wir hingehen, alle unsere Freunde folgen ihren Vorschlägen“, erzählt Inna. Irgendwann sagen die Ehemänner: „Wenn ihr so klare Vorstellungen vom perfekten Restaurant habt, warum macht ihr es nicht selbst?“

Eine Initialzündung. „Von Anfang an war klar, dass es eine Fusion zwischen der asiatischen und der europäischen Küche werden soll“, sagt Lina Furmann, die seit einer Reise durch Japan von der besonderen Sorgfalt und dem Detailreichtum der japanischen Küche begeistert ist.

2013 stand der Businessplan. 2014 haben sie ein passendes Objekt in Hannover entdeckt. „Ein leerstehendes Bankhaus“, erzählt Lina. „Ich liebe Restaurants, die in Gebäuden sind, die schon eine Geschichte haben, zum Beispiel in Bunkern oder ehemaligen Kirchen.“ Nun also eine Bank. Und der passende Name: Tresor.

Die echte Bank spielt auch mit. „Unsere Pläne haben überzeugt, wir hatten angespart, unsere Männer unterstützten uns. Die Bank gewährte den nötigen Kredit.“

„Ein eigenes Restaurant ist wie ein weiteres Baby für uns“

„Wir hassen das Tresor“, schimpften ihre Kinder nach einiger Zeit, weil die Mütter als Geschäftsfrauen nur wenig zu Hause waren. „Ein eigenes Restaurant ist wie ein weiteres Baby für uns“, beschreibt Inna Krasevic, „du trägst es in dir, und wenn es eröffnet ist, wird es immer wichtiger.“

Der Einsatz wird belohnt, die Frauen sind erfolgreich. Anfangs etwas mühsam, Werbung über Insta und Facebook, die Ehemänner helfen noch als Bedienung aus. Doch es läuft schnell an. Regelmäßige Veranstaltungen mit DJs, das Oktoberfest oder Halloween sind inzwischen Wochen im Voraus ausgebucht.

Corona war die Schockwelle, die sie ebenfalls mutig umschifften. „Zumachen und finanzielle Hilfen bekommen? Oder sofort umstellen auf Lieferservice.“ Fast klar, dass die Geschäftsfrauen die zweite Variante wählten. Ebenfalls erfolgreich.

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„Hier in der Braunschweiger Innenstadt hat es Klick gemacht“

Und jetzt der Schritt nach Braunschweig. „Wir haben uns verschiedene Städte in der Region angeschaut, hier in der Innenstadt hat es Klick gemacht“, erzählen sie. Das passende Objekt war auch bald gefunden, ein Leerstand in der Neue Straße.

„Super, wir übernehmen eine Bestandsgastronomie, das wird relativ einfach“, freuten sich die Unternehmerinnen. „Erst bei genauerem Hinsehen wurde klar: Das wird eine amtliche Baustelle“, erzählen sie, „es gab weder eine Lüftung noch einen Fettabscheider“, nennen sie Beispiele.

Jetzt aber ist eröffnet. „Soshe“ ist der Name, eine Kombi aus Sushi und She. Für die Einrichtung hat der befreundete Architekt die beiden Frauen und ihre Einstellung als Motiv genommen. „Wir sind Kämpferinnen“, betonen sie. Also zieren japanische Mangas die Wände. Unter einer Leuchtwand steht: She believed, she could and so she did (sie hat daran geglaubt, dass sie es kann, also hat sie es getan).

„Mein Kindheitstraum war, in High Heels und einem schicken Anzug in der Businessclass durch die Welt zu jetten, als Topmanagerin für eine große Firma“, erzählt Lina Furmann. An dem Ziel ist sie knapp vorbeigeschrammt, hat dafür aber mit ihrer Partnerin ein anderes (besseres) Ziel erreicht: Als Geschäftsfrau im schimmernden Jumpsuit zur Eröffnung des eigenen Restaurants in Braunschweig.

Natürlich auf High Heels. Wenn das nichts ist.

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