Wolfsburg. Die Feuerwehrunfallkasse sitzt der Stadt wegen der Zustände der Feuerwehr-Gebäude in Fallersleben im Nacken. Der Ortsrat sagt ja zur Neubauplanung.

Die Fallersleber Ortsfeuerwehr ist die größte Freiwillige Feuerwehr in ganz Wolfsburg und für Hilfeleistungen bei Bränden, Unfällen und anderen Unglücken unverzichtbar. Doch die zentrale Lage auf historischem Grund in der Altstadt ist ein Riesen-Problem, was die Beseitigung der angeprangerten Zustände in den denkmalgeschützten Gebäuden und deren Umgebung betrifft. Es ist kompliziert. Schon jetzt ist klar: Das Ultimatum der Feuerwehrunfallkasse wird die Stadt nicht einhalten können. Nun stimmten der Ortsrat und der Feuerwehr-Ausschuss für fast 1,7 Millionen Euro – nur für die Planung!

Auf die lange Bank schieben lässt sich der Neubau der Fahrzeughalle nicht. Denn die Feuerwehrunfallkasse sitzt der Stadt im Nacken. Schon im Oktober 2020 hat die FUK der Stadt Wolfsburg eine klare Ansage gemacht: Innerhalb einer Frist von fünf Jahren, also bis zum 8. Oktober 2025, müssen die Mängel beseitigt sein, die der Verwaltung schon seit Jahren bekannt sind.

Feuerwehrunfallkasse hat Frist für Fallersleber Feuerwehrhaus gesetzt

„Aufgrund der Beurteilung der FUK ist es nicht möglich, die Gebäude so zu belassen“, betonte Thomas Lüsse vom Geschäftsbereich Hochbau der Stadt. Wie sich allerdings herausstellte, ist das Ultimatum der Feuerwehrunfallkasse offenbar doch nicht so unumstößlich. „Wir haben eine Frist von fünf Jahren, aber die werden wir wohl nicht erreichen“, sagte der Abteilungsleiter. Sprich: nicht einhalten können. Doch wenn es eindeutige Beschlüsse gebe, „werden wir wohl eine Verlängerung bekommen“.

Obwohl der Stadt die Zeit davonläuft, hat man sich die Zeit genommen, seit 2022 in einer Arbeitsgruppe aus Verwaltung, Ortsrat, Fallersleber Feuerwehr und Stadtbrandmeister auszuloten, wie sich die Quadratur des Kreises lösen lässt. Das trug am Ende der Beratung dazu bei, dass es vom Ortsrat ein einstimmiges Votum zur umfassenden Planung gab.

Nur vier große Fahrzeuge passen in die alte Fahrzeughalle der Feuerwehr, links davon wurden schon Garagen aufgestellt. Das Gebäude ist ein Auslaufmodell.
Nur vier große Fahrzeuge passen in die alte Fahrzeughalle der Feuerwehr, links davon wurden schon Garagen aufgestellt. Das Gebäude ist ein Auslaufmodell. © regios24 | Darius Simka

Neue Feuerwehr-Fahrzeughalle soll auf den öffentlichen Parkplatz

Die Arbeitsgruppe hat sich im Abstimmungsprozess schon auf den öffentlichen Parkplatz an der Ecke Hofekamp/Hoffmannstraße als neuen Standort für die Fahrzeughalle geeinigt. Der Altbau soll dann saniert und anderweitig genutzt werden. Die Zufahrt zum künftigen Feuerwehrgelände soll wie bisher von Westen von der Hoffmannstraße und dann neu auch von Süden vom Hofekamp möglich sein.

Ebenfalls verständigt hat man sich bereits, dass das marode kleine Feuerwehrhaus, das mal Ausgangspunkt der ganzen Überlegungen war und die Feuerwehrunfallkasse überhaupt erst auf den Plan rief, nicht Bestandteil der Planungen sein soll, berichtete Lüsse. „Es ist für den Einsatzbetrieb nicht relevant.“ Später muss es aber sehr wohl angepackt werden - denn es steht wie das ganze Ensemble des ehemaligen Wirtschaftshofs am Fallersleber Schloss unter Denkmalschutz.

Für die Fallersleber Feuerwehrleute müssen Parkplätze bereitstehen

Einige Nachfragen gab es: So fragte Vize-Ortsbrandmeister Marcus Dombrowski, der zusammen mit Ortsbrandmeister Jens Heyder und mehr als 20 Aktiven in den Ortsrat gekommen war, nach der zunächst zurückgestellten Option der Zufahrt von Norden für die Feuerwehrleute. „Schon jetzt wohnen viele Kameraden im Norden von Fallersleben.“ Und am Brauhaus und am Taxistand gebe es ja schon mehrere Parkplätze.

Doch der Vize-Leiter der Berufsfeuerwehr, Christian Ebner, stellte klar, dass die FUK auch genaue Vorgaben mache, wie die Parkplätze für die Feuerwehrkräfte auszusehen haben – auch in der Dunkelheit und bei Glatteis. „Das wird daran scheitern, dass es uns nicht möglich sein wird, diese Parkplätze für die Privatfahrzeuge der Einsatzkräfte freizuhalten.“ Stichwort Falschparker! Laut Gutachter könne man nachrüsten, falls erforderlich. Immerhin: „Der Denkmalschutz wird sich nicht wehren, wenn es um hilfsfristrelevante Dinge geht“, sagte Ebner.

Zwischen Schloss und Feuerwehr Fallersleben sollen keine Parkplätze entstehen

Auch aus dem Ortsrat gab es Anmerkungen zur Parkplatz-Situation, die sich durch den Feuerwehr-Neubau verschärfen wird. Dazu sagte Ebner, dass die Erwartungshaltung des Ortsrats protokolliert sei, dass alternative Stellflächen zur Verfügung stehen müssen, wenn der Bau beginnt. „Die Fläche zwischen Schloss und Feuerwehr soll nicht dafür genutzt werden.“

Es ist ein sehr, sehr anspruchsvoller Standort. Da mussten Kompromisse eingegangen werden.
Andreas Bauer, Feuerwehr-Dezernent

Der mögliche Zeitrahmen sieht so aus, dass nach dem erhofften Dezember-Ratsbeschluss zur Planung des Neubaus auf dem Parkplatz am Hofekamp, zur Freiraumplanung zwischen Schloss und Hofekamp sowie zur Untersuchung des Bedarfs an öffentlichen Parkplätzen in der Hoffmann-von-Fallersleben-Straße 2025 der Objektbeschluss für die Bauarbeiten gefasst werden kann. 2027 könnte der Neubau starten, und 2029 könnte mit Fertigstellung der neuen Fahrzeughalle ein Teilumzug erfolgen. Für 2030 sind Herrichtung und Umbau der jetzigen Fahrzeughalle sowie der Start von Sanierung und Umbau im kleinen Feuerwehrhaus vorgesehen, das schon seit Jahren eingerüstet ist.

Wolfsburger Stadtbrandmeister will, dass die Stadt auf die Tube drückt

Der Stadtbrandmeister drängte, dass die Stadt noch mehr auf die Tube drückt. Jörg Deuter, selbst Aktiver der Fallersleber Feuerwehr, sagte: „Für mich sind die Termine noch nicht in Stein gemeißelt, ich sehe noch Optimierungsbedarf.“

Der Feuerwehr-Ausschuss befasste sich tags darauf mit dem kniffligen Großprojekt. Auch am Mittwoch gab es ein einstimmiges Ja zu den aufwändigen Planungen. Zuvor hatte Feuerwehrdezernent Andreas Bauer betont: „Es ist ein sehr, sehr anspruchsvoller Standort. Da mussten Kompromisse eingegangen werden.“ Er lobte die Arbeitsgruppe für die gute Zusammenarbeit. Vize-Ausschussvorsitzender André Schlichting (CDU), zugleich Ortsbürgermeister von Fallersleben und Aktiver der Feuerwehr, ergänzte: „Wir haben in den letzten anderthalb Jahren echt was geschafft. Wir haben uns auch mal gerieben.“

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Sabah Enversen von der SPD wollte wissen, ob es schon eine grobe Schätzung für die Baukosten gibt. Doch darauf wollte sich der Dezernent aufgrund der allgemeinen Baukostensteigerungen noch nicht einlassen. Ausschussvorsitzender Andreas Klaffehn (PUG) meinte dazu: „Man kann sicher mit einer zweistelligen Millionensumme rechnen.“ Da stimmte Bauer zu: „Damit kann man sicher rechnen.“

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