Verkehr in Wolfsburg

XXL-Straßenbauprojekt in Wolfsburg: So soll B 188 breiter werden

| Lesedauer: 5 Minuten
Rund 20 Experten erläuterten den Planungsstand zum Ausbau der B 188.

Rund 20 Experten erläuterten den Planungsstand zum Ausbau der B 188.

Foto: Michael Uhmeyer / regios24

Wolfsburg.  In der ersten Bürgerbeteiligung zum vierspurigen Ausbau der Bundesstraße 188 in Wolfsburg gibt’s eine handfeste Überraschung. Das ist geplant.

Die Zahl der Teilnehmer passte nicht so recht zur Bedeutung des XXL-Straßenbauprojekts im Norden von Wolfsburg. Nur etwas mehr als 50 Bürgerinnen und Bürger kamen am Donnerstag ins Dorfgemeinschaftshaus in Warmenau, um sich über den vierspurigen Ausbau der Bundesstraße 188 zwischen der A 39 und der Schlosskreuzung zu informieren. Dabei hielten die Experten der Straßenbaubehörde einige Überraschungen bereit und standen im intensiven Austausch Rede und Antwort.

Bevor sich die Teilnehmer grüppchenweise bei den rund 20 Experten der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr des Bundes sowie der beauftragten Planungsbüros informieren konnten, gab Projektleiterin Doris Pflaume einen Überblick. Es geht um eines der größten Straßenbauprojekte der nächsten Jahre auf der Hauptverkehrsachse im Norden. Eine ähnliche Dimension hat nur der dringende Neubau der maroden Berliner Brücke.

Das Ziel der Planung für die B 188

Die zu den Hauptverkehrszeiten – insbesondere zum Schichtwechsel bei VW – schon heute überlastete Verkehrsader soll nach Aussage der Verkehrsplanerin an die „hohe Verkehrsnachfrage“ angepasst werden. Vor allem in Richtung Gifhorn soll die Verkehrssicherheit auf der Trasse erhöht werden, auf der es immer wieder schwere Verkehrsunfälle gibt und die bei der Polizei als Unfallhäufungsstrecke läuft.

Mit dem Ausbau sollen auch die Ortsdurchfahrten von Kästorf und Warmenau entlastet werden, die unter dem (Schleich-)Verkehr der Pendler ächzen; zudem soll der rechtlich vorgeschriebene Lärmschutz für die Anwohner gewahrt werden. Und schließlich sollen mit dem Ausbau die Gewerbeflächen nördlich der B 188 in Warmenau angeschlossen werden – unabhängig davon, ob das inzwischen extrem unwahrscheinliche Trinity-Werk von VW doch noch kommt.

28.600 Kraftfahrzeuge pro Tag nannte die Projektleiterin als derzeitige Verkehrsbelastung für Teile der Strecke. Realisiert werden soll die Vorzugsvariante 4: „Naturdenkmäler, Wiesen und Wälder werden so geschont.“ Nach dieser Variante würde von der Autobahn bis zur Kreisstraße 46 nach Norden ausgebaut und von der K 46 bis zur Schlosskreuzung/K 5 nach Süden.

Die Anschlussstellen der B 188

Die Anschlussstelle am Gewerbegebiet Birnbaumstücke soll durch neue Rampen auf der Nordseite der B 188 an die Kreisstraße 31 angeschlossen werden. Die Anschlussstelle an der K 46 zwischen Kästorf und der Nordstadt soll „bestandsnah“ ausgebaut werden, mit Ampelkreuzungen auf der Kreisstraße.

Eine überraschende Fusion plant die Landesbehörde weiter östlich: Die Anschlussstelle Breiter Föhrd in Kästorf soll mit der AS VW-Tor Nord zusammengelegt werden. Der neue Knotenpunkt soll auf der Bundesstraße ohne Ampeln auskommen, dafür werden Auf- und Abfahrrampen gebaut. Außerdem ist dort eine neue Unterführung geplant.

Die Zeitschiene

„Wir peilen für Ende 2024 den Antrag auf Planfeststellung an“, sagte Fachbereichsleiterin Carina Eberwein. Frühester Baustart wäre 2027, „wenn alles optimal verläuft“. Realistischer ist, dass es später wird. Auch, weil das Projekt im Bundesverkehrswegeplan bis 20230 lediglich unter „Maßnahmen des weiteren Bedarfs mit Planungsrecht“ steht. Veranschlagt wurde es einst mit 34,3 Millionen Euro – doch eine Finanzierung gibt es noch gar nicht.

Die Thementische

Vier Themenkomplexe hatten die Straßenbauer an einzelnen Stationen aufbereitet, mit Plänen, Fotos und Daten, zu denen die jeweiligen Experten Auskunft gaben: Verkehrsanlage/Entwässerung, Umweltbelange, Schall-Immissionen und Verkehrssituation.

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Die Kritikpunkte der Bürger

Unter den Teilnehmern waren nicht nur Politiker aus Kästorf, Warmenau und dem Landkreis Gifhorn, auch das Verkehrswende-Projekt von „Amsel 44“ war vertreten. BUND-Vorsitzender Christian Schreiter hinterfragte die Ergebnisse der Verkehrszählung im Dezember 2021, „zu einer Zeit, als wir alle im Homeoffice waren“. Dazu hieß es, man habe zu unterschiedlichen Zeiten gezählt.

Ein häufig genannter Kritikpunkt war, dass es in Höhe der A 39 weiterhin ein Nadelöhr geben werde, weil westlich davon nicht ausgebaut wird. Dazu wurde versichert, dass die Verkehrsströme dort so verknüpft werden sollen, „dass das Nadelöhr nicht mehr entsteht“. Überzeugen konnte das wohl keinen.

Und während sich Warmenaus Ortsbürgermeisterin Angelika Jahns enttäuscht äußerte, dass nicht mehr Bürger gekommen waren, plädierte ihr Amtskollege Francescantonio Garippo aus Kästorf vehement dagegen, dass es am neuen Knotenpunkt Breiter Föhrd möglich sein soll, vom VW-Parkplatz Nord links hinein nach Kästorf abzubiegen. Mit Straßenbehörden-Leiter Michael Peuke diskutierte er über den heiklen Punkt.

Peuke war mit dem Verlauf der ersten Bürgerinformation zufrieden. Gegenüber unserer Zeitung kündigte er an, dass zentrale Fragen des Abends in Kürze als Fragenkatalog für die Homepage aufbereitet werden sollen. Schon jetzt finden sich Informationen zur Planung und mehr unter www.strassenbau.niedersachsen.de/b188.

Zahlen und Fakten zum Ausbau der B 188

Die Bundesstraße 188 soll zwischen der A 39 im Westen und der Schlosskreuzung im Osten durchgehend vierspurig ausgebaut werden.

Die Streckenlänge beträgt 4,7 Kilometer. Davon liegen 4,5 Kilometer in der Baulast der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr des Bundes, das übrige Stück von der Allerbrücke bis zur Schlosskreuzung gehört der Stadt Wolfsburg.

Aktuell wird die Entwurfsplanung erarbeitet. Darauf folgen Genehmigungsplanung, Planfeststellungsverfahren und Ausführungsplanung sowie schließlich Ausschreibung, Vergabe und Bau.

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