Weiter hoher Stundenausfall an den Schulen

Hannover.  Die „Unterrichtsversorgung“ bleibt unter 100 Prozent, steigt aber immerhin leicht. Das teilte das Kultusministerium in Hannover mit.

Schüler sitzen im Unterricht in einer Grundschule in Niedersachsen.

Schüler sitzen im Unterricht in einer Grundschule in Niedersachsen.

Foto: Foto: Peter Steffen / dpa

Die Lage an vielen niedersächsischen Schulen bleibt angespannt. Nach Angaben des Kultusministeriums liegt die sogenannte Unterrichtsversorgung im Landesschnitt mit 99,4 Prozent weiter unter 100 Prozent. Den höchsten Durchschnittswert erreichen Gymnasien mit 102,2. Grundschulen kommen auf 101,7 Prozent. Gesamtschulen, Realschulen, Hauptschulen und Oberschulen liegen teilweise deutlich unter 100 Prozent. Schlusslicht sind die Förderschulen mit 93,4 Prozent. Stichtag zur Berechnung war der 23. August 2018.

„Die im vergangenen Jahr gestarteten Maßnahmen zur Verbesserung der Unterrichtsversorgung tragen erste Früchte. Es gibt aber keinen Grund, in unseren intensiven Bemühungen für eine Verbesserung der Unterrichtsversorgung nachzulassen“, betonte Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD). Bei der Berechnung der Prozentwerte werden die Bedarfe der Schulen mit den tatsächlichen Stundenzuweisungen verglichen. Um kurzfristigen Stundenausfall auffangen zu können, gelten allerdings Werte von deutlich über 100 Prozent als nötig.

Tonne kündigte an, das „Maßnahmenpaket“ fortzusetzen. Dazu gehört unter anderem eine höhere Zuverdienstgrenze für pensionierte Lehrer , die an Schulen aushelfen. Zum aktuellen Schuljahr hatte das Land die vorschulische Sprachförderung außerdem aus den Grundschulen in die Kindergärten verlagert und so Stunden für die Grundschulen gewonnen . Zudem sind laut Kultusministerium mehr Lehrer eingestellt als pensioniert worden.

Der in Wirklichkeit desaströs hohe Unterrichtsausfall wird nach wie vor verschleiert“, erklärte der Vorsitzende des Philologenverbandes, Horst Audritz. Betrachte man zudem allein an den Gymnasien die Lücken bei der Versorgung in Mathematik und in den naturwissenschaftlichen Fächern, würden die Probleme sofort deutlich. Die statistischen Werte zwischen den Schulformen seien außerdem nicht vergleichbar. Gymnasien benötigten allein zur Erteilung des Pflichtunterrichts eine wesentlich höhere statistische Unterrichtsversorgung als andere Schulformen. Neben den Stunden, die zum Erteilen der Pflichtstunden gemäß Stundentafel nötig sind, kommen in die Berechnung noch diverse Zuschläge wie für Ganztagsbetrieb und Inklusion sowie „Poolstunden“. Minister Tonne hatte im November 2018 erklärt, die gegenwärtige Berechnung der Unterrichtsversorgung verbessern zu wollen . Deutlich werde weder kurzfristiger Stundenausfall noch, wie viel Personal über Lehrkräfte hinaus in den Schulen stecke. „Die Unterrichtsversorgung insbesondere an den Nichtgymnasialen-Sek-I-Schulen ist wie in den Vorjahren alles andere als zufriedenstellend“, heißt es in einer Erklärung des Verbandes der Niedersächsischen Lehrkräfte. „Die bekanntgegebenen Durchschnittswerte für diese Schulen liegen zwischen 93,4 bis 97,2 Prozent, sie sind fast identisch mit den Zahlen des Vorjahres“ sagte der Vorsitzende Torsten Neumann. Ohne die Verlagerung der Sprachförderung aus den Grundschulen wäre die Unterrichtsversorgung sogar gesunken, betonte der FDP-Landtagsabgeordnete Björn Försterling.

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