Bessere Bezahlung gefordert: Lehrermangel beschäftigt den Landtag

Hannover.   Die GEW fordert: Niedersachsen muss schnell die Bezahlung von Grund-, Haupt- und Realschullehrern verbessern - so wie andere Bundesländer.

Symbolbild.

Foto: Julian Stratenschulte / dpa

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An vielen niedersächsischen Schulen fehlen weiterhin Lehrer. Auf Antrag der FDP-Fraktion wird sich der Landtag am Mittwoch mit der Frage befassen, ob Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) genug unternimmt, um die Situation zu verbessern. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) fordert den Minister auf, so schnell wie möglich einen Stufenplan zur Anhebung der Bezahlung von Grund-, Haupt- und Realschullehrer auf das Niveau der Studienräte an Gymnasien vorzulegen. Andernfalls werde Niedersachsen das Nachsehen gegenüber anderen Bundesländern haben, sagte die GEW-Landesvorsitzende Laura Pooth der Deutschen Presse-Agentur in Hannover.

Bei der Unterrichtsversorgung habe sich in den ersten zehn Monaten der Amtszeit von Tonne kaum etwas getan, kritisierte der bildungspolitische Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, Björn Försterling. „Wir stellen fest, dass an den Schulen immer noch soviel Unterricht ausfällt wie im vergangenen Jahr.“ Es reiche nicht, wenn der Kultusminister nur über die Probleme rede. „Er muss sie jetzt lösen.“

105 Prozent Auslastung sind nötig

Nach Prognosen des Kultusministeriums wird die Unterrichtsversorgung im laufenden Schuljahr bei 99 Prozent liegen. Im abgelaufenen Schuljahr 2017/18 lag der Wert bei 98,7 Prozent. „Das ist eine minimale Verbesserung gegenüber dem Vorjahr“, sagt Försterling. Ein statistischer Wert von 105 Prozent sei nötig, damit die Schulen Ausfälle ausgleichen könnten. Die Unterrichtsversorgung gibt an, zu welchem Prozentsatz der vorgesehene Unterricht und zusätzliche Lehrerstunden für Inklusion, Ganztagsschule und Sprachförderung abgedeckt werden können. Der kurzfristige Ausfall von Schulstunden wegen der Erkrankung von Lehrern ist in dem Wert nicht eingerechnet.

Die FDP hat Tonne (SPD) aufgefordert, den von ihm im Januar angekündigten Stufenplan zur Anhebung der Besoldung von Grund, Haupt- und Realschullehrern möglichst schnell vorzulegen. Im Haushaltsplan 2019 sei dies nicht vorgesehen, bemängelte der bildungspolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Björn Försterling, am Mittwoch im Landtag. „Warum wundern Sie sich eigentlich, dass Sie nicht so viele Lehrkräfte nach Niedersachsen bekommen, um nur im Ansatz eine Unterrichtsversorgung von 100 Prozent zu erreichen? Weil Sie diese Maßnahmen liegenlassen.“

Andere Bundesländer sind finanziell attraktiver

Niedersachsen müsse Lehrer an Grund-, Haupt- und Realschulen besser bezahlen, fordert die GEW. Denn noch verdienen diese schlechter als Studienräte. „Wir fordern die Landesregierung auf, so schnell wie möglich einen Stufenplan zur Umstellung der Besoldung von Grund-, Haupt- und Realschullehrern auf A13 vorzulegen. Andernfalls droht, dass die Lehrkräfte in andere Bundesländer abwandern“, sagte die Landesvorsitzende Laura Pooth.

Berlin, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein seien in dieser Hinsicht schon aktiv. „Wenn nichts dafür getan wird, dass dieser Beruf attraktiver wird, dann werden sich auch in Zukunft nicht genügend junge Menschen für so ein Studium entscheiden“, warnte Pooth.

Landesregierung zum Handeln aufgefordert

Die GEW will am Donnerstag (16 Uhr) vor dem Landtag für bessere Arbeitsbedingungen demonstrieren. Die Unzufriedenheit in den Kollegien sei wegen des Lehrer- und Fachkräftemangels sehr groß, sagte Pooth. „Und wir haben im Moment den Eindruck, dass die Regierung das zwar alles sieht, aber nicht die entscheidenden Stellschrauben dreht.“ Neben einer besseren Bezahlung sei auch die Absenkung der Unterrichtsverpflichtung nötig. Denn dies könnte dazu beitragen, den hohen Krankenstand und den hohen Anteil an Frühpensionierungen zu mindern.

Der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Mittwoch) sagte Pooth zudem, an den Universitäten in Göttingen und Hannover müssten wieder Studienplätze für Grund-, Haupt- und Realschullehrer geschaffen werden. Diese Plätze seien gestrichen worden, obwohl der Bedarf gerade in diesem Bereich besonders groß sei. dpa

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