Kommentar

VW darf nicht vergessen

„Ein weißer Engel wird Volkswagen allerdings nie werden. Dazu ist das Unternehmen viel zu groß.“

Der Abgas-Betrug hat VW nahezu zerrissen. Als Konsequenz daraus und unter Druck der US-Behörden hat sich der Autobauer aufgemacht, seine Lehren aus diesem beispiellosen Fall zu ziehen und das Unternehmen entsprechend umzubauen. Der Kern ist ein großangelegtes Schulungsprogramm für Mitarbeiter aller Ebenen.

Im Auftrag der US-Behörden überwacht US-Jurist Larry Thompson diesen Prozess. Am Mittwoch hat er VW in seinem jüngsten Zwischenbericht kein makelloses, aber ein gutes Zeugnis ausgestellt. Es läuft also. Bei VW ist tatsächlich viel in Bewegung geraten, um die Kultur positiv zu verändern.

Ein weißer Engel wird Volkswagen allerdings nie werden. Dazu ist das Unternehmen mit seinen rund 660.000 Mitarbeitern viel zu groß. Keine Stadt dieser Größe hat eine Kriminalitätsrate von Null. Es ist also illusorisch, genau dies in einem Unternehmen zu erwarten – schließlich sind seine Mitarbeiter ein Spiegel der Gesellschaft.

VW hat aber die Mittel und das Personal, fortwährend an seiner Kultur zu arbeiten. Die Herausforderung besteht nicht allein darin, die Folgen des Abgas-Betrugs aufzuarbeiten. Viel anspruchsvoller ist es, den Prozess einer Bewusstseinsbildung über gute und schlechte Werte, über richtiges und falsches Handeln dauerhaft zu verankern. Die Gefahr ist groß, dass in Zeiten anderer großer Prüfsteine – etwa die Transformation zu E-Mobilität und Digitalisierung –„weiche“ Aufgaben wie der Kulturwandel über die Zeit vernachlässigt werden. Das darf VW nicht zulassen.

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder