Startschuss in Braunschweig für Schub in der Notfallrettung

Braunschweig.  Braunschweig ist jetzt an das System „Ivena“ angeschlossen, das Rettungswagen, Leitstelle und Krankenhäuser besser vernetzt.

Symbolischer Start für das System „Ivena“ zur optimierten Notfallrettung in der Stadt mit (von links): Torge Malchau, Leiter der Feuerwehr, Sozialministerin Carola Reimann, Monika Skiba (Herzogin Elisabet Hospital/HEH), Thomas Bartkiewicz (Städtisches Klinikum), Wolfgang Jitschin (Marienstift), Oberbürgermeister Ulrich Markurth, Markus Büter (HEH, verdeckt) und David Skiba (Klinikum).

Symbolischer Start für das System „Ivena“ zur optimierten Notfallrettung in der Stadt mit (von links): Torge Malchau, Leiter der Feuerwehr, Sozialministerin Carola Reimann, Monika Skiba (Herzogin Elisabet Hospital/HEH), Thomas Bartkiewicz (Städtisches Klinikum), Wolfgang Jitschin (Marienstift), Oberbürgermeister Ulrich Markurth, Markus Büter (HEH, verdeckt) und David Skiba (Klinikum).

Foto: Karsten Mentasti

Einen technischen Sprung nach vorn in der Notfallrettung zum Wohle der Patienten in der Region haben am Mittwochnachmittag Niedersachsens Sozialministerin Carola Reimann und Oberbürgermeister Ulrich Markurth sowie Vertreter des Städtischen Klinikums, des Marienstifts und des Herzogin Elisabeth Hospitals (HEH) in der Integrierten Regionalleitstelle in Gang gesetzt.

Mit dem symbolischen Drücken eines roten Knopfes in der Leitstelle für Feuerwehr, Rettungsdienst und Katastrophenschutz für die Stadt Braunschweig und die Landkreise Peine und Wolfenbüttel wurde das internetbasierte System „Ivena“ aktiviert. Es steht für „interdisziplinärer Versorgungsnachweis“.

In diesem System sind sämtliche Leitstellen und Krankenhäuser untereinander vernetzt. Damit ist es der Besatzung eines Rettungswagens (RTW) vor Ort möglich, schneller als bisher ein passendes Krankenhaus mit freien Kapazitäten zu finden und anzusteuern.

Gleichzeitig erhalten die teilnehmenden Hospitäler ab sofort schon während der Anfahrt des Patienten Informationen über dessen Erkrankung und können Ärzte und Pflegepersonal bereitstellen und Behandlungsplätze frei räumen.

Bisher wurde das Krankenhauspersonal nur bei besonders schweren Verletzungsmustern vorab telefonisch informiert. „Bei 30.000 Notfalleinsätzen im Jahr war es aus Kapazitätsgründen unmöglich, jeden einzelnen Patienten per Telefon anzukündigen“, erklärte Mathias John, bei der Berufsfeuerwehr zuständig für den Rettungsdienst.

„Dass es bei den Krankenhäusern Wartezeiten gab, weil mehrere Rettungswagen fast gleichzeitig ankamen oder Ärzte gerade im Einsatz waren und damit Patienten aus Kapazitätsgründen weiter transportiert werden mussten, kam immer wieder vor“, bestätigte der Ärztliche Leiter des Rettungsdienstes der Berufsfeuerwehr, Dr. Andreas Höft. Von der Einsatzzentrale aus musste dann telefonisch beim nächsten Krankenhaus angefragt werden.

„Damit ist jetzt Schluss“, sagte Oberbürgermeister Markurth.Die Verteilung der Notfallpatienten an das nächste Krankenhaus mit freien Kapazitäten – und vor allem mit der Fähigkeit, die passende Erkrankung oder Verletzung zu behandeln –, wird durch das „Ivena“ (fast) in Echtzeit vorgenommen.

„Ab heute können auch entfernte Rettungsleitstellen unmittelbar die hervorragenden Braunschweiger Behandlungskapazitäten buchen“, erläuterte John.

Bett wird per Knopfdruck gebucht

Dazu war es notwendig, dass die Krankenhäuser ihr Spektrum eindeutig definieren, digital erfassen und künftig Änderungen einpflegen – auch kurzfristig, wenn etwa ein Computertomograph mal ausfällt oder Abteilungen ausgelastet sind. Das Computerprogramm leitet RTW und Patienten dann automatisch in ein anderes Krankenhaus.

Konkret gibt eine Rettungswagenbesatzung vor Ort die Erkrankung, die Schwere der Verletzung und relevante Daten des Patienten wie Alter oder Gesamtzustand über ein Smartphone ein. Damit errechnet das Programm einen sechsstelligen Zahlencode, der in Braunschweig bis auf weiteres noch an die Rettungsleitstelle übermittelt wird.

Dort wird mit diesem Patienten-Zuweisungscode sofort das nächstgelegene passende Krankenhaus ermittelt. Per Knopfdruck wird – zunächst aus der Leitstelle – ein Bett für den Patienten gebucht, werden Ärzte und Pfleger gleichzeitig über den auf dem Weg befindlichen Notfallpatienten informiert. „Damit sparen Rettungskräfte und Krankenhäuser Ressourcen, die eindeutig den Patienten zugutekommen“, verdeutlichte die Ministerin.

Neben der Rettungsleitstelle sind in Braunschweig alle Rettungswagen der Berufsfeuerwehr, des ASB, des Deutschen Roten Kreuzes, der Johanniter und der Malteser sowie die drei Krankenhäuser der Stadt mit den notwendigen technischen Hilfsmitteln ausgestattet worden.

Sozialministerin Carola Reimann brachte am Mittwoch einen Förderbescheid über 111.200 Euro mit, mit dem das Land die insgesamt 300.000 Euro Investitionskosten in der Rettungsleitstelle sowie den Krankenhäusern in Braunschweig, Peine und Wolfenbüttel zu mehr als einem Drittel unterstützt. Carola Reimann setzt sich dafür ein, dass „Ivena“ flächendeckend eingesetzt wird – für Braunschweigs Feuerwehrdezernenten Claus Ruppert ein wichtiger Schritt zur digitalisierten „Smart City“.

Die Landkreise Peine und Wolfenbüttel haben das 2009 zunächst für Frankfurt entwickelte System bereits kürzlich in Betrieb genommen. Im mittleren und westlichen Niedersachsen wird „Ivena“ schon länger genutzt, während Gifhorn, Helmstedt und Wolfsburg noch nicht angeschlossen sind.

Braunschweig geht noch weiter

In Braunschweig will man noch in diesem Jahr einen weiteren großen Schritt der Digitalisierung vollziehen.Dann sollen die von den Rettungs- und Notfallsanitätern erstellten Notfallprotokolle automatisch an die Kliniken übermittelt werden. So sollen die Übergabe der Patienten aus dem Rettungswagen an das Hospital optimiert und der Verwaltungsaufwand minimiert werden.

Wenn das System reif für den Einsatz ist – anvisiert wird das zweite Halbjahr –, werden die Rettungswagen datentechnisch weiter aufgerüstet, so dass dann auch die Krankenhauswahl über das „Ivena“-System nicht mehr über die Leitstelle, „sondern direkt vom Rettungswagen aus erfolgen wird“, betonte Brandrat Mathias John. „Mit der Datenübermittlung an die jeweiligen Krankenhäuser wären wir dann führend in Niedersachsen, denn Zeit ist Leben bei Notfallpatienten“, ergänzte er.

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