Baustart im Marienstift: Neue Kreiß- und OP-Säle geplant

Braunschweig.   Für mehr als 27 Millionen Euro wird das Braunschweiger Krankenhaus an der Helmstedter Straße modernisiert. Ein Neubau soll 2021 eröffnet werden.

Der Neubau beginnt: Verwaltungsdirektor Wolfgang Jitschin auf dem Gelände des Marienstifts an der Helmstedter Straße.

Der Neubau beginnt: Verwaltungsdirektor Wolfgang Jitschin auf dem Gelände des Marienstifts an der Helmstedter Straße.

Foto: Philipp Ziebart/BestPixels.de

Hinter der Theodor- Fliedner-Kirche des Marienstifts klafft statt des kleinen Parks eine planierte Baustelle. Versorgungsleitungen wurden verlegt, die Kampfmittelsondierung ist abgeschlossen. In dieser Woche beginnen die Rohbauarbeiten: Für mehr als 27 Millionen Euro werden im Krankenhaus an der Helmstedter Straße die Intensivstation, Operations- und Kreißsäle modernisiert. Zur Finanzierung des ersten Bauabschnitts hat das Land die ersten neun Millionen Euro Fördermittel bewilligt. Mit rund fünf Millionen Euro Eigenanteil beteiligt sich der Krankenhaus-Träger an den Gesamtkosten.

Rüdiger Becker – Marienstift-Geschäftsführer und Direktor der Evangelischen Stiftung Neuerkerode als Gesellschafterin des Krankenhauses – sieht in der Landesförderung ein Bekenntnis zum Erhalt des kleines Hauses, das in der Vergangenheit wie auch andere Krankenhäuser um seine wirtschaftliche Existenz ringen musste. „Wir haben schwierige Zeiten hinter uns“, sagt Becker. Mit der Förderzusage erkenne das Land an, „dass sich das Marienstift neu aufgestellt und zu einer Identität gefunden hat“.

Als zentrales Funktionsgebäude soll der geplante Neubau künftig unter anderem die Zentrale Notaufnahme, Diagnostik, Intensivstation, vier Operationssäle, drei Kreißsäle sowie die Wöchnerinnenstation beherbergen. Auch der Haupteingang und die Patienten-Aufnahme werden in den Neubau verlegt.

Laut dem Architekten Holger Sehle soll der Rohbau bis zum Herbst stehen, so dass im Winter der Innenausbau beginnen könne. Im Frühjahr 2021 ist die Eröffnung geplant. In zwei weiteren Bauabschnitten wird danach der angrenzende Altbau saniert.

Wie Verwaltungsdirektor Wolfgang Jitschin erläutert, werden sich mit der Modernisierung auch die Qualitätsstandards in den Funktionsbereichen wie dem OP oder der Intensivstation verbessern. Ein neues Raumfunktionsprogramm führe zu kürzeren Wegen. Darüber hinaus wird im Neubau die Zahl der Operationssäle von aktuell drei auf vier aufgestockt.

Unabhängig von der Baumaßnahme erhofft sich der Verwaltungsdirektor künftig grünes Licht vom Land, um die Anzahl der geförderten Betten nach einem Abbau in den vergangenen Jahren wieder zu erhöhen. Denn nicht zuletzt dank der Eröffnung einer Zentralen Notaufnahme im Januar steigt die Zahl der Patienten in dem 150-Betten-Haus.

Seither beteiligt sich das Marienstift statt – wie bisher – an nur zwei Wochentagen täglich rund um die Uhr an der stationären Notfallversorgung in Braunschweig – und folgt damit dem politischen Willen. Denn nach einer gesetzlichen Vorgabe wird Geld jetzt neu umverteilt: Notfallversorger erhalten Zuschläge, während Krankenhäuser, die sich ausklinken, Abschläge hinnehmen müssen.

Ein weiteres wirtschaftliches Plus für das Marienstift: Die Zentrale Notaufnahme als eine Tür ins Krankenhaus bringt den Kliniken für Chirurgie und Inneres zusätzliche Patienten. „Wir haben eine gleichmäßigere Auslastung“, bilanziert der Ärztliche Direktor Udo-Rudolf Schwippel die Erfahrungen der ersten Monate. Zehn bis zwölf Patienten würden täglich allein über die Zentrale Notaufnahme stationär aufgenommen.

Als medizinischer Grund- und Regelversorger wird das Marienstift auch am digitalen Meldesystem „Ivena“ teilnehmen, das in Braunschweig eingeführt und dem Rettungsdienst in Notfällen die aktuellen Kapazitäten der Krankenhäuser signalisiert.

Trotz des wirtschaftlichen Drucks gehört es zum Selbstbild des evangelischen Marienstifts unter gemeinnütziger Trägerschaft, ein kleines Haus mit familiärer Atmosphäre zu sein. „Die rein ökonomische Sicht der Privaten teilen wir nicht“, betont Becker.

Außerdem gehört das Marienstift zu einem diakonischen Versorgungsnetzwerk mit vielfältigen sozialen, pflegerischen oder medizintherapeutischen Dienstleistungen. „Dieses Netzwerk“, so Rüdiger Becker, „hat Bedarf an einem kleinen Krankenhaus.“ Das Marienstift versteht sich als Anlaufstelle für ältere Patienten.

Neben der Handchirurgie verweist Becker ferner auf ein medizinisches Alleinstellungsmerkmal des Marienstifts in der Region: Auch von außerhalb kommen Patienten inzwischen ins Medizinischen Zentrum für Erwachsene mit geistiger Behinderung oder schweren Mehrfachbehinderungen.

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder