Nachwehen des Magnifestes: Anwohner ärgern sich über Wildpinkler

Braunschweig.  Der Ausrichter und die Stadt Braunschweig antworten auf unsere Nachfragen. Wie lässt sich künftig für mehr Ordnung sorgen?

So wird’s gemacht – auch beim Magnifest!

So wird’s gemacht – auch beim Magnifest!

Foto: Adco Umweltdienste Holding Gmbh / picture alliance / obs

Schon ein paar Tage her, doch immer noch Anlass für Verärgerung: Bei aller Freude über ein fröhliches, friedliches Magnifest gibt es im Nachgang doch auch diesmal wieder Klagen über allzu hemmungsloses Feiern: zu laute Musik, zu viel Müll, zu viel wildes Urinieren.

Auf unserem Internetportal „Alarm 38“ bemerkt ein Schreiber: „Es riecht nicht nur an einer Ecke nach Erbrochenem und Urin. Straßen und Gehwege sollten bei solch anhaltend schönem Wetter nicht nur gefegt, sondern auch nass abgespritzt werden, wie es in anderen warmen Ländern beinahe täglich der Fall ist. Das ist leider wirklich nicht mehr schön.“

Eine Anwohnerin aus der Ritterstraße (Name der Redaktion bekannt) fühlt sich ohnmächtig. Zu oft schon habe sie sich beschwert, zu oft schon sei sie mit ihren Klagen ins Leere gelaufen.

Anschaulich beschreibt sie, wie Hunderte Festbesucher sich über eine unverschlossene Tür Zugang zum Pausenhof der Gaußschule verschafft und dort ungeniert gepinkelt hätten. „Das ist einfach nur ekelig.“ Früher sei das Magnifest niveauvoll gewesen. Inzwischen sei es verkommen und völlig entartet. „Das ist nur noch Fressen, Saufen, Kotzen!“

Srdjan Rajkovic, Geschäftsführer der Agentur „Northern Events“, die das Fest ausrichtet, erklärt auf unsere Anfrage: „Wir haben mehr als genug Toilettenmöglichkeiten aufgebaut.“ Er listet auf: einen Toilettenwagen sowie 10 Toilettenkabinen und 4 Urinalsterne auf dem Magnikirchplatz, einen Toilettenwagen in der Langedammstraße und am Ölschlägern, 9 Toilettenkabinen und einen Urinalstern in der Kuhstraße, einen Toilettenwagen in der Ritterstraße, einen Toilettenwagen im Klint, einen Toilettenwagen am Magnitorwall und einen Toilettenwagen am Löwenwall. Auch Rajkovic beklagt eine weit verbreitete Kulturlosigkeit: „Wir könnten noch vier Wagen mehr aufstellen, und ich behaupte, dass es immer noch Menschen geben wird, die es nicht für nötig halten, die Toiletten zu benutzen.“ Die Ritterstraße allerdings habe nicht zur Veranstaltungsfläche gehört, ebenso wie der Ritterhof. „Natürlich ist das kein Grund, nicht zu reagieren, dennoch können die eingesetzten Sicherheitskräfte, Polizeibeamten und Sanitätsdienste nicht überall sein.“ Schade sei, dass die Klageführerin nicht sofort die Polizei kontaktiert habe.

Christine Lenck-Ackermann, Leiterin der Gaußschule, erklärte auf unsere Anfrage, dass die Fluchttür am Ritterhof eben leider auch von außen zu öffnen sei. Sie habe bereits bei der Stadt auf dieses Problem aufmerksam gemacht.

Die scheint nun zu reagieren. Stadtsprecher Adrian Foitzik sagt auf Nachfrage: „Wir prüfen derzeit, ob die Tür künftig technisch so umgebaut werden kann, dass sie nicht mehr von außen geöffnet werden kann, ohne mit dem Umbau gleichzeitig die Fluchtwegfunktion (Panikverriegelung) zu beeinträchtigen. Dann würde im nächsten Jahr die Möglichkeit entfallen, dass sich Besucher des Magnifestes Zugang zum Schulgelände verschaffen können.“ Der vom Wildpinkeln besonders betroffene Bereich auf dem Schulhof sei am Montagmorgen, 10. September, intensiv durch den Schulhausmeister mit Wasser gereinigt worden. „Der Einsatz eines Hochdruckreinigers war nicht möglich, da es sich fast ausschließlich um nicht asphaltierte Flächen handelte.“

Grundsätzlich sei das Wildurinieren nicht nur bei Veranstaltungen ein Problem, so Foitzik. Bei Veranstaltungen werde es aber natürlich deutlicher wahrgenommen, weil mehr Menschen unterwegs seien und es dadurch häufiger auftrete. „Dem wird so weit wie möglich vorgebeugt, als der Veranstalter Auflagen zur Aufstellung von Toiletten erhält. Dies ist erfolgt, Auflagen zur Bereitstellung sind erteilt worden, der Veranstalter ist diesen auch nachgekommen. Zudem führt der Zentrale Ordnungsdienst (ZOD) Kontrollen durch, auch das ist geschehen.“ Auch der Sicherheitsdienst des Veranstalters habe das Thema im Blick. Der ZOD werde das Thema bei der Nachbesprechung mit dem Veranstalter jedoch auch noch einmal diskutieren.

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