Wolfsburg. Das DRK hat im Samlandweg eine Annahmestelle für Spenden geöffnet. Die Stadt Wolfsburg spendet 100.000 Euro. Was noch gebraucht wird.

„Ich komme gleich noch einmal wieder“, ruft Regina Bleuel und schwenkt ihre beiden großen, aber schon leeren Einkaufstaschen durch die Luft: Gerade hat die Laagbergerin zwei Tüten voll mit neuwertigen Schuhen („Die hat mein Schwager sich eine Nummer zu klein gekauft“), Winterjacken und Pullovern im Mehrzwecksaal des ehemaligen Freizeitheimes West abgegeben.

Hier in der Begegnungsstätte „Das West“ im Samlandweg 15 sammelt der DRK-Kreisverband Wolfsburg in Absprache mit der Stadt seit Donnerstag Spenden für die Opfer des schweren Erdbebens in der Türkei und in Syrien. Weil sie um die Ecke wohnt, will Regina Bleuel auch noch Decken und Schlafsäcke, die sie nicht mehr benötigt, aussortieren und abgeben.

„Wir konnten die Aktion innerhalb von 24 Stunden auf die Beine stellen. Dabei haben wir von unserem Netzwerk profitiert, das wir aufgebaut haben, als wir Spenden für die Ukraine-Flüchtlinge in der ehemaligen Lübnitz-Halle in der Borsigstraße gesammelt haben“, erklärt Thorsten Rückert, hauptamtlicher Vorstand des DRK-Kreisverbandes. „Wir haben aus unseren Erfahrungen gelernt“, betont auch Izabela Czuba. Die DRK-Ehrenamtskoordinatorin ist dafür verantwortlich, dass sich die Helfer in die Tages- und einmalig in die Anmeldelisten für die Erhebung der Daten eintragen.

Geflüchtete helfen in der DRK-Sammelstelle mit

Schon morgens um 7.30 Uhr standen die ersten Helfer vor der Tür und auch Menschen, die vor allem warme Decken, Winterkleidung für Frauen, Männer und Kinder, Pullover, Jacken, Hosen, Mützen, Schals und Handschuhe sowie Stiefel und warme Schuhe, alles in gutem und sauberem Zustand, abgeben wollten. Rückert: „Sommerbekleidung nehmen wir nicht an.“

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In den ersten 30 Minuten, bevor sich um 8 Uhr die Türen öffneten, wurden die Tische und Stühle aufgestellt, Zettel mit der Aufschrift „Hygieneartikel“, „Kinderkleidung bis Größe 110“ oder „Babynahrung“ in den Sprachen Deutsch, Arabisch und Türkisch sichtbar an den Tischkanten befestigt. „Hier helfen heute Menschen mit, die gerade erst vor ein paar Monaten selbst als Geflüchtete Hilfe in Wolfsburg erhalten haben, das ist toll“, freut sich Irina Reschke, Leiterin des städtischen Integrationsreferates.

Ergriffen vom Leid der Erdbebenopfer

Jessica Fava hatte spontan Babynahrung, Windeln und Zahnbürsten und -pasta vorbei gebracht, blieb dann noch vier Stunden, um die Spenden mit zu sortieren. „Die Bilder im Fernsehen haben mich so

Die Spenden werden in Kartons verpackt und werden per Lkw in die Türkei und nach Syrien gebracht.
Die Spenden werden in Kartons verpackt und werden per Lkw in die Türkei und nach Syrien gebracht. © regios24 | LARS LANDMANN

angerührt, ich bin von dem Leid sehr ergriffen“, gesteht die Danndorferin. Schreckliche Videos hatte Ahmad Tayeb vom Kurdischen Kulturverein von Menschen, die mit bloßen Händen oder Tellern im Schutt nach Verschütteten graben, auf seinem Handy: „Die Menschen in Dschindires haben seit drei Tagen keine Hilfe erhalten, haben nichts zu essen, die medizinische Versorgung ist zusammengebrochen.“

„Meine Familie mit über 40 Personen lebt in Adana, sie sagen, es sieht überall aus wie im Krieg“, erzählen auch Sedat Kurtulus und Ehefrau Cigdem vom Türkischen Kultur- und Bildungsverein. Um zu helfen hat Giovanni Carboni, Vorsitzender von Lupo Martini, entschieden, alle Einnahmen aus dem Oberliga-Herrenspiel am Sonntag, 12. Februar, ab 14 Uhr gegen Eintracht Celle zu spenden: „Wenn es nicht regnet und vielleicht sogar die Sonne scheint, wird der Betrag hoffentlich vierstellig.“

Stadt Wolfsburg spendet 100.000 Euro

Oberbürgermeister Dennis Weilmann und Bürgermeister Andreas Klaffehn unterzeichneten derweil eine Eilentscheidung, die eine Soforthilfe für die Erdbeben-Opfer in Höhe von 100.000 Euro ohne Ratsbeschluss möglich macht. Die Eilentscheidung – die durch eine breite politische Mehrheit der Ratsfraktionen gestützt wird – macht laut städtischer Mitteilung eine schnelle Geldspende möglich.

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Noch bis vorerst zum 16. Februar können die Spenden täglich von 8 bis 18 Uhr im West auf dem Laagberg abgegeben werden. Sobald genügend Kartons gefüllt sind, wird sich ein Lastkraftwagen, den die Schnellecke Transportlogistik spendet, in Richtung Türkei und dann hoffentlich weiter über die Grenze nach Syrien aufmachen.