Wolfsburg. Nach einem intensiven Spitzenspiel in der Frauenfußball-Bundesliga hält der VfL Wolfsburg lange Stand, kassiert den K.o. in der Schlussphase.

Seit einem Jahrzehnt machen die Fußballerinnen des VfL Wolfsburg (sieben Titel) und des FC Bayern (drei Titel) die Meisterschaft in der Frauenfußball-Bundesliga unter sich aus. Nicht umsonst nennt VfL-Trainer Tommy Stroot dieses Duell der beiden Liga-Schwergewichte „das Nonplusultra“. In diesem Frühjahr bahnt sich eine neue Dimension dieses Dauer-Schlagabtauschs an, wenn beide gegeneinander auch zum ersten Mal im Champions-League-Halbfinale antreten sollten. Dann stünden sich der VfL und die Münchnerinnen gleich vier Mal in nur fünf Wochen gegenüber, immer geht es dabei um alles. Beim ersten Aufeinandertreffen am Samstagabend kassierte der VfL eine bittere, aber verdiente 0:1 (0:0)-Niederlage gegen einen starken FCB, der damit auch erstmals in dieser Saison die Tabellenführung übernahm.

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Stroot schickte exakt die Mannschaft ins Rennen, die am Mittwochabend mit 1:0 bei Paris St. Germain ihr Viertelfinal-Hinspiel in der Champions League gewonnen hatte, Bayern-Trainer Alexander Straus tauschte einmal im Vergleich zum 1:0 gegen den FC Arsenal am Dienstag, brachte als Sturmspitze die Ex-Wolfsburgerin Jovana Damnjanovic für Lea Schüller.

VfL ist mehrfach im Aluminium-Glück

Der VfL tat sich in der ersten Hälfte dieses Spitzenspiels mächtig schwer, weil die Bayern früh im Aufbau störten, die Gäste zudem hektisch aufbauten. Es gab so nur ganz wenige Minuten, in denen der Meister sein Ballbesitzspiel aufziehen konnte. Und er hatte mächtig Dusel, dass er mit einem torlosen Remis in die Kabine kam, denn die Münchnerinnen hatten gleich drei absolute Topchancen.

Beim ersten Versuch von Georgia Stanway musste sich Merle Frohms mächtig strecken, um ihn noch zur Seite zu lenken (16. Minute). Drei Minuten später wäre die VfL-Nationalkeeperin geschlagen gegeben, doch der zweite Schuss der Europameisterin klatschte an die Latte (19.). Und nach einer Ecke von Lina Magull reagiere Frohms wieder schnell, lenkte den Kopfball von Sydney Lohmann gerade noch so an die Unterkante der Latte, auf der Linie rettete Dominique Janssen (32.).

Rudelbildung: Lena Oberdorf (rechts) hatte gefoult, Lina Magull (2. v. l.) geschubst – beide sahen Gelb.
Rudelbildung: Lena Oberdorf (rechts) hatte gefoult, Lina Magull (2. v. l.) geschubst – beide sahen Gelb. © dpa | Matthias Balk

Rudelbildung kurz vor der Halbzeit

Außer einigen guten Ansätzen nach vorne und einem Lena-Oberdorf-Kopfball (27./weit drüber) hatte der VfL wenig anzubieten. Kurz vor der Pause kam’s zudem zur Rudelbildung, nachdem Oberdorf Magull gefoult hatte, und die Bayern-Nationalspielerin sich mit einem Schubser revanchierte – Stroot forderte vergeblich Rot für Magull, beide Spielerinnen bekamen Gelb (45.).

Streng genommen musste man auch noch einen Magull-Treffer aus spitzem Winkel an den Außenpfosten dazurechnen. Erst dann kamen die Wolfsburgerinnen immer besser in die Partie. Sie fanden jetzt endlich Lösungen im Spiel nach vorne, die Bayern schafften es allerdings auch nicht mehr, ihre Defensive so dicht zu staffeln und Wolfsburg so früh anzulaufen.

Wolfsburg kann stärkste Phase nicht nutzen

Immer wieder Antreiberin auf dem Weg nach vorne war Wolfsburgs Lena Lattwein. Alexandra Popp verpasste nach einer Flanke in der Mitte nur knapp (54.), kurz danach war es Ewa Pajor, die den Ball nach einer tollen Kombination nicht richtig traf (58.). Gleichwohl blieb München gefährlich, Klara Bühl zwang Frohms zu einer weiteren Glanztat mit dem Fuß (59.).

Und die Wolfsburger Torhüterin musste noch einmal retten, entschärfte in der 82. Minute einen Linksschuss von Sydney Lohmann. Drei Minuten später war sie dann aber doch machtlos: Glodis Viggosdottir hatte geschossen, Lattwein war der Ball vom Oberschenkel an die Hand geprallt – Elfmeter. Am Mittwoch gegen Paris hatte Wolfsburg nach einer ganz ähnlichen Aktion einen Handelfmeter kassiert, dieses Mal profitierten die Bayern.

Natürlich warf der VfL in den Schlussminuten alles nach vorne, hatte noch drei Standards in der Nähe des Münchner Tors. Aber es sprang nichts mehr heraus, dieses Mal musste sich das Team beugen – und hat die Tabellenführung an den FC Bayern eingebüßt.

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Für den VfL und die Bayern geht’s jetzt erst einmal darum, ins Königsklassen-Halbfinale einzuziehen. München spielt sein Viertelfinal-Rückspiel am Mittwoch (21 Uhr) beim FC Arsenal in London. Die Wolfsburgerinnen treffen am Donnerstag (18.45 Uhr) in der VW-Arena auf Paris St. Germain. Sicher noch einmal aufeinandertreffen werden sie im DFB-Pokal-Halbfinale, das am 16. April (14 Uhr) erneut auf dem Bayern-Campus stattfindet.

Spiel kompakt:

Bayern München: Grohs – Rall, Viggosdottir, Kumagai, Hansen – Zadrazil, Stanway – Lohmann, Magull (89. Bragstad), Bühl – Damjanovic (55. Schüller).

VfL Wolfsburg: Frohms – Hendrich (86. Brand), Hegering (46. Wilms), Janssen, Rauch – Oberdorf, Lattwein – Huth, Roord (59. Jonsdottir), Popp – Pajor (59. Waßmuth).

Tor: 1:0 Stanway (84/Handelfmeter).

Gelbe Karten: Magull / Oberdorf, Lattwein.

Schiedsrichterin: Fabienne Michel (Mainz).

Zuschauer: 2500 am Bayern-Campus.