Nach Positivtest eines Profis: Löwen in der Warteschleife

Braunschweig.  Ob Braunschweigs Basketballer Silvester in Berlin antreten können, ist offen. Ihr Hygienekonzept soll verhindern, dass Quarantäne für alle droht.

Wann der Ball wieder rollt bei Braunschweigs Erstligabasketballern, ist offen. Die Löwen befinden sich nach einem Positivfall in Selbstisolation und warten auf die Entscheidung des Gesundheitsamts.

Wann der Ball wieder rollt bei Braunschweigs Erstligabasketballern, ist offen. Die Löwen befinden sich nach einem Positivfall in Selbstisolation und warten auf die Entscheidung des Gesundheitsamts.

Foto: Imago / Hübner

Ein positiver Corona-PCR-Test vom Montagabend hat bei Braunschweigs Basketballern über Nacht alles durcheinandergewirbelt. Bei einem ihrer Profis, dessen Name von den Löwen zunächst nicht genannt wird, wurde eine schwache Infektion entdeckt, bestätigte Geschäftsführer Nils Mittmann, der sofort die für solche Fälle vereinbarten Schritte einleitete.

Montag gegen 19.30 Uhr war er vom Hygieneexperten der Löwen, Christoph Lassahn, über das Testergebnis informiert worden . Alle anderen Spieler und Teammitglieder des 22-köpfigen Testpools der Löwen waren negativ. Mittmann meldete den Fall an das Braunschweiger Gesundheitsamt und die Basketball-Bundesliga, die daraufhin am Dienstagmorgen das für den Abend geplante Heimspiel der Löwen gegen Bonn absetzte.

Basketball Löwen Braunschweig: „Alle fühlen sich gesund“

Zudem schickte Mittmann sofort alle Beteiligten in eine freiwillige Selbstisolation, die noch andauert. Am Dienstag starteten die Löwen eine weitere Testreihe mit erhöhtem Aufwand, weil Physiotherapeut Christian Degenhardt, mit entsprechender Schutzkleidung ausgestattet, dazu alle Spieler einzeln zu Hause aufsuchen musste. Die Ergebnisse werden spätestens Mittwochfrüh erwartet, und Mittmann hofft, dass kein weiterer Positivfall auftaucht. „Jedenfalls fühlen sich alle gesund“, berichtete er. Und auch der infizierte Spieler habe keinerlei Symptome.

Nun hängen die Basketballer in der Warteschleife. Denn wie es weitergeht, entscheidet das Braunschweiger Gesundheitsamt, das mit Hilfe der Löwen und des positiv getesteten Spielers gestern gleich die Kontaktverfolgung aufgenommen hatte. „Wir betreiben mit unserem Hygienekonzept ja einen großen Aufwand, damit möglichst niemand oder nur ganz wenige Leute miteinander so engen Kontakt haben, dass sie als Kontaktpersonen der Kategorie 1 gelten, was ja eine Quarantäne nach sich ziehen würde“, erläutert Mittmann.

Löwen hoffen, an Silvester in Berlin antreten zu können

Also habe man die Hoffnung, „dass im besten Fall alle Tests negativ sind und wir Mittwoch wieder ins Training einsteigen und dann Donnerstag in Berlin spielen können“, sagt der Sportchef. Käme es so, könnten die Löwen vor der Abfahrt in die Hauptstadt noch einen Abstrich abgeben. Der würde dann dort in Zusammenarbeit mit dem Hygieneexperten Florian Kainzinger, der die BBL und auch die DFL berät, noch vor dem Spiel analysiert. „Dann hätten wir auch die Sicherheit, dass nicht doch noch eine Infektion nachgekommen ist“, sagt Mittmann.

Im schlimmsten Fall zwei Wochen Komplett-Quarantäne

Im schlimmsten Fall könnte es aber auch ganz anders kommen. „Wenn plötzlich alle positiv wären oder jemand ernsthaft krank würde und Leidensdruck hätte, wäre das natürlich der schlimmste Fall“, betont Mittmann. Doch bezogen auf den Spielbetrieb und den engen Terminkalender wäre es der Worstcase, wenn das Gesundheitsamt die gesamte Mannschaft für zwei Wochen mit einer Quarantäne aus dem Verkehr ziehen würde.

Das gab es schon öfter in deutschen Profiligen - mit Ausnahme der Fußball-Bundesliga. Im Basketball mussten zu Saisonbeginn in Berlin, Bayreuth und Chemnitz ganze Mannschaften zwei Wochen zu Hause bleiben. Zuletzt allerdings gab es solche Komplettverbote nicht mehr.

Alba Berlin spielt trotz Infektion des Trainers

So war beim Löwen-Pokalgegner Berlin Trainer Aito Reneses an Heiligabend positiv getestet worden, ohne Symptome zu haben. Sein Team und alle Betreuer waren negativ. Das Spiel am zweiten Weihnachtstag beim MBC wurde abgesetzt und am Sonntag erneut getestet. Weil alle diese Tests negativ waren, durften die Albatrosse ihre Isolation verlassen und traten gestern Abend schon wieder unter der Regie des Co-Trainers in der Euroleague gegen Kaunas an.

Und auch die Bonner hatten bereits einen solchen Fall. Im Oktober war die Pokalpartie gegen die Braunschweiger nach einem Positivtest kurzfristig abgeblasen worden, und die Löwen mussten unverrichteter Dinge aus Bonn abreisen. Nach zwei Tagen Quarantäne konnten die Westdeutschen aber wieder ins Training einsteigen. Das erste Ergebnis sei als falsch-positives gewertet worden, hieß es.

Blickt man in die Fußball-Bundesliga, haben positive Testergebnisse keine Auswirkungen auf den Spielbetrieb. Das beste Beispiel in der Region liefert der VfL Wolfsburg, der mit Torhüter Pavao Pervan am Dienstag schon den neunten Fall meldete.

Hygienekonzept der Basketball Löwen wie im Fußball

Doch wo liegt der Unterschied zwischen Basketballern und Fußballern? Klar ist, dass sich das Virus im Freien nicht so leicht überträgt wie in der Halle. Da wären die Kicker also im Vorteil. Doch laut Gesundheitsökonom Kainzinger besteht das Infektionsrisiko für Profisportler eher nicht auf dem Spielfeld oder Trainingsplatz, sondern „eher im Zusammensein der Mannschaft: Also sprich Umkleidekabine, sprich Mittagsessen, Abendessen, gemeinsame Reisen im Bus.“

Hinsichtlich der Umkleidekabinen haben die Basketball Löwen die gleichen Bedingungen wie die Wolfsburger, die ihr Team auf mehrere Räume aufteilen. „Wir können in der VW-Halle auch vier Kabinen nutzen und haben in der Arena viel Platz, um Abstand zu halten“, lobt Mittmann die Bedingungen. Zudem hätten die Profis die Anweisung, schon umgezogen zum Training zu kommen und die Duschräume nicht zu benutzen.

Gesundheitsamt Braunschweig entscheidet über Löwen

Video-Einheiten, Besprechungen, Busreisen, Hotelaufenthalte fänden ausnahmslos mit Maske statt, betont der Geschäftsführer. Nur auf dem Spielfeld dürfe sie abgesetzt werden, alles laufe hochprofessionell und auf die Sicherheit des einzelnen bedacht. „15-minütigen Face-to-Face-Kontakt, die in die K1-Rubrik fallen würden, hat man bei uns eigentlich so gut wie nicht“, verdeutlicht er.

Ob das als sehr streng geltende Braunschweiger Gesundheitsamt dies genauso bewertet, wird sich zeigen.

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