Löwen-Sportchef Mittmann: „Wir vertrauen unserem Kader“

Braunschweig.  Braunschweigs Basketballer planen derzeit keine Nachverpflichtung. Peterka soll am Dienstag im Heimspiel gegen Bonn wieder besser integriert werden.

Foto: Imago

Den Auftakt der harten elf Tage mit fünf Spielen haben Braunschweigs Basketballer nicht erfolgreich gestalten können, stattdessen mussten sie nach vier Siegen am Samstag in Frankfurt die zweite Niederlage in Folge quittieren. „Die nächsten Spiele werden enorm wichtig“, sagt Sportdirektor Nils Mittmann mit Blick auf das Heimspiel gegen Bonn am Dienstag und die Partie in Chemnitz am Sonntag: „Nicht nur vom Ergebnis her, sondern auch, um zu sehen, wie die Mannschaft mit Rückschlägen umgehen kann.“

Zudem sind Bonn (14.) und Chemnitz (16.) in der BBL-Hinrunde die letzten Gegner, die in der Tabelle unter den Löwen (10.) rangieren und somit zu den eher schlagbaren zählen. Allerdings haben beide zuletzt aufsteigende Tendenz gezeigt und Siege gefeiert.

Viele harte Brocken kommen noch für die Basketball Löwen Braunschweig

Bleibt noch Weißenfels als Rivale, der gleichauf mit der Mannschaft von Pete Strobl steht, doch ansonsten warten bis zur Rückrunde sechs Mannschaften aus den Play-off-Rängen. Gegen zwei Teams aus dieser Kategorie, Oldenburg und Crailsheim, waren die Löwen zuletzt chancenlos. Das Team müsste sich also erheblich steigern, um mit solchen Kontrahenten auf Augenhöhe zu kommen.

Doch die personelle Lage stimmte diesbezüglich zuletzt nicht optimistisch. Viele Fans rufen nach Verstärkungen, weil die Rotation der Löwen immer kleiner wird. Und weil nach rund einem Viertel der Hauptrunde bis auf Vechta nun auch die Kellerkinder der Tabelle gelernt haben, wie man gewinnt.

Die Rotation der Löwen ist arg geschrumpft

Muss man sich trotz des gelungenen Saisonstarts also Sorgen machen um die Löwen? Sportdirektor Nils Mittmann tut das nicht. Dass viele Mannschaften, die schwach gestartet waren, inzwischen punkten, wundere ihn nicht, sagt er. „Denn da steckt ja Qualität drin.“ Aber die hätten auch die Löwen, betont der Ex-Profi und setzt weiterhin auf die Entwicklung seiner Mannschaft.

Deren Rotation war allerdings zuletzt bei der knappen 98:103-Verlängerungsniederlage in Frankfurt arg geschrumpft. Neben der Startformation konnten nur noch Lukas Wank und Luc van Slooten in zweistelligen Spielminuten richtig etwas beitragen. „Es wäre wünschenswert, die Minutenlast besser zu verteilen“, sagt Mittmann.

Sorgenkind Martin Peterka – wird der Tscheche immer schlechter?

Das größte Sorgenkind dabei ist Martin Peterka. Der tschechische Nationalspieler war mit zehn Punkten und fünf Rebounds im Schnitt bei 17 Minuten Einsatzzeit aus den ersten drei Spielen gut gestartet, dann aber aus unerfindlichen Gründen immer schlechter geworden. Den Tiefpunkt bildete die Partie in Frankfurt, wo er schnell foulbelastet war, nur sieben Minuten spielen durfte und weder Punkt noch Rebound zustande brachte. Sein Fall erinnert schmerzlich an den seines Centerkollegen Aleksandar Marelja in der Vorsaison, der nicht gut spielte, aber von Pete Strobl auch nicht wirklich gefördert wurde, nach Fehlern sofort vom Feld musste, sein Selbstvertrauen völlig verlor und praktisch aus der Rotation fiel.

Würde Peterka nun Ähnliches widerfahren, wäre das sehr schade. Denn es kann eigentlich nicht sein, dass ein Spieler, der Champions-League-Erfahrung mitbringt, in seinem Nationalteam bei der WM-Spiel um Platz fünf gegen Serbien 14 Punkte erzielen konnte und das jüngste EM-Quali-Fenster im November mit 24 Punkten/8 Rebounds beendet hat, bei einem BBL-Mittelklasseteam nicht Fuß fassen kann.

Peterka soll um größere Rolle kämpfen und Hilfe bekommen

Offensichtlich ist aber auch, dass der 25-Jährige für die Löwen unter den Körben bislang bei weitem nicht physisch genug spielt, um das Team zu verstärken. Auf der anderen Seite werden seine Stärken, hohe Spielintelligenz und ein guter Wurf von außen, gar nicht richtig abgerufen. Ähnlich war es im Vorjahr bei Lucca Staiger, der bis zum Schluss ein Fremdkörper blieb.

„Die Spieler definieren mit ihren Leistungen ja auch selbst ihre Spielzeit“, verdeutlicht Sportchef Mittmann auch mit Blick auf Peterka. Dennoch sehe er den Tschechen keineswegs auf dem Abstellgleis. „Wir sind von seinen Stärken überzeugt und geben ihn nicht auf.“ Der Center müsse lernen, physisch auf BBL-Niveau dagegenzuhalten, ohne immer gleich ein Foul zu kassieren. Aber Peterkas Integration ins Team sei durchaus auch eine Aufgabe für die Trainer und Mitspieler.

Auf die Schnelle keine Nachverpflichtung für Kostja Mushidi

„Ich bin jedenfalls hoffnungsfroh, dass Martin bald mehr spielen kann“, versichert Mittmann. Wenn dann Bazou Koné nach seiner leichten Fußverletzung bald zurückkehrt, gebe es gleich wieder mehr Optionen. „Wir vertrauen unserem Kader“, unterstreicht Mittmann.

Wodurch auch das Thema einer Nachverpflichtung für den länger ausfallenden Kostja Mushidi auch weiter vertagt wird. „Wir sind noch nicht in Zugzwang“, betont der Sportchef.

Braunschweig – Bonn, Dienstag, 19 Uhr, VW-Halle, live bei Magentasport

Der Gegner

Die Baskets Bonn haben nach einem Fehlstart mit fünf Niederlagen zuletzt drei von vier Spielen gewonnen, gegen Göttingen, Gießen und Vechta. Nach dem überraschend deutlichen 102:87-Sieg gegen Göttingen am Sonntag blieb ihnen allerdings ein Tag weniger Regeneration als den Löwen.

In den Pokalwettbewerb waren sie viel besser gestartet, hatten Oldenburg und die Löwen bezwungen und nur knapp gegen Berlin verloren und haben noch Chancen aufs Final Four. Beim 91:79-Pokalsieg gegen Braunschweig waren besonders Spielmacher Josh Hagins mit 20 Punkten und der ehemalige litauische Nationalspieler Deividas Gailius mit 25 Punkten nicht zu stoppen, die beide vier Dreier versenkten.

Die Bonner sind eine sehr erfahrene Mannschaft mit recht hohem Durchschnittsalter der Leistungsträger und Stärken beim Dreipunktewurf. Star und Kopf des Teams ist der ehemalige NBA-Profi Chris Babb, der auch schon in Ulm spielte.

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder