Die Grizzlys siegen, aber wichtiger war der Neustart

Wolfsburg.  Gegen die Düsseldorfer EG gibt’s ein 7:0 für Wolfsburgs Eishockey-Erstligisten. Die Freude, wieder spielen zu dürfen, ist aber ungleich größer.

Die Grizzlys Wolfsburg (Mitte Doppeltorschütze Matti Järvinen) sind mit einem 7:0-Kantersieg gegen die Düsseldorfer EG in den Magenta-Sport-Cup gestartet.

Die Grizzlys Wolfsburg (Mitte Doppeltorschütze Matti Järvinen) sind mit einem 7:0-Kantersieg gegen die Düsseldorfer EG in den Magenta-Sport-Cup gestartet.

Foto: Darius Simka / regios 24

Eishockey ist zurück in Wolfsburg! Das war die wichtigste Nachricht, die der Auftakt der Grizzlys beim Magenta-Sport-Cup sendete. Gegen eine stark ersatzgeschwächte Düsseldorfer EG, die obendrein eine viel kürzere Vorbereitung hatte, gelang der Mannschaft von Coach Pat Cortina ein nicht ganz unerwarteter Kantersieg . Mit 7:0 (3:0, 1:0, 3:0) schossen die Grizzlys den Gast aus der Eis-Arena. Die Gefühlslage hinterher fasste Wolfsburgs Verteidiger Dominik Bittner am Magentasport-Mikro vielleicht am besten zusammen: „Das kann man gar nicht beschreiben. Es war so, als ob man einem kleinen Kind den Schnuller wegnimmt – und jetzt haben wir den Schnuller wieder.“

Bei den Grizzlys fehlten die Verteidiger Steven Raabe (bei Kooperationspartner Hannover Indians), Neuzugang Janik Möser (krank) und Maximilian Adam (überzählig). Mit Dustin Strahlmeier nahm der neue Keeper auf der Bank Platz, Chet Pickard erhielt den Vorzug. Alle weiteren Neuen durften sich zeigen – und verbuchten bis auf Angreifer Jordan Boucher nach insgesamt überzeugenden 60 Minuten auch Scorerpunkte. Nur beim Schlusspunkt, dem 7:0 durch Spencer Machacek, war kein Neuzugang beteiligt.

Düsseldorf ohne sieben Spieler

Doch eins nach dem anderen: Bei den Düsseldorfern fehlten neben sieben kranken oder verletzten Spielern auch Coach Harold Kreis (private Gründe). Zudem wurden kurzfristig die Verträge der Leistungsträger Chad Nehring und Luke Adam aufgelöst. So reiste die DEG mit vier Nachwuchsspielern aus der DNL I an, drei von ihnen bildeten die dritte Sturmreihe – mit ihnen hatte der Gast nur neun Offensivspieler aufzubieten.

Gerade in der Anfangsphase machte sich das bemerkbar: Valentin Busch hatte gleich nach 14 Sekunden die erste gute Grizzlys-Chance . In Minute 6 leitete Neuzugang Phillip Bruggisser ein, Anthony Rech stand nach Querpass von Garret Festerling völlig frei und traf zur Führung. Busch nutzte dann 71 Sekunden später seinen zweiten Versuch, nachdem Phil Hungerecker noch am jungen DEG-Goalie Hendrik Hane gescheitert war, zum 2:0 (7. Minute). Gut zwei Minuten später nahm der äußerst spielfreudige Matti Järvinen, Neuzugang aus Finnland , fast an der eigenen blauen Linie Anlauf, wurde nicht entscheidend gestört und legte nach diesem tollen Solo das dritte Tor nach (9. Minute). Erst jetzt fand die DEG, die noch nicht so viele Eiseinheiten hatte wie Wolfsburg, etwas besser ins Spiel, kam gegen Ende des ersten Drittels auch durch Bernhard Ebner im Powerplay zu einer Doppelchance (18.).

Im zweiten Drittel ließen die Grizzlys nach

Das zweite Drittel war bedeutend ausgeglichener – wohl auch, weil die Wolfsburger es zuließen. Kapitän Sebastian Furchner legte gegen Ende nach unnachahmlicher Vorlage von Bruggisser noch einmal nach. Spätestens jetzt war die Partie entschieden, wobei der DEG bei aller Leidenschaft die Mittel fehlten . „Ich glaube, wir spielen es konsequent von hintenraus und nutzen die Situationen vorne, deswegen sind wir zufrieden“, meinte Furchner. Doch auch dem Kapitän war bei seinem Statement anzumerken, dass nicht das Spiel gegen dezimierte Düsseldorfer im Vordergrund stand, sondern das Zeichen , dass es im Eishockey weitergeht: „Es ist eine außergewöhnliche Situation und großartig, dass wir einen Weg gefunden haben zu spielen. Ein großes Kompliment an die Spieler in der ganzen Liga.“

Furchners Worte sind auch deshalb außergewöhnlich, weil er sie im Kurz-Interview nach dem zweiten Drittel sprach. Dort gibt es sonst eher kurze Einschätzungen zum Spiel, eher nicht zur Lage der Liga . Doch der Grizzlys-Kapitän nutzte die Plattform, sagte weiter: „Wie man hört, wird es auch eine Liga geben. Ein großes Kompliment an alle, die daran gearbeitet haben, vor allem die Spieler, die, wie man hört, auf bis zu 60 Prozent Gehalt verzichtet haben. Ich denke, das ist in der Sportwelt oder der ganzen Berufswelt nicht normal, dass die Leute auf so viel Geld verzichten, damit sie ihrer Leidenschaft nachgehen können. Ich bin sehr optimistisch, dass es eine Liga geben wird.“

Pickard entschärft einen Penalty

Im Schlussabschnitt konzentrierten sich die Wolfsburger dann weiter darauf, für diesen Fall, über den in der kommenden Woche entschieden wird, gerüstet zu sein. Wieder war es Järvinen, der auf Vorlage des unter der Woche erst verpflichteten Verteidigers Julian Melchiori das erste Powerplay-Tor nachlegte (41.). Nach einem Doppelschlag durch den Schweden Max Görtz (52.) und Machaceks Solo-Treffer (53.) stand das Endergebnis fest, auch weil der gute Pickard noch einen Penalty von Daniel Fischbuch, den Bruggisser gelegt hatte, entschärfte (58.).

Auch Coach Pat Cortina fiel eine sportliche Einordnung gegen diesen Gegner schwer. Er beschränkte sich also auf das, was er von seiner Mannschaft gefordert hatte: „Wir wollten die richtige Einstellung und das richtige Energielevel an den Tag legen, und das war zu sehen. Wir haben viele gute Dinge gesehen.“ Aber er betonte auch: „Es war unser erstes Spiel, und es gibt weiter Dinge, an denen wir arbeiten müssen.“

Bittner: „Waren brutal ehrgeizig“

Auch Cortina wird hoffen, dass am Dienstagabend im zweiten Spiel des Magenta-Sport-Cups mit den Krefeld Pinguinen ein Gegner wartet, der etwas ebenbürtiger ist, als es die DEG zum Start in Wolfsburg sein konnte. Bittner fand: „Wir waren brutal ehrgeizig , jetzt endlich rauszugehen. Und den Biss hat man uns auch angemerkt, glaube ich.“

Die Stimmung war ohne Fans natürlich auch in der Eis-Arena gespenstisch . Die Fans hatten dabei getan, was sie konnten, und in der Kurve ein Spruchband aufgehängt: „Ob hinter der Bande oder daheim. Wir werden immer bei Euch sein.“ Nach Treffern lief die Tor-Musik , die gerade ohne den spontanen Fanjubel etwas verzögert kam. Furchner sagte: „Natürlich ist es schade, dass die Atmosphäre in den Stadien nicht die gleiche ist. Aber da müssen wir jetzt alle miteinander durch. Wir müssen das Beste daraus machen und Eishockey am Leben halten , um nächste Saison wieder atmosphärische Spiele bestreiten zu können, wie wir es kennen.“

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