Braunschweig. Felix Siemsen ist Azubi in der Zentrale der Schulplattform IServ. Wie gefällt ihm die Lehre zum Fachinformatiker für Systemintegration?

Eine Flasche Cola steht auf seinem Schreibtisch, und neben dem Headset liegt griffbereit eine Schachtel mit Nervennahrung in Form von Himbeerbonbons. Felix Siemsen arbeitet dort, wo die IT-Notrufe von rund 5000 Schulen aus ganz Deutschland eingehen: im Support der Onlineplattform IServ.

In seiner Abteilung gehen die Tickets ein, die die Lehrkräfte und Administratoren an Schulen erstellen, wenn sie mit dem Programm nicht weiterkommen und Unterstützung brauchen. „Sie wollen zum Beispiel wissen, wie man das Passwort eines Schülers ändern kann oder wo sie die Geräteverwaltung finden“, sagt Felix Siemsen. Anfragen wie diese bearbeiten er und seine Kollegen.

Der 21-Jährige macht eine Ausbildung zum Fachinformatiker für Systemintegration und ist im zweiten Lehrjahr. Installieren, administrieren, konfigurieren, überwachen von Serversystemen – so könnte man das Berufsfeld umschreiben. Fachinformatiker müssen aber noch mehr können: Sie erklären neue Systeme, beantworten Fragen zur EDV, helfen bei Anwendungsproblemen.

Felix Siemsen kennt IServ schon seit der fünften Klasse – so wie die meisten Schüler in Braunschweig. Ob Vertretungspläne, Homeschooling, Chat oder Mails: das meiste wird über die Plattform organisiert und abgewickelt. Wenn es irgendwo klemmt, kümmern sich Felix Siemsen und seine Kollegen. Manchmal sind sie auch vor Ort in den Schulen im Einsatz, tauschen Server oder Festplatten aus. „Sogar in meiner ehemaligen Schule, der IGS Franzsches Feld, war ich schon einmal beruflich“, sagt Felix Siemsen.

Ursprünglich hatte er nur ein längeres Praktikum bei IServ machen wollen, erzählt er: Er war durch die Abi-Prüfung gefallen, hatte keine Lust auf ein weiteres Jahr Schule und entschied sich stattdessen, die Fachhochschulreife zu machen. Dass er beruflich etwas mit Computern machen möchte, war ihm längst klar. Für das Fachabi benötigte er ein einjähriges Praktikum – und das begann er bei IServ.

In diesen Neubau am Vossenkamp, direkt am Gliesmaroder Bahnhof, sind die Entwickler der digitalen Schul-Plattform IServ im letzten Herbst eingezogen.
In diesen Neubau am Vossenkamp, direkt am Gliesmaroder Bahnhof, sind die Entwickler der digitalen Schul-Plattform IServ im letzten Herbst eingezogen. © regios24 | Stefan Lohmann

„Nach zwei Wochen kam mein Abteilungsleiter auf mich zu und fragte, ob ich nicht lieber eine Ausbildung machen möchte“, sagt Siemsen. Da musste er nicht lange überlegen, denn so wird er nach drei Jahren nicht nur die Ausbildung, sondern automatisch auch die Fachhochschulreife in der Tasche haben.

„Für Computer interessiere ich mich schon seit meiner Kindheit. Das habe ich von meinem Vater, der hat sich da viel selbst angeeignet“, berichtet er. Nicht nur Anwendungen und Spiele interessieren den Azubi, sondern auch die Technik, die dahinter steckt. „Ich habe schon früh am Rechner rumgeschraubt.“ Programmieren allerdings konnte er noch nicht, das lernt er jetzt in der Ausbildung.

Gemeinsames Frühstück im Büro

Im ersten Ausbildungsjahr hatte Felix Siemsen an zwei Tagen die Woche Schule, im zweiten und dritten Lehrjahr an einem Tag. In der Otto-Bennemann-Berufsschule trifft er auf Auszubildende aus anderen Betrieben in der Region, etwa von New Yorker und Harz Energie. Seine Noten sind gut, theoretisch könnte er die Lehre auf zwei Jahre verkürzen, aber das hat er nicht vor: „Im dritten Lehrjahr kann ich noch viel lernen, da möchte ich nicht drauf verzichten“, sagt er.

Sein Arbeitstag bei IServ beginnt zwischen 7.30 und 8 Uhr. Jeden Morgen radelt er aus Rautheim mit dem Fahrrad zur Arbeit, so wie früher zur Schule – und zwar in kurzen Hosen, bei jedem Wetter. „Die Kälte an den Beinen macht mir nichts aus“, sagt er achselzuckend. Um 9 Uhr gibt es Frühstück in der Kantine: Bei IServ ist es schon seit vielen Jahren Tradition, dass man zusammen frühstückt. „Mittwochs ist Mettwoch, da gibt es Mett von Metzger Brandes“, verrät der Lehrling. Kaffee und Kaltgetränke sind im Betrieb immer kostenfrei, sein Diensthandy und das Tablet darf er auch privat nutzen.

IServ-Gründer Jörg Ludwig hat unserer Redaktion im vergangenen Jahr im Interview gesagt: „Es ist in der IT nicht leicht, gute Leute zu finden. Wir konkurrieren mit VW, mit Siemens – mit anderen innovativen Firmen in Deutschland, die bessere Gehälter zahlen können.“ Deswegen setze das Unternehmen auf den Wohlfühlfaktor, auf Team-Building und auf die Ausbildung.

Von Erdbeere bis Zitrone: Die Konferenzräume sind nach Eissorten benannt

Die neue Zentrale von IServ am Vossenkamp ist modern, hell und freundlich. Erst im vergangenen Jahr sind die rund 120 Mitarbeiter vom Bültenweg in den Neubau unmittelbar neben dem Bahnhof Gliesmarode gezogen. Die Konferenzräume sind nach Eissorten benannt: Erdbeere, Banane, Drachenfrucht. Von seinem Großraumbüro im sechsten Stockwerk aus hat Felix Siemsen einen guten Blick über den Nordosten der Stadt. Die Atmosphäre im Büro ist gedämpft, die Kollegen arbeiten konzentriert an ihren Bildschirmen.

An den Schreibtischen im Support sind ausschließlich junge Männer zu sehen. „In der Entwicklung arbeiten aber auch viele Frauen“, stellt Felix Siemsen klar. Zum Betriebsklima sagt er: „Es ist unglaublich, wie closed man hier mit den Menschen zusammenarbeitet. Es ist sehr familiär. Wir treffen uns auch viel in der Freizeit, spielen am PC oder so. Die Hierarchien sind sehr flach, alle duzen sich. Ich kann mir keine bessere Firma vorstellen.“ Auf Nachfrage lacht er und sagt: „Nein, für diesen Satz werde ich nicht bezahlt. Es ist einfach so.“ Deshalb würde er nach der Ausbildung am liebsten auch bei IServ bleiben.

Fakten zum Fachinformatiker für Systemintegration:

- Voraussetzung: Rechtlich ist keine bestimmte Schulbildung vorgeschrieben. Betriebe stellen überwiegend Auszubildende mit Hochschulreife und guten Abschlüssen der Sekundarstufe 1 ein. Man sollte analytisch denken und komplexe Zusammenhänge durchschauen können; gute Kenntnisse in Mathematik, Englisch, Deutsch, Physik und Informatik sind von Vorteil; man sollte gerne mit Menschen kommunizieren. Technisches Verständnis und Handgeschick sind wichtig.

- Dauer der dualen Ausbildung: drei Jahre

- Fachinformatiker/innen für Systemintegration planen und konfigurieren IT-Systeme und betreiben bzw. verwalten sie. Als Dienstleister im eigenen Haus oder beim Kunden richten sie diese Systeme entsprechend den Kundenanforderungen ein und betreiben bzw. verwalten sie. Dazu gehört auch, dass sie bei auftretenden Störungen die Fehler systematisch und unter Einsatz von Experten- und Diagnosesystemen eingrenzen und beheben.

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- Verdienst: 1. Ausbildungsjahr 700 bis 900 Euro im Handwerk, 976 bis 1097 in der Industrie. 2. Ausbildungsjahr: 825 bis 950 (Handwerk), 1.029 bis 1.128 Euro (Industrie). 3. Ausbildungsjahr: 875 bis 1.050 Euro (Handwerk), 1.102 bis 1.199 (Industrie).

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„Braunschweigs Auszubildende“: In unserer Serie porträtieren wir junge Menschen, die von ihrer Ausbildung berichten. Wie sind sie dazu gekommen? Was ist für sie das Besondere an diesem Beruf? Und natürlich geht es auch um die Ausbildungsbetriebe: Wodurch zeichnen sie sich aus? Wir suchen weitere Auszubildende im zweiten oder dritten Lehrjahr, die bereit sind, Einblicke zu geben. Schreiben Sie gern eine Mail an: redaktion.bs@funkemedien.de

Ausbildungsmesse: Am Dienstag, 14. März, können sich Schüler im VIP-Bereich des Eintracht-Stadions von 9 bis 12 Uhr informieren. Viele Unternehmen präsentieren sich. Informationen: www.ausbildungsstart.com

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