Taxifahren in Braunschweig

Preissprung: Taxifahren wird in Braunschweig 20 Prozent teurer

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Taxen warten am Hauptbahnhof. Dort steigen besonders Bahnreisende aus oder ein.

Taxen warten am Hauptbahnhof. Dort steigen besonders Bahnreisende aus oder ein.

Foto: Bernward Comes / Braunschweiger Zeitung

Braunschweig.  Die neuen Tarife werden vom 1. Oktober an gelten. Die Taxibranche gibt höhere Kosten weiter.

Das hat es in Braunschweig noch nie gegeben: zwei Erhöhungen der Taxitarife in einem Jahr. Vier Prozent mehr seit April. Ab Oktober wird sogar ein echter Preissprung erfolgen: Taxifahren wird dann weitere 20 Prozent teurer. Eine solch starke Erhöhung hat es ebenfalls noch nie gegeben.

Taxen gehören zum Öffentlichen Personennahverkehr. Das heißt: Die Unternehmen können die Tarife nicht nach Gutdünken festlegen. Jeder Tarifänderung geht darum eine Prüfung der Gründe voraus. Am Ende muss der Rat der Stadt zustimmen. Das ist Dienstagnachmittag geschehen. Das Votum fiel einstimmig aus.

Zumal es nicht Braunschweigs Taxigewerbe war, das den Antrag auf Erhöhung stellte, sondern der Gesamtverband Verkehrsgewerbe Niedersachsen. Eine Prüfung durch das Landesverkehrsministerium ging voraus. „Angemessen“ sei die Erhöhung. Die Stadtverwaltung hatte im Vorfeld ebenfalls nachgefragt, was dagegen sprechen könnte? Ob Staatliches Gewerbeaufsichtsamt, das Mess- und Eichwesen Niedersachsen, die Industrie- und Handelskammer, Gewerkschaft Verdi oder Braunschweigs Wirtschaftsförderer – Einwände gab es keine.

Die aufgeführten Gründe für die Erhöhung: Kostete Dieselkraftstoff zur Jahreswende noch je Liter etwa 1,32 Euro, so ist der Preis auf über 2 Euro gestiegen. Die Inflationsrate hat sich seit Jahresbeginn stark erhöht. Der Mindestlohn wird am 1. Oktober von gegenwärtig 10,45 auf 12 Euro steigen.

Oberbürgermeister wurde um Hilfe gebeten

Der Taxi-Branche in Braunschweig fiele ein Stein vom Herzen, so kommentierte den Ratsbeschluss Matthias Reiher. Er ist Geschäftsführer von Taxi-Ruf, dem größten Unternehmen seiner Art in der Stadt. Reiher sagt, er habe Oberbürgermeister Thorsten Kornblum gebeten, eine Entscheidung des Rats noch vor den Sommerferien herbeizuführen.

Grund: „Das Eichamt benötigt etwa vier bis sechs Wochen, die Taxameter umzustellen. Hätte der Rat der Stadt erst nach den Sommerferien entschieden, hätte das viele Taxi-Unternehmen der Stadt in existenzielle Nöte gebracht. Dies konnte nur abgewendet werden, wenn die Erhöhung des Mindestlohns am 1. Oktober mit der Erhöhung der Taxi-Tarife zusammenfällt.“

Corona hat Betriebsreserven schmelzen lassen

Warum die Branche nicht in der Lage sei, die Mindestlohn-Erhöhung zu verkraften, erklärt Reiher so: „Selbstverständlich verlangt eine solide Unternehmensführung, dass Rücklagen für Krisenzeiten gebildet werden. Die Corona-Pandemie hat allerdings dafür gesorgt, dass die Rücklagen aufgebraucht oder so stark zusammengeschmolzen sind, dass das Taxi-Gewerbe nicht in der Lage ist, die Mindestlohn-Erhöhung aufzufangen.“

Keine Erhöhung zum 1. Oktober hätte bedeutet: „Spätestens Ende November wäre für viele Betriebe das Aus gekommen. Lohnkosten machen etwa 65 Prozent der Gesamtkosten aus.“

Braunschweigs Wirtschaftsförderer hatten in ihrer Stellungnahme angemerkt: Eine Erhöhung der Tarife um 20 Prozent werde Folgen für die Nachfrage nach Taxifahrten haben. Die Zahl der Kunden werde wohl sinken. Reiher teilt die Meinung: „Doch wir können es uns nicht aussuchen, ob wir Mindestlohn zahlen oder nicht. Die höheren Kosten müssen weitergegeben werden. Anderenfalls ist der wirtschaftliche Betrieb nicht mehr möglich.“

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