Radverkehr in der City

Braunschweig will „die“ Fahrradstadt Norddeutschlands werden

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Für mehr Sicherheit auf der Radspur: Vor dem Staatstheater wurde die Radfurt bereits farblich auffällig markiert.

Für mehr Sicherheit auf der Radspur: Vor dem Staatstheater wurde die Radfurt bereits farblich auffällig markiert.

Foto: Karsten Mentasti

Braunschweig.  Braunschweigs ambitionierte Radfahr-Ziele sorgen für Aufsehen, dürften aber auch noch für Diskussionen sorgen.

Grünes Licht für den Radverkehr, so lautet die Botschaft von Oberbürgermeister Thorsten Kornblum, als er jetzt einen Zwischenstand präsentierte, wie weit die Stadtverwaltung bei der Umsetzung des Maßnahmenkatalogs „Radverkehr in Braunschweig“ bereits gekommen ist. Die Mobilitätswende sei eine entscheidende Zukunftsfrage, sagte er. Die Stadt wolle einen Anreiz geben, Autos künftig stehen zu lassen – ohne einzelne Verkehrsmittel gegeneinander auszuspielen.

Solche Bestandsaufnahmen will die Verwaltung künftig alle halbe Jahre veröffentlichen, um für Bevölkerung und Politik zu skizzieren, wie es mit der Umsetzung des Katalogs vorangehe. Im Juli 2020 hatte der Rat der Stadt eine umfangreiche Förderung des Radverkehrs in Braunschweig beschlossen und somit die Verwaltung beauftragt, bis zum Jahr 2030 insgesamt 42 Maßnahmen umzusetzen.

Oberbürgermeister Kornblum: Es kann etwas dauern, aber dann wollen wir es auch richtig machen

Allerdings betonte der OB auch, man wolle nicht in Aktivismus verfallen, um schnell erste plakative Ergebnisse zeigen zu können, und auch nicht zu kleinteilig denken, so dass eine Maßnahme an einer Stelle funktioniere, an anderen Stellen im Stadtgebiet aber zum Verkehrskollaps führe. Vielmehr wolle man auf dem Weg zu klimaschonendem Verkehr und Nachhaltigkeit in Kauf nehmen, „dass es etwas dauert, wir es dann aber auch richtig machen“.

Erste Veränderungen sind bereits in der Umsetzung, an anderen werde noch getüftelt und geplant. „Unser Ziel ist, dass wir ,die’ Fahrradstadt in Norddeutschland werden“, erklärte Kornblum und ergänzte selbstbewusst: „Wir wissen, dass das ambitioniert ist.“

Zu den ersten Maßnahmen gehört, „dass bis Oktober Furten für Radfahrer an bekannten Gefahren- oder Unfallhäufungspunkten rot eingefärbt werden“, erläuterte Stadtbaurat Heinz-Georg Leuer. Damit sollen die Radfahrstreifen insbesondere bei Autofahrern mehr Achtsamkeit erzeugen.

Ein Beispiel, wo es hingeht, ist am Staatstheater bereits sichtbar

Ein Beispiel, wie das aussieht, ist am Staatstheater sichtbar, wo die Verkehrsführung rund um das Haus recht komplex ist und Radler mitunter Schwierigkeiten haben, sich gegen den Motorverkehr in Szene zu setzen. In den kommenden Wochen und Monaten werden die Markierungen in Signalfarbe fortgesetzt, etwa an wichtigen Kreuzungen wie Kastanienallee/Altewiekring, den Radaufstellstreifen und Zuführungen Messeweg/Berliner Straße oder den Einmündungen Wendenstraße/Kaiserstraße sowie Helmstedter Straße/Brodweg.

Weitere teils gravierende Veränderungen befinden sich im Vorbereitungsstatus, berichtete Leuer. Unter anderem soll bis Mitte 2023 das Hauptnetz für den Radverkehr mit den wichtigsten Verbindungen zwischen Innenstadt und Außenbezirken einschließlich der sogenannten Velorouten entwickelt werden. „Wir arbeiten mit Hochdruck an den Planungen für die erste Veloroute vom Schloss über Museumsstraße und Helmstedter Straße bis Schöppenstedter Turm“, betonte der Stadtbaurat.

Stadtbaurat Leuer sieht voraus: „Einige unserer Vorschläge werden sicherlich heiß diskutiert werden“

Diese Fahrrad-Schnellwege sollen ein schnelles Vorankommen ermöglichen, ohne dass sich Radfahrer Flächen mit vielen Autos teilen müssen. Außerdem bereits in Planung: Der Ausbau der Uferstraße als wichtige Radfahr-Wegeverbindung in den Norden.

„Einige unserer Vorschläge werden sicherlich heiß diskutiert werden“, prophezeite der Stadtbaurat. Je teurer und einschneidender eine Maßnahme wird, desto mehr wird sie in politischen Gremien und der Öffentlichkeit zu kontroversen Meinungen führen – gerade weil Verkehrsflächen rar und nicht beliebig erweiterbar sind.

So soll auch der Braunschweiger Standard für Fahrradstraßen optimiert werden, von denen es im Stadtgebiet bereits viele gibt und die unter anderem Fahrradfahrern in Einbahnstraßen die Benutzung in beide Richtungen ermöglichen. Mit Empfehlungen für den neuen Standard sei bereits Ende des Jahres oder Anfang 2023 zu rechnen, sagte der Oberbürgermeister. Vorstellbar sei dabei, „dass das Parken“ an einigen Stellen „neu geordnet wird“, so Kornblum.

Beim Thema Parkplätze wird indes bekanntlich oft mit harten Bandagen gekämpft.

Begonnen wurde bereits damit, an strategisch wichtigen Stellen zusätzliche – teils überdachte – Fahrrad-Abstellplätze zu platzieren, etwa an gerade umgebauten Bushaltestellen oder am Bahnhof Gliesmarode, in einzelnen Wohngebieten sowie vor städtischen Einrichtungen.

Von Oktober an ist eine flächendeckende Bedarfsermittlung geplant. Außerdem sollen an den wichtigsten Radweg-Strecken Reinigungsintervalle und Winterdienst optimiert werden.

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