Corona-Virus spaltet die Braunschweiger Wirte

Braunschweig.  Kneipen müssen schließen – doch wenn sie Speisen verkaufen, dürfen sie von 6 bis 18 Uhr öffnen.

Das „Alex“ am Bohlweg ist täglich von 6 bis 18 Uhr geöffnet

Das „Alex“ am Bohlweg ist täglich von 6 bis 18 Uhr geöffnet

Foto: Norbert Jonscher

Es sei nicht fair. Der Inhaber einer Kneipe in der Innenstadt ärgert sich darüber, dass er per Verordnung ab sofort schließen muss – und andere Gaststätten weiterhin geöffnet haben. Zum Beispiel nicht weit entfernt, wo die Leute jetzt, kurz vor Mittag, in der Sonne sitzen und ihren Kaffee trinken. Erlaubt, weil man dort auch etwas essen kann.

Während in anderen etablierten Gaststätten die Lichter an diesem 18. März 2020 vorerst ausgegangen sind. Gäste: Fehlanzeige. Die Stadt Braunschweig hat den Lokalen am Mittwoch den Bierhahn zugedreht – wie allen Kneipen, in denen es keinen Verzehr gibt.

Das sieht die neue städtische Verordnung zur Abwehr der Corona-Gefahr vor. Für den Publikumsverkehr wurden danach geschlossen: Bars, Clubs, Kulturzentren, Diskotheken, Kneipen und ähnliche Einrichtungen. Ausnahme: Restaurants und Speisegaststätten. Sie dürfen täglich in der Zeit von 6 bis 18 Uhr öffnen. Voraussetzung: Sie müssen ab sofort einen Abstand von zwei Metern zwischen den Tischen haben. Und zu Speisegaststätten gehören nun mal auch solche Kneipen, in denen sich der Gast zwischendurch mit einer Bulette oder einem Mettbrötchen stärken kann.

Hört man sich um, fällt auf: Das Corona-Virus zieht eine Trennlinie zwischen die reinen Trinklokale und die Trink- und Verzehrlokale. Mancher kann es nicht nachvollziehen. Ja, heißt es, man fände es grundsätzlich gut, dass es jetzt endlich eine Lösung gebe in der Corona-Frage. Aber dann müsse sie auch für alle gelten. Zumal dann, wenn eine Gaststätte etwa schon seit Jahrzehnten ohne Frikadellen oder Bockwürste am Start war. Jägermeister und Wolters mussten reichen. Nun so was. Vorerst bis zum 18. April hat das betreffende Lokal nun zu. Wie es danach weitergeht – man wird sehen. Devise: „Abwarten.“

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Auch andere Lokale sind zu, etwa die Musikkneipe „Hotte’s Movie“ in der Neuen Straße. Die schweren Rollläden sind seit gestern herunter gelassen. Kommentarlos. Andere haben sich mit Zetteln am Eingang von ihren Gästen verabschiedet. So die „Rheinische Republik“ in der Neuen Straße. „Mit schweren Herzen, aber aus Vernunft treffen wir diese Maßnahme, um unsere Gäste, Mitarbeiter und uns selbst zu schützen“, schreiben Eleonore Koch und ihr Team.

Geschlossen auch (zufällige Auswahl): das „Abseits“, der Löwenkäfig am Oelschlägern, das „Salentino“ am Ackerhof, der Magnitor-Wächter“ am Magnitor, das „Sorrento“ am Bohlweg... Bei McDonald’s in den Schloss-Arkaden verkaufen sie ab sofort nur noch außer Haus, ebenso im „Wurst-Basar“ um die Ecke.

Andere Lokale wie das „Alex“ und das „X-Trend“ am Ritterbrunnen sind hingegen geöffnet, ebenso Restaurants wie der „Tresor“ am Bankplatz und das „Al Duomo“ am Ruhfäutchenplatz. Dort allerdings ist man schier verzweifelt angesichts der Situation. Durch die Schließung um 18 Uhr breche das Abendgeschäft weg. „Wir haben bereits bis zu 1500 Stornos für den nächsten Monat“, berichtet Inhaber Andrea Marannano. Nur noch er und sein Vater seien an Bord. „Unsere 14 Mitarbeiter haben wir in Urlaub geschickt.“ Nun müsse man sehen. „Wenn es nicht besser wird, werden wir wohl schließen müssen.“

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