Corona-Virus: Erste Geschäfte schließen bereits

Braunschweig.  Verkäufer nehmen teilweise kein Bargeld mehr an. Der Handel sorgt sich, wie es weiter geht.

Die beiden Nordsee-Filialen bieten nur noch einen Snack-Verkauf.

Die beiden Nordsee-Filialen bieten nur noch einen Snack-Verkauf.

Foto: Norbert Jonscher

Antonio Mastronardi (46) steht in seinem Lokal und schaut aus dem Fenster. Draußen auf der Terrasse sitzen heute nur wenige Gäste. Was wird die Zukunft dem italienischen Gastronomen bringen? Die Frage geht dem Inhaber des Restaurants „Marco Polo“ an der Leipziger Straße nicht aus dem Kopf.

Seit dem Wochenende, sagt er, kriege er die Folgen der Corona-Berichterstattung in den Medien immer stärker zu spüren. „Es kommen weniger Gäste.“ Was tun? Der 46-Jährige möchte Gewissheit, wie es weitergehen wird.

Mittwoch noch geöffnet?

Ein Gast reserviert für Mittwochabend einen Tisch. Aber hat das „Marco Polo“ dann überhaupt noch auf? Soll der 46-Jährige seine Beschäftigten besser jetzt schon nach Hause schicken? Er rätselt. Dass er soeben vorab seine Steuern dem Finanzamt entrichtet hat, ärgert ihn im Nachhinein. „Wenn ich hier die nächsten Wochen dichtmachen muss, ist das Geld weg. Das zahlt mir keiner zurück.“ In seiner Not appelliert der Italiener an seine Gäste mit einem ganzseitigen Aufruf. „Wir haben weiterhin für Sie geöffnet“, steht in seiner Speisekarte.

„Damit wir unseren Betrieb so lange wie möglich aufrechterhalten können, haben wir den Ablauf in unserem Ristorante ein wenig der Situation angepasst. Zur Begrüßung geben wir momentan niemandem die Hand. Nachdem Sie Ihren Sitzplatz eingenommen haben, bitten wir Sie, sich die Hände zu waschen. Wenn Sie aus dem Urlaub kommen oder Erkältungssymptome haben, verschieben Sie ihren Restaurantbesuch doch bitte.“

Mehrmals täglich, versichert der Gastronom, desinfiziere man die Speisekarten sowie alles, was Gäste in seinem Lokal anlangen könnten. Mehr könne er nicht tun.

Corona-Woche 2 in Braunschweig. Die Zahl der besorgten Geschäftsleute steigt. In einer City-Filiale nimmt seit Montag kein Verkäufer mehr Bargeld an. Corona-Gefahr! Kunden müssen per Karte zahlen. In der Casparistraße sind seit Montag die Räume der „Katharinen-Apotheke“ nicht für Kunden zugänglich. Hinweisschilder verweisen auf den Notschalter um die Ecke. „Liebe Patienten, um die dauerhafte Versorgung mit Arzneimitteln aufgrund von Covid-19 sicherzustellen, versorgen wir Sie zurzeit über die Notdienstklappe.“ Inhaber Florian Schülin: „Wir stellen Medikamente für Krebspatienten her, sogenannte Zytostatika, für mehrere onkologische Praxen. Deshalb müssen wir aufpassen, dass sich niemand in unseren beiden Teams, die sich wochenweise abwechseln, infiziert.“ Mittwoch werde man einen zweiten Schalter öffnen. Die Kunden reagierten überaus positiv. Ihnen selbst sei die Angst genommen worden, sich hier, wohin kranke Menschen kommen, zu infizieren.

Corona in Braunschweig: Alle Fakten auf einen Blick

Inzwischen haben sich laut Stadtverwaltung acht Personen mit dem neuartigen Virus inzwischen in Braunschweig infiziert, der sich aktuell weltweit pandemisch ausbreitet – und nun auch die Läden und Geschäfte der Stadt erreicht hat. Mit Folgen: Besorgte Geschäftsleute gehen auf Nummer sicher, nur sehr wenige sind es bisher.

Noch sind die allermeisten Läden ohne jegliche Einschränkungen geöffnet. Noch sind die allermeisten Läden ohne jegliche Einschränkungen geöffnet. Doch in den Nordsee-Filialen geht der Schutz von Kunden und Mitarbeitern seit Montag vor. „Wir verkaufen ab sofort nur noch Snacks und Fischbrötchen“, sagt ein Mitarbeiter in den Schloss-Arkaden. Ein Telefonladen am Kohlmarkt bleibt „aufgrund der anhaltenden Corona-Situation“ vorübergehend geschlossen. Folgen bald weitere Geschäfte?

Toilettenpapier geht aus

Supermärkte bleiben offen, das hat am Montag Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) erneut versichert.Doch in der Stadt gehen die Großeinkäufe unvermindert weiter. In vielen Märkten ist kaum noch Toilettenpapier zu haben. Bei Kaufland rollte am Morgen eine Kundin einen schwer beladenen Einkaufswagen wie einen Panzer aus dem Markt. Inhalt: 50 (!) Pakete Mehl. Was Sie mit all dem Mehl vorhabe, erkundigen wir uns. Antwort: Sie habe daheim fünf Kinder zu versorgen. „Die haben Hunger.“

Mirko Büsing, stellvertretender Vorsitzender der Interessengemeinschaft der Innenstadt-Kaufleute (AAI), sagt zur Situation im Einzelhandel: „Wir wissen nicht, was in den nächsten Tagen passieren wird. Wir werden sehen, ob Niedersachsen bei der Schließung von Geschäften nachziehen wird.“

Seit Montag sind die Schulen und die Kitas geschlossen. Fehlen Mitarbeiter, die daheim bleiben, um die Jüngsten zu umsorgen? Da habe sich eine sehr positive und sozialverträgliche Lösung ergeben, sagt Rüsing. Die Mehrzahl der Geschäfte lasse Mitarbeiter, die ihre Kleinkinder daheim nicht betreut kriegen, zu Hause bleiben. Auch Mitarbeitern, die Risikogruppen angehörten, habe man freigestellt, zur Arbeit zu kommen oder nicht. „Andere, die Angst vor einer Ansteckung haben oder eventuell betroffen sind, wurden von ihren Arbeitgebern nach Hause geschickt.“

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