Ein Experte war vor Ort: Wie gut ist das Ringgleis wirklich?

Braunschweig.  Auf Erkundungsfahrt mit Achim Bartoschek, dem Experten für umgebaute Eisenbahntrassen in ganz Deutschland. Für Braunschweig hat er viel Lob übrig.

Achim Bartoscheck am bislang spektakulärsten Teilstück des Ringgleises – dem Abschnitt über dem Kennelgelände.

Achim Bartoscheck am bislang spektakulärsten Teilstück des Ringgleises – dem Abschnitt über dem Kennelgelände.

Foto: Jörn STACHURA

Wenn es um das Ringgleis geht, dann ist man zumindest im Westlichen Ringgebiet überzeugt: Viel besser geht es doch wohl nicht. Das sagen die meisten – doch fast jedem fehlt der Vergleich. Bei Achim Bartoschek ist das anders. Er ist Experte für Fuß- und Radwege, die einst Eisenbahntrassen waren. Wie fällt sein Urteil aus?

Vorweg: Das Ringgleis ist nicht durchgefallen – im Gegenteil. Bartoschek zählt auf seiner Internetseite „Bahntrassenradeln“ das Ringgleis zu den vergleichsweise wenigen Trassen in Deutschland, die er Radfahrern besonders ans Herz legt. Sogar ein Umweg für einen Besuch lohne sich. Das will etwas heißen. Denn bundesweit gibt es mittlerweile 715 umgewandelte Bahntrassen. Gesamtlänge: 5200 Kilometer.

Die Statistik hat Bartoschek selbst erstellt. Das ist das Hobby des promovierten Chemikers und Fahrrad-Enthusiasten. Braunschweig ist für ihn nur Zwischenstation für einige Stunden. Bartoscheks Zeit ist knapp. Während seines Urlaubs will er möglichst viele der Strecken abfahren, über die er auf seiner Internetseite berichtet.

Im November soll ein Arbeitstreffen stattfinden

Es gebe sogar einen konkreten Anlass für die Ringgleis-Tour, erzählt er: Der Bürgerverein Braunschweiger Forum habe ihn als Referenten eingeladen. Denn Anfang November soll beraten werden: Wie geht es mit dem Ringgleis weiter? Schließlich steht im nächsten Jahr der Ringschluss bevor. Weil noch nicht alle Eigentumsfragen geklärt sind, wird es vielfach auf Umleitungsstrecken um Braunschweig herum gehen. Was aber nicht heißt, dass das fertiggestellte Ringgleis tatsächlich wirklich fertig ist. Beleuchtung fehlt zum Beispiel noch vielfach. Bartoschek soll Impulse geben.

Im Jahr 2003 hatte er das bereits einmal getan. Damals kam er erstmals zu Besuch. Sein Urteil: Braunschweig wisse nicht, was es am Ringgleis habe. Einmalig sei das Ringgleis, wenn der Ring einst fertig sei. Daran habe sich in den vergangenen 15 Jahren nichts geändert: „Braunschweig ist weiterhin die einzige Kommune Deutschlands, die mit einem ruhigen Fuß- und Radweg das Stadtgebiet ringförmig umschließen kann.“ Dass zwischenzeitlich dicke Bretter zu bohren waren, weil Rat und Verwaltung andere Prioritäten setzten, hält Bartoschek für normal.

Wassergebundene Decke oder Asphalt?

In seiner Heimatstadt Leverkusen sperrte sich die Politik gegen einen Trassenausbau, weil das angeblich 30 Millionen Euro gekostet hätte: „Am Ende hat ein Bürgerverein den Ausbau selbst finanziert. Die Kosten lagen bei 1,7 Millionen Euro.“ Und so kennt Bartoschek auch die Braunschweiger Endlos-Debatte: Soll man die wassergebundene Decke bestehen lassen? Oder sollte man besser nachträglich alles asphaltieren?

Seine Meinung: „Eine wassergebundene Decke ist nur billiger, wenn man auf die Pflege verzichtet.“ Selbstverständlich hat Bartoschek darüber auch Statistik geführt. Im Bundesdurchschnitt sind heute 65 Prozent der umgenutzten Gleistrassen asphaltiert. Zudem komme es darauf an: Wie will man die Trassen nutzen? Touristisch? Dann setzen Hessen und Rheinland-Pfalz die Maßstäbe ­– dort liege der Asphaltierungsgrad bei 80 Prozent. Und noch eine weitere Frage ist zu klären: Das Ringgleis hat eine Breite von zumeist drei Metern. Reicht das auch in Zukunft? Hans Fechtel, Braunschweiger Forum, berichtet von einer Zählung des Vereins im Mai in Höhe Okerbrücke/Berufsfeuerwehr: Dort wurden insgesamt rund 1600 Radfahrer und 250 Fußgänger gezählt.

„Natürlich fragen wir uns, wie sich die Zahlen verändern, wenn die Baugebiete am Ringgleis fertig werden“, so Fechtel. Die neue Nordstadt, die Noltemeyer-Höfe und das Baugebiet Kälberwiese werden Anschlüsse erhalten. Richtlinien für solche kombinierten Fuß- und Radwege gibt es keine. Praxis sei heute, so Bartoschek: „Außerorts vier Meter Breite. Innerorts vier Meter Breite für Radfahrer plus zwei Meter für Fußgänger.“

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