VW-Gigafactory

Wie der Verkehr in Wolfsburg rund ums Trinity-Werk fließen soll

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In den Veranstaltungen zur Bürgerbeteiligung für die Planung des Trinity-Werks von VW in Warmenau, hier in Kästorf,  spielte die Verkehrsthematik eine große Rolle.

In den Veranstaltungen zur Bürgerbeteiligung für die Planung des Trinity-Werks von VW in Warmenau, hier in Kästorf, spielte die Verkehrsthematik eine große Rolle.

Foto: Helge Landmann / regios24 (Archiv)

Wolfsburg.  Die Verkehrsführung rund um die neue Fabrik von Volkswagen wird eine Herausforderung. Die betroffenen Ortsbürgermeister haben klare Forderungen.

Schnell soll es gehen, sehr schnell: Im Frühjahr 2023 soll die Trinity-Fabrik von VW in Warmenau politisch beschlossen sein, noch im selben Jahr will Volkswagen mit dem Bau des Elektro-Werks starten. Das Ziel: Ab 2026 soll das neue E-Flaggschiff des Autobauers vom Band rollen. In den vier Veranstaltungen zur Bürgerbeteiligung sind viele Aspekte thematisiert worden, es gab auch schon erste Anpassungen der Planung. Eines der heikelsten Themen ist die Verkehrssituation. Was die drei Ortsbürgermeister fordern.

Das sagt Angelika Jahns, CDU, Ortsbürgermeisterin von Brackstedt/Velstove/Warmenau:

„Insbesondere für unseren Ortsteil Warmenau bedeutet der Bau des Trinity-Werkes einen immensen Einschnitt in das Umfeld und schränkt massiv die Lebensqualität ein“, konstatiert CDU-Ortsbürgermeisterin Angelika Jahns. Aber auch die Lärm- und Geräuschentwicklungen spielten eine große Rolle, auch für Brackstedt.

Die Warmenauer hätten sich stets zu Volkswagen bekannt und durch Planungsentwicklung erheblich zur Standortsicherung und zur Schaffung neuer Arbeitsplätze durch Zuliefererbetriebe in den Warmenauer Gewerbegebieten beigetragen. Das gelte jetzt natürlich auch für das neue Trinity-Werk.

Aber die Bürgerschaft habe Befürchtungen, dass der naturnahe Bereich nicht mehr begehbar sein könnte. Darüber hinaus müssten die Zufahrten und Anbindungen an das vorhandene Werksgelände, durch die Bahn und durch Zuliefererverkehr, an die Bundesstraße 188, die Autobahn 39, die Kreisstraße 46 und an die Kreisstraße 31 mit besonderem Augenmerk und unter Beachtung der verschiedenen Gutachten geplant werden.

„Für Warmenau ist besonders wichtig, dass die Verkehrsführung so weit wie möglich aus dem Ort herausgehalten und an der B 188 entlang des jetzigen Gebietes Birnbaumstücke geführt wird“, stellt Jahns klar. „Die erste Planung mit Verlegung der K 31 ist nicht auf große Gegenliebe gestoßen.“

Des Weiteren müssen die Wegebeziehungen zwischen Kästorf und Warmenau, also der Gemeindeverbindungsweg an den Crojewiesen, die Hannoversche Straße für den ÖPNV sowie den normalen Straßenverkehr erhalten bleiben.

Aber auch der Radweg nach Kästorf müsse fertiggestellt werden. Ein neuer Radweg entlang der K 31 nach Brackstedt sowie in Richtung Kreuzheide müssten geschaffen werden. Die Nutzung der Feldwege zum Strauberg und zum Osterfeuerplatz in der Nähe des Supplierparks müssten zugesichert werden.

Die Bürger hätten gezeigt, dass sie die wirtschaftliche Entwicklung von Volkswagen mittragen. Jahns: „Andererseits erwarten wir auch Rücksicht auf unsere Interessen. Man muss uns auch ein bisschen Luft zum Atmen lassen.“ Zum Beispiel im Bereich der Allerrenaturierung.

Das sagt Francescantonio Garippo, SPD, Ortsbürgermeister von Kästorf/Sandkamp:

„Zunächst einmal möchte ich betonen, dass ich als Ortsbürgermeister das Projekt Trinity in keinster Weise in Frage stelle“, betont Francescantonio Garippo (SPD) aus Kästorf. Es sei wichtig für die Zukunftsfähigkeit von VW und von Wolfsburg.

„Klar ist aber auch: Durch die neue Fabrik verlagern sich die Verkehrsströme in den nördlichen Bereich der Stadt.“ Doch seit 25 Jahren habe sich die Infrastruktur kaum verändert. Garippo: „Seit mehreren Jahren fordere ich bereits ein Gesamtverkehrskonzept. Mit Trinity muss uns nun ein großer Wurf gelingen, um die Verkehrssituation entscheidend zu verbessern.“

„Wir können nicht wie in der Vergangenheit erst bauen und anschließend Flickschusterei betreiben“, mahnt der Ortsbürgermeister. Und meint damit auch, dass der vierspurige Ausbau der Bundesstraße 188 parallel geplant werden müsse. Er sei nicht bereit, das Argument zu akzeptieren, es sei kein Geld da. „Das Projekt Trinity geht nämlich über die Interessen der Stadt Wolfsburg hinaus. Deshalb müssen wir nach einer Ideallösung suchen und diese konsequent verfolgen.“

Garippo erinnert an seine ganz konkrete Forderung einer Kleeblatt-Lösung für die Anbindung der K 46 an die B 188. „Das ist nicht billig – aber bei so einem Projekt können wir keine billigen Lösungen machen.“ Wichtig sei, einen fließenden Verkehr zu garantieren, damit die Autofahrer nicht über die anliegenden Dörfer ausweichen. Denn schon jetzt gebe es mehrere tausend Menschen, die im Warmenauer Gewerbegebiet Birnbaumstücke arbeiten.

Genau anschauen werde man sich auch das Verbindungsbauwerk zwischen altem und neuem Werk. Garippo berichtet, dass es in einer früheren internen Sitzung der Stadt mit anderen Beteiligten allen Ernstes Überlegungen gegeben habe, die neue Auffahrt auf die B 188 in Warmenau in Richtung Osten wieder dichtzumachen, damit es mit der Unterführung der Verbindungstrasse zum Trinity-Werk passt. „Aber diese Auffahrt muss auf jeden Fall erhalten werden.“

Der Ortsbürgermeister von Kästorf geht sogar noch weiter: „Vielleicht wäre für das Verbindungsbauwerk sogar ein kompletter Tunnel unter der Aller hindurch eben nicht eine Nummer zu groß.“

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Das sagt Immacolata Glosemeyer, SPD, Ortsbürgermeisterin der Nordstadt:

Für die SPD-Ortsbürgermeisterin der Nordstadt stellt das Trinity-Werk einen wichtigen Schritt zur Sicherung der Arbeitsplätze dar. Dabei dürfe man jedoch nicht die Menschen in direkter Nähe vergessen. Immacolata Glosemeyer: „Mit dem Trinity-Werk wird oft die Sorge um eine Minderung der Lebensqualität verbunden.“ Es sei daher wichtig, dass die Menschen aus den betroffenen Stadt- und Ortsteilen direkt in den Planungsprozess einbezogen werden.

„Ein oft angesprochener Punkt bei den Beteiligungsveranstaltungen und Gesprächen vor Ort ist die Verkehrsanbindung“, erklärt Glosemeyer. Die Menschen hätten Bedenken, dass der Verkehr zunimmt, da das Parkhaus des Trinity-Werks direkt am Knotenpunkt der Kreisstraße 46 liegen soll. „Diese Bedenken teile ich und verweise darauf, dass die Problematik bereits jetzt ein Dauerthema im Ortsrat der Nordstadt ist.“

Die Planungen bezüglich der Frage, ob an der Einmündung der Hubertusstraße in die K 46 ein Kreisel oder eine Ampel gebaut werden soll, seien auf Eis gelegt worden, weil der Verkehr durch die Pandemie zurückging und man die Entwicklung abwarten wollte. Jetzt gebe es aber eine neue Situation.

Und da sieht Glosemeyer mit der Bürgerbeteiligung die Chance, das Problem wieder anzugehen und sogar neu zu planen. „Das heißt, dass auch ein Rückbau der Straße in eine verkehrsberuhigte Zone oder gar die komplette Schließung der Hubertusstraße für den Durchgangsverkehr möglich wäre.“ Dem Durchgangsverkehr müsse es so schwer wie möglich gemacht werden.

Um die Lebensqualität zu sichern und Anwohner zu schützen, sei die Stadtverwaltung zu umfangreichen Gutachten verpflichtet: Bereits in dieser frühen Phase seien diese Gutachten als Schutzmaßnahmen geplant, „welche auf strengen Regelungen und Vorgaben basieren.“

In Bezug auf den vierspurigen Ausbau der Bundesstraße, der bereits in der Planung, allerdings bisher nicht mit höchster Priorität eingestuft ist, fordert die Nordstadt-Ortsbürgermeisterin, die auch Landtagsabgeordnete ist: „Ich erwarte, dass die Priorität der B 188 im Bundesverkehrswegeplan hochgestuft wird. Anders kann es nicht gehen.“

Öffentliche Veranstaltung zur Trinity-Planung

Die nächste öffentliche Veranstaltung zur Trinity-Planung gibt es am Mittwoch, 31. August, von 18 bis 21 Uhr im Congress-Park. Dann will die Stadt die überarbeitete Planung inklusive der gesammelten Anregungen und Einwände vorstellen.

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