Berlin. Neue Heizungen müssen künftig mit grüner Energie betrieben werden. Wird die Wärmepumpe ihrer Rolle als nachhaltige Alternative gerecht?

Im Bemühen um ein klimafreundliches Wohnen verzichtet die Ampel-Koalition auf die ursprünglich geplante Austauschpflicht für alte Öl- und Gasheizungen. Gehen alte Heizungen nach 2024 kaputt, gibt es kurze Übergangsfristen von drei Jahren. Die 65-Prozent-Regel für den Einbau neuer Heizungen mit erneuerbaren Energien bleibt aber bestehen, ausgenommen sind nur Hausbesitzer, die älter als 80 Jahre sind.

Damit ist der Weg frei für die Wärmepumpe, die als besonders nachhaltiges Heizsystem gilt. Doch wie nachhaltig ist sie wirklich und welche Risiken ergeben sich für die Verbraucherinnen und Verbraucher?

Wärmepumpe und Heizungen im Vergleich: So viel CO2-Emissionen werden eingespart

Im Vergleich zu Öl- und Gasheizungen haben Wärmepumpen eine deutlich bessere CO2-Bilanz. Denn sie benötigen weniger fossile Brennstoffe und beziehen stattdessen rund drei Viertel der Heizenergie aus der Umwelt. Die häufigsten Wärmequellen sind Luft, Erdreich und Grundwasser. Um die kostenlose Umweltwärme nutzbar zu machen, benötigen Wärmepumpen nur etwas Strom für den Antrieb und die Pumpe.

Damit spart eine Wärmepumpe im Vergleich zu einer fossilen Heizung durchschnittlich 2620 kg CO2 pro Jahr ein. Über eine Lebensdauer von 20 Jahren werden so gut 52 Tonnen CO2 weniger ausgestoßen.

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Energieeffizienz von Wärmepumpen: Welcher Wärmepumpen-Typ ist die effizienteste?

Die Energieeffizienz von Wärmepumpen ist ebenfalls von großer Bedeutung. Moderne Geräte zeichnen sich durch einen hohen Wirkungsgrad aus und können so den Energieverbrauch senken.

Unter den verschiedenen Arten von Wärmepumpen gilt die Grundwasserwärmepumpe als die effizienteste. Mit einer Jahresarbeitszahl von etwa 5 liegt sie an der Spitze. Ist die Nutzung von Grundwasser aufgrund von Vorschriften nicht möglich, ist die Erdwärmepumpe eine empfehlenswerte Alternative. Besonders die Variante mit Erdsonden erreicht eine hohe Effizienz: Die Jahresarbeitszahl liegt hier bei 4 bis 4,5. Die Luft-Wasser-Wärmepumpe ist dagegen die am wenigsten effiziente Variante. Die Jahresarbeitszahl liegt hier nur bei etwa 3.

Art der WärmepumpeJahresarbeitszahlBemerkungen
GrundwasserwärmepumpeEtwa 5Gilt als die effizienteste Art von Wärmepumpe
Erdwärmepumpe (mit Erdsonden)4 bis 4,5Empfehlenswerte Alternative, wenn die Nutzung von Grundwasser nicht möglich ist
Luft-Wasser-WärmepumpeEtwa 3Die am wenigsten effiziente Variante

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Wärmepumpen: Warum sie trotz Stromnutzung als erneuerbare Energiequelle gelten

Der Strombedarf von Wärmepumpen darf nicht unterschätzt werden, wenn es um die Umweltbilanz von Heizsystemen geht. Im Gegensatz zu Gasheizungen emittieren Elektroheizungen, die eine Kilowattstunde Strom in eine Kilowattstunde Wärme umwandeln, mehr CO2, da der Wirkungsgrad bei der Stromerzeugung geringer ist als bei der Erdgas- oder Erdölförderung. Hinzu kommt, dass derzeit nur 46 Prozent des Stromverbrauchs aus erneuerbaren Energiequellen gedeckt werden können.

Dennoch ist die Wärmepumpe umweltfreundlicher als eine Öl- oder Gasheizung, da sie aus einer Kilowattstunde Strom bis zu vier Kilowattstunden Wärme erzeugen kann. Und da der Anteil erneuerbarer Energien im Stromnetz voraussichtlich weiter steigen wird, ist die Wärmepumpe das einzige Heizsystem, das mit der Zeit immer umweltfreundlicher wird.

So funktionieren Wärmepumpen

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    Um den ökologischen Fußabdruck weiter zu verkleinern, können Wärmepumpen sinnvoll mit Photovoltaikanlagen auf dem Dach kombiniert werden. Solche Anlagen liefern bereits heute 100 Prozent erneuerbaren Strom und können so dazu beitragen, die Abhängigkeit von nicht erneuerbaren Energiequellen zu reduzieren.

    Ressourcen und Kältemittel in Wärmepumpen: Was für Stoffe gefährden die Umwelt?

    Wärmepumpen sind eine umweltfreundliche Heizalternative, die aus verschiedenen Komponenten wie dem Kompressor, dem Wärmetauscher und dem Kältemittel besteht. Für die Herstellung dieser Komponenten werden jedoch Rohstoffe wie Metalle und Kunststoffe benötigt.

    Ein noch größeres Problem stellt das Kältemittel in Wärmepumpen dar. Trotz des hermetischen Kreislaufs, in dem sich das Kältemittel in Wärmepumpen befinden sollte, entstehen bei der Herstellung und vor allem bei der Entsorgung häufig gefährliche per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS). Diese als "Jahrhundertgifte" bekannten Chemikalien können in die Umwelt gelangen und dort vermutlich für immer verbleiben.

    Trotz der Gefahr, die von PFAS ausgeht, sieht der Bundesverband Wärmepumpen (BWP) ein Verbot kritisch. Geschäftsführer Martin Sabel betonte im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung, dass die Wärmepumpe "eine herausragende Rolle" bei der Abkehr von fossilen Energieträgern spiele. Und strengere Regelungen die wichtigen europäischen Klimaziele gefährden und die dringend notwendige schnelle Dekarbonisierung des Gebäudesektors verhindern oder zumindest deutlich verlangsamen würden.

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    Mehr dazu: Umwelt-Bundesamt-Chef: "Wärmepumpen sind kein Allheilmittel"

    Lärm von Wärmepumpen: Wie laut die Anlagen sein können – und was man tun kann

    Für enge Bebauungssituationen sind Wärmepumpen oft zu laut. Insbesondere Luft-Wasser-Wärmepumpen können im Außenbereich störend wirken. Bei Luftwärmepumpen sind die Hauptlärmquellen der Ventilator, der die Außenluft ansaugt, der Kompressor, die Rohrleitungen, die Luftkanäle und die schwingenden Verkleidungen.

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    Es gibt Geräte für die Aufstellung im Freien oder in Gebäuden. Bei vergleichbaren Wärmepumpen werden Geräte im Innenbereich tendenziell als leiser empfunden als Geräte im Freien. Bei der Installation im Haus ist zusätzlich darauf zu achten, dass der Körperschall nicht durch die Montage auf Schallbrücken wie Stahlträger oder Betondecken übertragen wird. Eine Möglichkeit, den Körperschall zu reduzieren, ist die Montage der Geräte auf Gummipuffern oder Federlagern.

    Auch die Auswahl eines leisen Gerätes kann zur Lärmminderung beitragen. In den technischen Datenblättern der Geräte finden sich unter dem Stichwort "Schallleistungspegel" Angaben zur Geräuschentwicklung. Die auf dem Markt erhältlichen Geräte unterscheiden sich stark in ihrer Geräuschemission. Ein leises Gerät hat einen Schallleistungspegel von maximal 50 Dezibel. In den technischen Daten wird diese Geräteeigenschaft durch den LWA-Wert angegeben, zum Beispiel "LWA = 50 dB(A)". Fehlt diese Angabe in den Unterlagen, sollte die Installationsfirma oder der Hersteller der Wärmepumpe kontaktiert und um Auskunft gebeten werden.

    Fazit zur Wärmepumpe: Anlagen sind eine Alternative – doch ein paar Dinge müssen beachtet werden

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    Insgesamt stellen Wärmepumpen im Vergleich zu konventionellen Heizsystemen eine umweltfreundlichere und nachhaltigere Alternative dar. Bei Planung, Installation und Betrieb müssen jedoch ökologische Aspekte wie CO2-Emissionen, Energieeffizienz, Nutzung erneuerbarer Energien, Ressourcenverbrauch, Entsorgung und Lärmbelastung berücksichtigt werden, um die Auswirkungen auf Umwelt und Anwohner zu minimieren.