Berlin. Die Heizkosten auf wenige Euro im Monat senken – mit einer Eisspeicher-Heizung soll das möglich sein. Wie die Technik funktioniert.

Deutschland soll bis 2045 klimaneutral sein – darin ist sich die Ampel-Koalition einig. Eine tragende Säule in der Energiewende ist die Wärmewende. Also der Umstieg von fossilen Heizungen auf klimafreundliche Energieträger wie die Wärmepumpe oder Biomasse. Allen voran die Grünen unter Wirtschafts- sowie Klimaschutzminister Robert Habeck setzen im geplanten Heizungsgesetz auf die Wärmepumpe als Alternative zur Gas- oder Ölheizung. Die Liberalen pochen auf Technologieoffenheit – wie die Gasheizung in Kombination mit Biomasse.

Heizung mit Eisspeicher: Effizient und vielseitig – so funktioniert die Technik

Fest steht: Die in Deutschland meistverkaufte Luft-Wasser-Wärmepumpe ist für Verbraucher nicht die einzige Option. Auch die Pelletheizung oder die Nah- und Fernwärme können eine Alternative zu fossilen Heizungen sein. Hier reiht sich auch die Eisheizung ein – eine in der Wärmewende noch vergleichsweise unbekannte Option. Im Kern geht es um einen Eisspeicher – hier entsteht über den Wechsel des Aggregatzustands von Wasser zu Eis Energie. Diese macht man sich mithilfe einer Wärmepumpe zunutze.

Eisspeicher-Heizungen können im Optimalbetrieb die Heizkosten auf wenige Euro pro Monat senken, berichten unter anderem das Online-Portal "efahrer.com" von CHIP und Fokus Online. Zudem kann man im Sommer über das Heizsystem die Räume kühlen. Der Eisspeicher wird als äußert effizient bezeichnet . Denn die Menge an Energie – die ein typischer Eisspeicher im Gefrierprozess freisetzt – entsprecht der Energiemenge von 120 Litern Heizöl. Zur besseren Einordnung: Ein nach 1977 gebautes Haus mit 150 Quadratmetern benötigt pro Jahr rund 1.500 Liter Heizöl.

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Funktion einer Eisspeicher-Heizung: Heizen und kühlen – was in der Zisterne passiert

Doch wie funktioniert eine Eisspeicher-Heizung genau? Und welche einzelnen Komponenten werden benötigt? Im Mittelpunkt dieses Systems stehen neben einem Eisspeicher eine Wärmepumpe sowie ein gekoppelter Solar-Luft-Absorber. Der Eisspeicher selbst ist eine nicht isolierten Zisterne – diese wird mit Regenwasser aufgefüllt und in die Erde gesetzt. Im Inneren der Zisterne sind Kunststoffrohre verlegt – diese sind wiederum mit der Wärmepumpe verbunden. Das Funktionsprinzip ist vergleichbar mit einer Grundwasser- oder Erdwärmepumpe.

Die Wärmepumpe entzieht ihrem jeweiligen Wärmeträger – hier dem Wasser in der Zisterne – die Wärme. Über den Warmwasserspeicher wird das Haus mit der nötigen Energie für das Heizen und die Warmwasseraufbereitung versorgt. Das Wasser in der Zisterne wird über die Erdwärme sowie über den Solar-Luft-Absorber mit neuer Wärmeenergie versorgt. Kurz vor Ende der Heizperiode versiegt diese Energiezufuhr – die Folge: Das Wasser gefriert. Denn die Wärmepumpe entzieht weiter Wärme.

Eisheizung nutzt natürlichen Prozess: Energie über Umwandlung von Wasser zu Eis

Die Eiskristalle um die Kunststoffrohre im Inneren der Zisterne geben die latente Kristallisationsenergie an das Wasser ab. Als Kristallisationsenergie wird der Prozess der Aggregation bezeichnet. "Wird 0 Grad kaltes Wasser zu Eis, entsteht beim Übergang die gleiche Menge Energie, wie wenn man rund 80 Grad heißes Wasser auf 0 Grad abkühlt", beschreiben es auf Eis-Heizungen spezialisierte Unternehmen. Dazu zählen in Deutschland bekannte Namen wie die Viessmann-Gruppe.

Das entstandene Eis wird über die Sommermonate für die Kühlung genutzt. Die Warmwasseraufbereitung übernimmt in dieser Zeit der Solar-Luft-Absorber. Vor Beginn der Heizsaison wird die Zisterne mit Wärme vom Absorber und der Erde gespeist und auf diese Weise wieder mit Wärme angereichert. Ein Solar-Luft-Absorber wird – wie auch Photovoltaik – auf einer Dachfläche installiert. Wie eine Wärmepumpe entzieht der Absorber der Umwelt Energie. Die Energie vom Absorber wird immer vorrangig genutzt – reicht diese nicht aus, wird der Zisterne Energie entzogen.

Die Kunststoffrohre in der Zisterne erfüllen eine wichtige Funktion. Sie sind mit einer Wärmepumpe verbunden, diese entzieht dem Wasser die Wärme. Im Sommer bilden sich Eiskristalle an den Rohren, die wiederum für die Kühlung genutzt werden.
Die Kunststoffrohre in der Zisterne erfüllen eine wichtige Funktion. Sie sind mit einer Wärmepumpe verbunden, diese entzieht dem Wasser die Wärme. Im Sommer bilden sich Eiskristalle an den Rohren, die wiederum für die Kühlung genutzt werden. © IMAGO/Ulmer

Wirtschaftlichkeit einer Heizung mit Eisspeicher: So viel Förderung gibt es vom Staat

Solar-Luft-Absorber können zusätzlich mit einer Solaranlage kombiniert werden. Die Solarmodule werden dabei oberhalb der Rohre des Solar-Luft-Absorbers installiert und tragen zusätzlich zur Kühlung der Anlage bei. Der erzeugte Strom kann im Haus genutzt oder in das öffentliche Netz eingespeist werden. Die Kombination aus Solar-Luft-Absorber und Photovoltaikanlage ist sinnvoll – zumal für die Installation des Absorbers ohnehin am Dach gebaut werden muss. Der Solartechnik ergänzt sich zudem gut mit der Wärmepumpe.

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Stellt sich noch die Frage nach der Wirtschaftlichkeit der Heizung mit Eisspeicher. Der Vorteil gegenüber klassischen Gas- und Ölheizungen: Die einzelnen Komponenten des Heizsystems werden vom Staat bezuschusst. Die Förderungen für eine neue Heizung 2023 umfassen Einzelförderungen für eine bestimmte Heizung sowie zinsgünstige Kredite der Förderbank KfW. Die Wärmepumpe wird etwa mit bis zu 40 Prozent bezuschusst. Auch für Solaranlagen gibt es einen Zuschuss über die Einspeisevergütung.

Bezeichnung der FörderungZuschuss in Prozent
Grundförderung ("Basis-Zuschuss")30
Geschwindigkeitsbonus20 (ab 2024 – sinkt über die Jahre)
Bonus für WP mit natürlichem Kältemittel5
Bonus für Haushalte mit Einkommen unter 40.000 Euro30

In Summe sind theoretisch 85 Prozent Förderung möglich. Der Gesetzgeber hat die maximal Fördersumme aber auf 70 Prozent gedeckelt. Die maximale Fördersumme liegt bei 30.000 Euro. Bei 70 Prozent Deckelung ist somit maximal ein Zuschuss von 21.000 Euro möglich.

Eine Eisspeicher-Heizung kaufen – diese Kosten kommen auf einen Hausbesitzer zu

Lediglich der Eisspeicher an sich wird noch nicht gefördert. Jedoch plant die Ampel-Koalition schon an einem neuen Förderkonzept ab 2024 – möglich, dass hier auch neue Systeme wie Biomethan oder eben der Eisspeicher bedacht werden. Kombiniert mit der Kreditförderung und steuerlichen Anreizen, kann man von einer soliden Förderbasis profitieren. Doch mit wie viel Geld muss für die Anschaffung der einzelnen Komponenten kalkuliert werden. Berichten von "efahrer.com" zufolge kann mit folgenden groben Richtwerten kalkuliert werden:

KomponenteKosten
Zisterne5000 bis 6000 Euro
Einlassen in den Boden + Kollektorenrund 10.000 Euro
Sole-Wasser-Wärmepumpe inkl. Installation8000 bis 12.000 Euro
Summe23.000 bis 28.000 Euro

Zum Vergleich: Die Kosten für eine einzelne Wärmepumpe können sich ebenfalls in dieser Größenordnung bewegen. Vergleichbar mit der Eisspeicher-Heizung ist die Grundwasser- oder Erdwärmepumpe. Für diese Varianten bezahlen Hausbesitzer neben den Kosten für das Gerät (12.000 bis 15.000 Euro) zusätzlich noch die Erschließung der Wärmequelle. Je nach Bodenbeschaffenheit und Bohrtiefe fallen zusätzlich noch einmal Kosten von rund 10.000 Euro an. Bei grundsätzlich allen Wärmepumpen amortisieren sich die Kosten über die Zeit.

Eisspeicher-Heizung mit Photovoltaik nutzen und Amortisierung der Kosten antreiben

Auch Eisspeicher-Heizungen finanzieren sich über die Jahre über die eingesparten Energiekosten – in Kombination mit einer Solaranlage kann man diese Entwicklung sogar noch beschleunigen. Nino: Jedoch ist zuvor ein Beratungsgespräch ratsam.. Ein Experte – etwa ein Energieberater – kann die Gegebenheiten vor Ort besser einschätzen und eine individuelle Empfehlung aussprechen. In individuellen Fall kann ein anderes Heizsystem wirtschaftlicher sein.

Gerade in schlecht gedämmten Altbauten mit kleinen Heizkörpern warnen Fachleute vor der Nutzung einer monovalenten Wärmepumpe. Ein essenzieller Begriff in diesem Zusammenhang ist die Vorlauftemperatur. Was die Vorlauftemperatur bedeutet und warum die Zahl so wichtig ist – dieser Frage gehen wir in einem separaten Beitrag zum Thema Wärmepumpe im Altbau nach. Fest steht: Ein Heizsystem mit einem Eisspeicher kann eine Alternative zur monovalenten Wärmepumpe sein.

Neue Heizung kaufen: Wärmepumpe oder nicht? Auf diese Faktoren sollten Sie achten

Wie bei allen Technologien sollte man jedoch die Wirtschaftlichkeit individuell prüfen. In Neubauten etwa kann eine klassische Luft-Wasser-Wärmepumpe im monovalenten Betrieb schon gute Ergebnisse erzielen. Umgekehrt kann in schlecht isolierten Altbauten mit kleinen Heizkörpern eine Pelletheizung oder ein hybrides Heizsystem aus Wärmepumpe und Gas- oder Ölheizung die bessere Alternative sein. In jedem Fall sollten sich Hausbesitzer gut beraten lassen und sich genügend Zeit für die Entscheidung einplanen.

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