Braunschweiger Jallow: „Es geht doch auch um uns Spieler“

Braunschweig.  Was Fußball- und Basketball-Profis wie Karim Jallow an der Informationspolitik ihrer Liga stört und bei Eintracht und den Löwen wohl besser lief.

Braunschweigs Nationalspieler Karim Jallow hat zusammen mit vielen anderen BBL-Profis einen Brief mit Fragen an die Liga geschickt. Wie die Fußball-Kollegen fühlen sie sich zu wenig eingebunden.

Braunschweigs Nationalspieler Karim Jallow hat zusammen mit vielen anderen BBL-Profis einen Brief mit Fragen an die Liga geschickt. Wie die Fußball-Kollegen fühlen sie sich zu wenig eingebunden.

Foto: Florian Kleinschmidt / Florian Kleinschmidt/BestPixels.de

Ihre Stimmen werden immer lauter, ob im Fußball oder im Basketball. Dort, wo die Profi-Ligen ihren Spielbetrieb nach der Corona-Zwangspause so schnell wie möglich wieder aufnehmen wollen, sind nicht nur die zahlreichen Beifallsbekundungen der Akteure zu hören. Immer mehr Profis beklagen inzwischen öffentlich, dass sie nicht ausreichend in die Pläne eingeweiht waren, nicht zumindest angehört oder in ihren Bedenken ernst genommen werden.

„Es ist für mich ein Durchdrücken ohne Rücksicht auf Verluste“, kritisierte beispielsweise Mittelfeldspieler Marc Lorenz vom Karlsruher SC im Gespräch mit den „Badischen Neuesten Nachrichten“ die Deutsche Fußball Liga mit am schärfsten. Weniger Corona-Ängste stehen bei der Kritik der Athleten im Vordergrund, eher die unangenehmen Quarantäne-Bedingungen und besonders die kurze Vorbereitungszeit auf die restlichen Spiele, verbunden mit der Sorge vor Verletzungen. Den Plänen der DFL fehlten „die Vorbereitung und das Gespür für die Gesundheit der Spieler“, schimpft Lorenz. „Ich glaube, da wird gar nicht darauf geachtet.“

Solche Vorwürfe weist Marco Pesic, Geschäftsführer des deutschen Meisters Bayern München, für die Basketball-Liga zurück. Der Ex-Nationalspieler versprach, dass kein Profi beim geplanten Play-off-Turnier von zehn Teams einem erhöhten Verletzungsrisiko ausgesetzt werde: „Da kann man sich schon auf uns verlassen. Wir haben das wohl überlegt, wir haben noch genug Zeit“, sagte er im ZDF-Sportstudio. Doch auch im Kreis der Korbjäger mehrten sich zuletzt Widerstände, die Nationalspieler Danilo Barthel aus München und Niels Giffey aus Berlin beklagten unter anderem ein Informations- und Mitsprachedefizit.

Brief der Profis an die Basketball-Liga

„Klar ist das alles Business, und die Klubs müssen gucken, dass sie ihr Geld zusammenkriegen“, sagt auch Braunschweigs Nationalspieler Karim Jallow. „Ich verstehe die Liga, aber es geht doch auch um uns Spieler, ohne uns passiert nichts.“ Er spreche mit diesen Worten sicherlich für alle, sagt der Löwen-Profi und will sie keinesfalls als Angriff auf die Liga-Verantwortlichen verstanden wissen. „Es ist nur dieses Gefühl des Ungewissen. Man weiß als Spieler nicht, was die da oben sich vorstellen“, verdeutlicht der 23-Jährige die Gefühlslage, „und man versteht nicht, warum das gleich der Politik vorgelegt und nicht erstmal uns Spielern erklärt wird.“

Jallow zählt zu einem größeren Kreis von BBL-Profis aus allen Vereinen, die ihre offen Fragen in einem Brief an die Liga formuliert hatten. Liga-Boss Stefan Holz sagte, er nehme die Zweifel und Äußerungen der Basketballer sehr ernst; verstehe sie als „eine Art Hilferuf“ und versprach für Montag die geforderten Erläuterungen im Detail.

„Sobald das Konzept den Spielern im Detail erklärt wird, werden viele Fragen beantwortet sein, viele Sachen werden relativiert sein“, versicherte Pesic. „Die Liga hat gut reagiert“, sagt auch Jallow versöhnlich. „Wenn die Informationen kommen und schlüssig sind, sind wir zufrieden.“ Schließlich habe der Diskussionskreis der BBL-Spieler nicht den Anspruch, eine Art Spielergewerkschaft zu sein, es gehe derzeit nur um die aktuelle Lage.

Fußballer-Gewerkschaft widerspricht Subotic

Die Fußballer allerdings haben eine Spielergewerkschaft, die VDV. Und so widersprach deren Geschäftsführer Ulf Baranowsky auch der Beschwerde von Profi Neven Subotic. Der Abwehrspieler von Union Berlin hatte beklagt, es habe wohl keinen Einfluss von Spielern oder einer sie vertretenden Instanz auf die DFL-Entscheidungen gegeben. „Wir haben mit sehr vielen Spielern ausführlich über die Situation gesprochen, auch mit Neven“, sagte Baranosky im „Sportbuzzer“-Interview. Durch die Weitergabe der Spielerinteressen an die Vereine, Verbände und Behörden sei „es gelungen, den Spielern eine monatelange Dauerisolation in Quarantänelagern zu ersparen.“

Die Kritik der Spieler an mangelnder Einbindung in die Geschehnisse sei allerdings berechtigt, sagte Baranowsky. Gerade in schwierigen Phasen müssen Spieler besser eingebunden werden, um gute Lösungen für alle zu finden.“

Arbeitsrechtler: Kein Mitspracherecht

Das sei zumindest sinnvoll, „weil man ja auch motivierte Mitarbeiter haben will“, sagte Arbeitsrechtler Martin Schimke dem Deutschlandfunk. Rein juristisch betrachtet, habe ein Athlet aber kein Mitspracherecht, wenn der Arbeitgeber bei vorhandenem Hygienekonzept die Rückkehr zur Arbeit fordere, inklusive einer mehrwöchigen Quarantäne, betonte Schimke. Der Arbeitgeber habe allerdings eine erhöhte Fürsorgepflicht und müsse das Infektionsrisiko so gut wie möglich ausschließen, erklärte der ehemalige Sportfunktionär, Basketballspieler und CAS-Richter. Ansonsten könne ein Spieler die Arbeitsleistung verweigern und verliere dadurch seinen Vergütungsanspruch nicht.

Vollmann: „Die Leute wollen ihren Beruf ausüben“

Letztlich sind aber nicht die Ligaverbände die ersten Ansprechpartner der Profis, sondern ihre Vereine. Dass man auch dort gute Aufklärungsarbeit leisten kann, zeigen die Beispiele aus Braunschweig. Die Basketballer um Jallow und Kapitän Thomas Klepeisz hatten ihren Geschäftsführer Sebastian Schmidt ausdrücklich gelobt, weil er ihre Meinung erfragt und dann auch öffentlich entsprechend argumentiert habe.

Und bei Eintrachts Drittliga-Fußballern berichtet Sportdirektor Peter Vollmann von mehreren Informationsrunden. Er habe von keinem Spieler gehört, dass er nicht spielen wolle, sagte Vollmann. „Die Leute wollen doch, wie bei jedem anderen Unternehmen auch, ihren Beruf wieder ausüben und Geld verdienen.“ Und die Umsetzung der Hygienemaßnahmen funktioniere ja ohnehin nur, „wenn alle hundertprozentig mitziehen.“

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