Basketball Löwen haben schon fünf Profis unter Vertrag

Braunschweig.  Bei der Saisonplanung im Corona-Nebel fehlt den Braunschweiger Verantwortlichen die finanzielle Gewissheit. Die Verträge können zum Problem werden.

Ihre Verträge laufen weiter: Lukas Wank und Nationalspieler Karim Jallow planen auch mit einer weiteren Saison in Braunschweig, wie sie betonen.

Ihre Verträge laufen weiter: Lukas Wank und Nationalspieler Karim Jallow planen auch mit einer weiteren Saison in Braunschweig, wie sie betonen.

Foto: Daniel Reinelt / Archiv

Wie plant man seriös, wenn alles ungewiss ist? Geschäftsführer Sebastian Schmidt steht nach dem vorzeitigen Saisonende der Braunschweiger Basketballer vor dieser Herausforderung. Bei der Abwicklung des Geschäftsjahres belastet die Löwen ein mittleres sechsstelliges Etatloch, weil sieben der 16 Heimspiele coronabedingt ausgefallen sind – und es könnte sich noch vergrößern. Und bei der Planung der neuen Saison sind bereits fünf Spielerverträge zu berücksichtigen, die aber eventuell überhaupt nicht mehr marktgerecht dotiert sind. Zu allem kommt: Wann es weitergeht, und wann wieder mit Zuschauereinnahmen gerechnet werden kann, ist völlig unklar.

Rund 400.000 Euro fehlen den Löwen laut Schmidt aktuell durch den Saisonabbruch, also ungefähr zehn Prozent des Etats. Es sind die geschätzten Spieltags-Einnahmen aus den sieben Heimspielen. Und dabei ist wohl schon gegengerechnet, dass auch die Kosten für den Spielbetrieb entfielen und die Gehälter für die Profis wurden durch Kurzarbeit und Vertragsauflösungen erheblich reduziert wurden.

Auch Braunschweig profitiert vom BBL-Turnier

Das aktuelle Minus vergrößern könnten Rückforderungen von Sponsoren und Fans. Rund 300 Käufer von Dauerkarten oder Spieltagstickets hätten allerdings bereits auf eine Rückerstattung verzichtet, berichtet Schmidt dankbar und hofft, dass es noch mehr werden.

In Sachen Liquidität setzen alle Standorte darauf, bei der Zahlung der Beiträge für die Berufsgenossenschaft Zeit gewinnen zu können. Normalerweise muss diese Summe im Mai rückwirkend fürs Jahr bezahlt werden, verdeutlicht der Löwen-Geschäftsführer. „Und die liegt im höheren sechsstelligen Bereich, das sind acht Prozent unseres Etats.“ Gemeinsam mit den anderen Ballsport-Ligen kämpft die BBL jedoch derzeit darum, dass die Beiträge gestundet und erst im Sommer 2021 fällig werden.

Wichtig für die Kassenlage bei allen Erstligisten ist auch, ob das geplante Play-off-Turnier von zehn Mannschaften zum Saisonabschluss im Juni stattfinden kann. Auf der eigenen Vereins-Homepage hat Stefan Niemeyer, Klubchef von Rasta Vechta, die Zusammenhänge verdeutlicht: Die BBL-Sponsoren müssten von den Klubs bedient werden. „Da geht es um richtig viel Geld“, sagte er und begründete damit, warum sein Standort bei der Saisonfortsetzung entgegen der ursprünglichen Absicht doch mitmacht. Neue Informationen über der Höhe möglicher Rückforderungen und eventuelle Sonderkündigungen von Sponsoren hätten zur Meinungsänderung geführt. „Hätte es keine zehn Teams gegeben, die dieses Turnier spielen wollen, dann flögen allen Klubs Rechnungen um die Ohren, bei denen dem ein oder anderen Hören und Sehen vergeht“, betonte Niemeyer.

Fernsehgeld auch für die Löwen

Wird hingegen gespielt, sollen auch die Braunschweiger und die anderen sechs Teams, die nicht weitermachen, ihren Anteil von den ausstehenden Fernsehgeldern erhalten.

Zum Stopfen des Etatlochs wird auch das Crowdfunding der Löwen beitragen, das noch bis 23. Mai läuft. Da bereits rund 31.000 Euro eingenommen wurden, sollte es nicht passieren, dass die Löwen ihre Zielsumme von 50.000 Euro nicht erreichen.

Im Blick auf die nächste Saison müssen die Erstligisten bis zum 30. Juni im modifizierten Lizenzierungsverfahren bei der Liga erste Wasserstandmeldungen hinsichtlich ihrer Finanzlage abgeben. Aber wann beginnt diese Spielzeit und unter welchen Bedingungen? „Wir müssen mit verschiedenen Szenarien planen“, berichtet Schmidt: „Komplett ohne Zuschauer, temporär ohne Zuschauer – oder vielleicht dürfen wir erstmal gar nicht spielen...“

Diese Fünf stehen unter Vertrag

Und somit wird ein Umstand, der unter normalen Umständen ein richtiges Pfund für die Löwen wäre, eventuell zu einem Problem. Fünf Spieler sind bereits für die nächste Saison unter Vertrag. „Es sind Karim Jallow, Lukas Wank, Garai Zeeb, Jannik Göttsche und Trevor Releford“, zählt Schmidt auf.

Coronavirus in Niedersachsen- Alle Fakten auf einen Blick

Und während er sich früher wohl gesorgt hätte, dass Nationalspieler Jallow angesichts einer Ausstiegsoption nach seiner starken Saison trotzdem nicht gehalten werden könnte, könnte es nun umgekehrt sein. Weil der Markt und die Spielergehälter in der Coronakrise erheblich einbrechen dürften, haben die Löwen eventuell Spieler zu alten Konditionen unter Vertrag, die sie angesichts der neuen Umstände gar nicht bezahlen können. „Wir müssen erstmal sehen, wie sich die wirtschaftliche Lage in Deutschland und bei uns entwickelt und gucken, inwieweit es realistisch ist, das zu zahlen“, sagt Schmidt. Zumal ein Mehrjahresvertrag im Basketball gewöhnlich noch Gehaltssteigerungen beinhaltet.

„Ich fühle mich in Braunschwieg sehr wohl, und Stand jetzt, bleibe ich“, sagte Jallow unserer Zeitung. Und A-2-Nationalspieler Lukas Wank sieht es ähnlich: „Klar komme ich wieder, ich bin auf jeden Fall dabei.“ Andere Profis sind in einer weniger komfortablen Lage, auch der Kapitän muss sich hinten anstellen. Er habe schon versucht, mit den Löwen über die Zukunft zu sprechen, berichtete Thomas Klepeisz. „Aber die Braunschweiger meinten, es wäre derzeit zu schwierig abzuschätzen, wie sie für nächste Saison finanziell aufgestellt sind“, berichtete der Österreicher. „Und das ist ja auch verständlich.“

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder