Warum Braunschweigs Basketballer nicht weiterspielen

Braunschweig.  Die Löwen sagen die Saisonfortsetzung der BBL aus finanziellen Gründen ab. Zehn Klubs wollen in Form eines Play-off-Turniers den Meister ausspielen.

Für Routinier Lucca Staiger und seine Löwen-Kollegen ist die Saison beendet. Die Braunschweiger zählen nicht zu den zehn Teams, die die BBL-Saison zuende bringen wollen.

Für Routinier Lucca Staiger und seine Löwen-Kollegen ist die Saison beendet. Die Braunschweiger zählen nicht zu den zehn Teams, die die BBL-Saison zuende bringen wollen.

Foto: Florian Kleinschmidt / Florian Kleinschmidt/BestPixels.de

Das wäre nochmal eine spannende Sache für alle Fans der Löwen gewesen, und für die Spieler ein Hintertürchen in die Play-offs: Wenn die Basketball-Bundesliga von der Politik das Go bekommt, ihre Corona-Saison zu Ende zu bringen, hätten Braunschweigs Basketballer dabei sein können. „Ich hätte nur Ja sagen müssen“, berichtet Geschäftsführer Sebastian Schmidt von der fünfstündigen Videokonferenz der Erstliga-Standorte und der BBL-Führung am Montag – um dann zu begründen, warum er es nicht tat.

Und so werden die Löwen im Fernsehen verfolgen müssen, wie zehn andere Klubs im Juni ohne Publikum doch noch einen deutschen Meister und ihre Europapokalteilnehmer auskämpfen, wenn alles klappt wie geplant.

Löwen fürchten wirtschaftliches Risiko

„Ich hätte sehr gerne mitgespielt mit Braunschweig“, betont Schmidt. „Aber es passt im Moment nicht in unsere sportliche und wirtschaftliche Situation, wir würden finanziell nicht davon profitieren. Und wir sind momentan nicht in der Lage, da jetzt nochmal ins Risiko zu gehen“, begründet er seine Absage.

Die Löwen hätten ihre Spielerverträge, die Mitte Mai, Anfang Juni auslaufen, bis mindestens Ende Juni verlängern müssen, ohne dafür zunächst einen Gegenwert zu bekommen. „Ich musste leider absagen. Es war eine zu große Ungewissheit, ob wir es schaffen, die Spieler zu aktivieren und zu bezahlen, als dass wir die Sache heute hätten bejahen können“, sagte Schmidt. Zumindest die Teilnahme seines Teams.

Basketball-Klubs entscheiden einstimmig

Grundsätzlich aber hat der Braunschweiger wie auch alle seine Kollegen, dem Beschluss der BBL zu einer „Restsaison der Willigen“ zugestimmt, so dass die Liga eine einstimmige Entscheidung verkünden durfte: Somit könne den Wünschen der Klubs nachgegangen werden, die einen Abbruch aus wirtschaftlichen Gründen bevorzugen und gleichzeitig den Klubs entsprochen werden, die sich für eine Wiederaufnahme entschieden haben, heißt es in der Pressemitteilung.

BBL erarbeitet Hygiene-Konzept

Nun erarbeitet die Liga nach dem Vorbild des Fußballs mit externer Unterstützung ein umfassendes Hygiene- und Sicherheitskonzept, um in den nächsten Wochen die Spiel- und zuvor Trainingserlaubnis der Politik und Behörden zu erhalten.

„Ich begrüße es, wenn es weitergeht“, betont Schmidt. „Wenn alle Standards eingehalten werden können, ist das für die BBL super, und die Basketball-Familie profitiert sicherlich davon.“ Doch der Löwen-Chef verhehlt auch nicht, dass er Zweifel an der Saisonfortsetzung hegt. Aufgrund bereits aufgelöster Verträge oder abgereister Auslandsprofis sei es unsicher, ob die Klubs Topteams aufs Parkett bringen könnten, die einen hohen sportlichen Wert garantierten. „Und es wäre fatal, wenn wir uns mit Mannschaften blamieren, die zu 40 Prozent aus Jugendspielern bestehen.“

Verletzungsgefahr bei Saisonfortsetzung

Ein weiteres Argument für seine Absage sei nach Rücksprache mit Kapitän Thomas Klepeisz die Sorge der Spieler vor Verletzungen gewesen, angesichts so vieler Spiele in kurzer Zeit nach langer Pause.

Ob diese defensive Haltung der Löwen nicht ein bisschen mutlos sei? „Wir sind momentan nicht in der Lage, mutig zu sein“, antwortet Schmidt. Aus den sieben ausfallenden Heimspielen fehlten rund 400.000 Euro Einnahmen, prognostiziert er. „Da kann ich als Geschäftsführer nicht mutig sein, da muss ich die GmbH schützen.“

KOMMENTAR

Schade Löwen, Chance vertan

Von Ute Berndt

Glückwunsch an die Basketball-Bundesliga. Den Spielbetrieb trotz der Corona-Krise mit einem Zehner-Geisterturnier fortsetzen zu wollen, diese „Restsaison der Willigen“, ist ein starker Kompromiss mit Strahlkraft. Wenn die Hausaufgaben gemacht werden und es klappt mit der Genehmigung durch die Politik, positioniert sich der Basketball als tatkräftige, kreative und professionelle Sportart, die ihre Entwicklung vorantreibt. Dann wird er auch die erhoffte neue Aufmerksamkeit gewinnen als einziger weiterspielender Teamsport neben dem Fußball. Denn die Fernsehsender gieren nach frischen Bildern.

Das Dilemma der gegensätzlichen Interessen der BBL-Standorte – die großen verlieren bei einem Abbruch viel Geld, die Kleinen, wenn weitergespielt wird – wurde in idealer Weise aufgelöst, indem jeder das machen kann, was ihm finanziell nützt. Und das auch noch in der Einstimmigkeit einer Solidargemeinschaft. Chapeau!

Nur dass die Löwen nicht im Kreis der Weitermacher dabei sind, ist traurig aus Braunschweiger Sicht. Und ein bisschen unverständlich. Aufsichtsratschef Paul Anfang und Geschäftsführer Sebastian Schmidt hatten doch vor einem Jahr große Pläne geschmiedet und angekündigt, sich zügig in den Play-offs etablieren zu wollen. Die Etatsteigerung auf rund 4,2 Millionen Euro, die Verpflichtung guter deutscher Profis, waren starke Zeichen. Und nun hätte es die Chance gegeben, trotz sportlich enttäuschender Saison doch bei den Topteams mitzumischen.

Dass die Löwen sie nicht ergriffen haben, wirkt – bei allem Verständnis für wirtschaftliche Zwänge – ein bisschen mutlos und wenig visionär. Warum kann Braunschweig nicht, was Göttingen, Vechta, Crailsheim können? Die, die voran gehen, sind einmal mehr andere. So werden die Löwen in der BBL ihr Graue-Maus-Image nicht los. Schade.

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Info: So will die BBL weiterspielen

Zehn Mannschaften treten in zwei Gruppen an einem Standort zunächst jeder gegen jeden an. Gemeldet haben sich dafür München, Ludwigsburg, Crailsheim, Berlin, Oldenburg, Vechta, Bamberg, Göttingen, Ulm und Frankfurt. Also die Top-10 ohne Würzburg plus der 14. Frankfurt. Danach finden über Kreuz Viertelfinale, Halbfinale und Finale in einem angepassten Play-Off-Modus statt.

Wo das Turnier unter schärfsten Hygiene- und Sicherheits-Auflagen stattfindet, ist noch offen. Bis 4. Mai soll nach einer Ausschreibung der Spielort gefunden sein. Diese Turnierform wird sich auf drei Wochen verteilen und soll möglichst am 30. Juni beendet sein. Vorab werden entsprechend Vorbereitungs- und Trainingszeiten einkalkuliert.

Die sieben Klubs, die nicht mitmachen, werden in der Abschlusstabelle hinter den Teams geführt, die das Turnier bestritten haben. Die Löwen rutschen dann also von Rang elf auf zwölf. Absteiger gibt es nicht, Hamburg, Weißenfels und Bonn atmen auf.

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