Strobl: BBL-Saisonende tut weh „wie ein Schlag in den Bauch“

Braunschweig.  Während ihr Trainer enttäuscht ist, haben Braunschweigs Basketball-Profis kaum Probleme mit der Entscheidung ihres Klubs zum Saisonabbruch.

Nicht zu fassen: Löwen-Trainer Pete Strobl findet es bitter, dass sein Team der Konkurrenz bald vor dem Fernseher beim Weiterspielen zuschauen soll.

Nicht zu fassen: Löwen-Trainer Pete Strobl findet es bitter, dass sein Team der Konkurrenz bald vor dem Fernseher beim Weiterspielen zuschauen soll.

Foto: Susanne Hübner, Fotoagentur Hübner

Die Ungewissheit ist zu Ende, zumindest für Braunschweigs Basketballer und sechs weitere Erstligisten, die entschieden haben, ihre Saison zu beenden. Für die zehn anderen trägt ihr wagemutiges Konzept, in einem Quarantäne-Turnier noch einen Meister auszuspielen, zwar noch viele Fragezeichen, aber sie stürzen sich mit neuem Ziel vor Augen motiviert in die knifflige Detailarbeit.

„Es war für alle wichtig, jetzt eine Entscheidung zu haben“, resümiert Löwen-Geschäftsführer Sebastian Schmidt. Aber weil die Idee einer Zweiteilung der BBL so ungewöhnlich ist, wurde sie danach in Basketball-Deutschland heiß diskutiert.

„Vor der Sitzung habe ich gedacht, wenn keiner spielt, ist das okay, aber wenn ein paar Teams spielen, dann möchte ich dabei sein“, berichtet Löwen-Trainer Pete Strobl. Er sei zu sehr Vollblut-Basketballer und Wettkämpfer, um nun nicht zu leiden, wenn er nun tatsächlich bald vor dem Fernseher zusehen müsste, wie andere Bundesligisten die Saison zu Ende bringen.

Strobl hofft auf hohe TV-Quoten

Natürlich habe ihm Schmidt das Nein der Löwen und die wirtschaftlichen Gründe dafür erläutert, sagt Strobl. „Aber ich bin ja nicht für die Finanzen verantwortlich, sondern für den Basketball. Für mich als Trainer tut diese Entscheidung weh wie ein Schlag in den Bauch.“ Jedenfalls werde er sich sicher alle Spiele anschauen. „Und ich hoffe, dass mehr Leute als sonst in Deutschland Basketball gucken. Vielleicht hilft uns das, mehr Sponsoren zu kriegen.“

Die Löwen-Profis bedauern das vorzeitige Saisonende weniger vehement bis gar nicht. Kapitän Thomas Klepeisz macht den Zwiespalt deutlich. „Mein sportlicher Kampfgeist und Hunger sind natürlich nicht gestillt, bei unserer Ausgangslage hätten wir es vielleicht in die Play-offs geschafft“, sagt der Österreicher. „Mich juckt‘s in den Fingern, und wenn wir wirklich zuschauen müssen, wie andere mit einem guten Modus weiterspielen, bin ich natürlich unzufrieden.“

Verletzungsgefahr zu hoch

Aber für ihn sei auch die mutmaßlich erhöhte Verletzungsgefahr bei vielen Spielen innerhalb weniger Wochen nach einer längeren Trainingspause ein großer Faktor gewesen. „Und es ist unserem Geschäftsführer hoch anzurechnen, dass er uns da angehört und auf uns Spieler Rücksicht genommen hat“, sagt der Kapitän.

Das findet auch Karim Jallow angesichts eines ursprünglichen genannten Szenarios von zehn Spielen in zwei Wochen - inzwischen sind allerdings weniger Partien in drei Wochen vorgesehen: „Die Gesundheit muss an erster Stelle stehen“, betont der Nationalspieler. „Ich würde alles dafür geben, wieder spielen zu können, aber man ist zu lange raus, um jetzt eine so hohe Belastung auf sich zu nehmen.“

Lukas Wank findet es schwierig, sich vorzustellen, dass die Profis wochenlang eingeschlossen leben sollen und mag den Gedanken nicht, dass jetzt nur einige Teams weiterspielen. „Aber ich denke, es ist richtig, dass wir uns nicht beteiligen“, sagt der 23-Jährige. „Mal zwei Monate nicht zu spielen und dafür das einzudämmen, was die ganze Welt betrifft, finde ich okay.“

Profis verstehen Finanz-Argument

Mit seinem Hauptargument, der finanziellen Notsituation, ist Geschäftsführer Schmidt bei seinen Profis ebenfalls auf offene Ohren gestoßen. In die wirtschaftlichen Details habe er keinen Einblick, sagt Thomas Klepeisz. „Aber bei uns gibt es Verständnis dafür, dass im Juni Kosten, aber fast keine Einnahmen entstanden wären“, sagt er im Blick auf die Pläne zur Saisonfortsetzung. „Für Braunschweig ist es sicherlich das Beste, da nicht mitzumachen.“

Warum das so ist, wollte gestern Aufsichtsratschef Paul Anfang nochmal untermauern. Die Löwen gehörten von allen BBL-Klubs mit zu denen, die aufgrund des Ausfalls von sieben Heimspielen von der Corona-Krise am schwersten betroffen seien. „Das stellt eine massive wirtschaftliche Belastung dar. Wir hätten die Saison gerne zu Ende gespielt. Mangels Zuschauern wären aber keine nennenswerten Einnahmen zu erzielen gewesen“, unterstreicht Anfang, was Schmidt am Vortag erläutert hatte.

Aufsichtsrat: Turnierteilnahme nicht möglich

Die Löwen hätten die ausländischen Spieler zurückholen und Verträge verlängern müssen. „Insgesamt wäre ein sechsstelliges zusätzliches Defizit zu erwarten“, betont Anfang. „Aufsichtsrat und Geschäftsführung sind sich einig, dass die Teilnahme am Turnier vor diesem Hintergrund nicht zu rechtfertigen war.“

So bleibt bei Schmidt viel Arbeit, das Geschäftsjahr finanziell erträglich abzuschließen und unter unklaren Vorzeichen eine neue Saison zu planen, und bei allen Löwen großes Bedauern über das abrupte Saisonende. „Es ist schon eine verrückte Situation, dass die Mannschaft so auseinander geht“, sagt der Geschäftsführer. „Sehr schade dass es so endet und man keinen Abschluss hat und von heute auf morgen alle weg sind“, beklagt auch Jallow. Und Klepeisz fügt trotzig hinzu: „Ich werde heute trotzdem nochmal basketballspezifisch trainieren gehen.“

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