Eintracht droht in dieser Saison ein Millionen-Minus

Braunschweig.   Eintracht muss sparen. Durch den Abstieg aus der 2. Liga droht in dieser Saison ein Millionen-Minus. Doch der Klub besitzt noch Reserven.

Eintracht-Präsident Sebastian Ebel will sich seiner Verantwortung stellen.

Eintracht-Präsident Sebastian Ebel will sich seiner Verantwortung stellen.

Foto: Florian Kleinschmidt / BestPixels.de

Am Donnerstag findet die mit Spannung erwartete Jahreshauptversammlung von Eintracht Braunschweig statt. Die Führungsriege des Fußball-Drittligisten muss dabei Rechenschaft vor den Mitgliedern ablegen. Und das wird diesmal alles andere als eine einfache Aufgabe, denn im Jahr 2018 haben die Blau-Gelben mit dem Abstieg aus der 2. Liga und dem Absinken auf den letzten Tabellenplatz der 3. Liga sowie dem gleichzeitigen Abstieg der beiden höchsten Jugendmannschaften einen sportlichen Totalabsturz erlebt.

Der wirkt sich in der aktuellen Saison auch massiv auf die Finanzen aus. Eintracht steuert in dieser Spielzeit erstmals seit Jahren wieder auf ein Millionen-Minus zu. Darüber sowie über viele andere Themen der Jahreshauptversammlung sprachen Präsident Sebastian Ebel und die beiden Vizepräsidenten Rainer Ottinger und Rainer Cech mit den Sportredakteuren Hans-Dieter Schlawis, Thomas Fröhlich und Daniel Mau. Eintrachts Führungstrio sagte über…

…die Finanzlage der Eintracht GmbH: Wir konnten die vergangenen Saison mit einem Überschuss von 2,7 Millionen Euro abschließen. Der Überschuss ist unter anderem deshalb so hoch, weil wir in der vergangenen Saison weniger Erfolgsprämien als ursprünglich kalkuliert an die Mannschaft auszahlen mussten. Außerdem wurden wegen zahlreicher Langzeitverletzter Gehälter gespart und auch die Einnahmen aus dem Vermarktungspool waren höher als gedacht. Wir hätten in der Winterpause also noch mehr in die Mannschaft investieren können, aber das wurde damals von der sportlichen Führung um Trainer Torsten Lieberknecht und den Sportlichen Leiter Marc Arnold als nicht notwendig erachtet. Wir hatten in der vergangenen Saison trotzdem den höchsten Spieleretat aller Zeiten und haben uns damit unter den Top 5 der 2. Liga befunden. Es war aber nicht das Ziel, hohe Überschüsse zu erwirtschaften. Immerhin konnten wir das Eigenkapital auf 7,3 Millionen Euro zum 30. Juni 2018 erhöhen. Das stellt gerade bei der schwierigen Finanzlage in dieser Saison einen erheblichen Risikopuffer dar.

…den finanziellen Ausblick auf die laufende Saison: Durch den Abstieg aus der 2. Liga müssen wir bei den Einnahmen Einbußen von etwa 18 Millionen Euro hinnehmen, davon allein 14 Millionen Euro TV-Geld. Trotzdem haben wir uns entschieden, keine Mitarbeiter in der Geschäftsstelle sowie im Nachwuchsleistungszentrum zu entlassen. Das ist eine große Herausforderung, weil wir auch in der 3. Liga einen der höchsten Spieleretats haben. Wir werden das laufende Geschäftsjahr wahrscheinlich mit einem Minus von einigen Millionen Euro abschließen. Durch unser hohes Eigenkapital können wir das aber abfedern. Und wir werden unser Eigenkapital von 7,3 Millionen auch nicht komplett aufbrauchen. Trotzdem können wir eine weitere Saison in der 3. Liga unter den aktuellen Bedingungen nicht stemmen. Wir müssen alle Kosten auf den Prüfstand stellen und überlegen, wo es Möglichkeiten gibt, zu sparen oder wie neue Einnahmequellen geschaffen werden können. Deshalb ist es wichtig, dass sich unsere Sponsoren dazu entschlossen haben, uns auch nach dem Abstieg aus der 2. Liga weiter in einem starken Umfang zu unterstützen.

…die Situation des Gesamtvereins: Eintracht e. V. hat das vergangene Geschäftsjahr zum 30. Juni 2018 mit einem Verlust von etwa 64.000 Euro abgeschlossen. Das ist das erste Minus seit acht Jahren. Das liegt vor allem daran, dass im vergangenen Jahr keine Mittel aus der Kapitalgesellschaft ausgeschüttet wurden. Im Jahr davor waren es noch etwa 130.000 Euro an Ausschüttung gewesen. Das zeigt, dass sich die Einnahmenseite des Vereins verbessert hat. Vor allem die Mitgliederzahl hat sich positiv auf über 5.000 entwickelt. Dennoch müssen wir daran arbeiten, dass sich der Verein noch mehr aus eigenen Mitteln finanzieren kann und weniger von den Ausschüttungen der GmbH abhängig ist.

…die Forderungen nach neuen Vereinsstrukturen: Wir können nachvollziehen, dass in unserer Situation sowohl bei Mitgliedern als auch bei Fans die Verärgerung groß ist und viele Dinge hinterfragt werden. Diesen Diskussionen werden wir uns auf der Jahreshauptversammlung stellen. Allerdings warnen wir davor die etablierten Strukturen infrage zu stellen, gerade in dieser schwierigen Lage. Wir sehen uns als Präsidium auch in der Verantwortung, Eintracht wieder auf den richtigen Weg zu führen. Deshalb wollen wir unsere Arbeit sowohl im Präsidium als auch im Aufsichtsrat fortführen.

…die Zukunft des Nachwuchsleistungszentrums: Wir werden auch hier alle Kosten auf den Prüfstand stellen. Allerdings bleibt es unser Anspruch, eine gute Jugendarbeit zu leisten. Die ist für uns gerade jetzt wichtiger denn je. Deshalb werden wir auch in Zukunft versuchen, das NLZ in der aktuellen Form aufrechtzuerhalten. Dabei sind wir vor allem auf die Mithilfe der Sponsoren angewiesen, die sich aber auch bereits nach dem Abstieg bereit erklärt haben, ihr Engagement in diesem Bereich noch auszubauen.

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