Erster Corona-Fall der Grizzlys Wolfsburg – mit üblen Folgen

Wolfsburg.  Die Herzmuskelentzündung, die Grizzlys-Wolfsburg-Profi Janik Möser stoppt, geht wohl auf Corona zurück. Was Spieler und Arzt sagen.

Fällt mehrere Monate aus: Grizzlys-Profi Janik Möser laboriert an einer Herzmuskelentzündung.

Fällt mehrere Monate aus: Grizzlys-Profi Janik Möser laboriert an einer Herzmuskelentzündung.

Foto: City-Press GmbH / Grizzlys Wolfsburg/oh

Die Grizzlys Wolfsburg haben ihren ersten Corona-Fall in der Mannschaft – und der könnte gleich zum Präzedenzfall fürs deutsche Eishockey oder sogar für den deutschen Sport insgesamt werden. Janik Mösers Herzmuskelentzündung führen die behandelnden Mediziner auf eine Corona-Infektion zurück. Deshalb machen der Spieler und sein DEL-Klub nun auch die bisher unerwähnt gebliebene Corona-Erkrankung öffentlich – als warnendes Beispiel.

Die Hintergründe:

Als der Magenta-Sport-Cup für die Grizzlys am 14. November begann, war Möser schon gar nicht mehr dabei. Bisher hatte der Klub immer nur von einem grippalen Infekt als Fehlgrund gesprochen, auch dann, als er am vergangenen Donnerstag die Herzmuskelentzündung des Spielers und den daraus resultierenden Ausfall „für unbestimmte Zeit“ bekanntgab.

Mösers Ansteckung mit Covid-19 war jedoch bereits Mitte Oktober anlässlich eines Routine-Coronatests festgestellt worden. Damals befanden sich die Grizzlys in Kurzarbeit und hatten zudem zwei Wochen frei. „Ich hatte überhaupt keine Symptome“, erinnert sich Möser und war umso überraschter, als der positive Befund kam. „Ich begab mich sofort in Quarantäne und zeigte kurz darauf auch leichte Symptome, unter anderem waren mein Geruchs- und Geschmackssinn beeinträchtigt“, sagt er weiter.

Die Grizzlys unterzogen das ganze Team daraufhin insgesamt drei Tests, weitere positive Fälle gab es aber keine, wie Mannschaftsarzt Dr. Axel Gänsslen und Manager Charly Fliegauf berichteten. Erst einmal schien alles glimpflich auszugehen.

Die Komplikationen:

Nach Ablauf der zweiwöchigen Quarantäne und den negativ ausgefallenen Nachtestungen wollte der vermeintlich genesene Möser wieder in den Trainingsbetrieb einsteigen. Aber gemäß der Vorgaben der medizinischen Abteilung der Grizzlys Wolfsburg musste er ein Testprogramm durchlaufen. „Der Deutsche Olympische Sport-Bund und die Deutsche Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention“, berichtet Gänsslen, „haben im Frühjahr ein Return-to-Play-Protokoll erstellt, dessen Maßnahmen die Profis nach Corona-Infektionen erfüllen sollen, wenn sie aus der Isolation kommen.”

Bestandteil dieser Vorgaben ist auch ein Belastungs-EKG. Das absolvierte Möser beim anderen Wolfsburger Mannschaftsarzt, Dr. Nazem Hamade. Als der „Veränderungen“ im Vergleich zu Mösers im Sommer ermittelten Ergebnissen feststellte, schrillten bei den Medizinern die Alarmglocken. Zur Sicherheit schickten sie den Spieler zu weiteren Untersuchungen nach Berlin, unter anderem auf Gänsslens Vermittlung hin zum Spezialisten Prof. Bernd Wolfarth, einem Sportmediziner der Berliner Charité.

Der unterzog Möser auch einem sogenannten Kardio-MRT. Während alle anderen Untersuchungen mit unbedenklichen Ergebnissen endeten, stellte Wolfarth die tückische Herzmuskelentzündung fest. Möser war geschockt: „Ich hatte gedacht, ich fahre nach Berlin und hole mir das Okay ab, wieder trainieren zu dürfen.“

Stattdessen ergab die Diagnose Myokarditis, wie der lateinische Fachbegriff für Herzmuskelschwäche lautet. „Eine solche ist für Hochleistungssportler der Risikofaktor für den plötzlichen Herztod. Professor Wolfarth gebührt unser Dank, dass er sich Janik so schnell und unkompliziert angenommen hat”, sagt Gänsslen.

Die Ursache für die Entzündung sehen die Mediziner mit großer Wahrscheinlichkeit in Mösers Covid-19-Infektion: „Außer Corona war bei Janik nichts festzustellen, was der Auslöser hätte sein können”, sagt Gänsslen.

Die erste Konsequenz:

Möser darf vorerst keinen Sport treiben. „Ich muss mich komplett auskurieren, die Schwellung des Herzmuskels muss vollständig zurückgehen. Meine Blutwerte sind aber wieder gut, die Ärzte sagen, mein Heilungsprozess hat bereits begonnen“, erzählt Möser. Am 10. Januar hat er eine Kontrolluntersuchung. „Da hoffe ich auf grünes Licht. Zwei drei Wochen später möchte ich wieder auf dem Eis stehen können.“

Die zweite Konsequenz:

Der betroffene Spieler, die Ärzte und der Klub wollen einen Präzedenzfall schaffen, um auf die gefährlichen Folgen einer Corona-Infektion für Profi-Sportler aufmerksam zu machen. Gänsslen berichtet, dass er deshalb das Anliegen der DEL vorgetragen hat. In der vergangenen Woche habe es zu dem Thema bereits eine Telefonkonferenz gegeben. Ziel des Wolfsburger Teamarztes und seiner Mitstreiter ist es, ein erweitertes und einheitliches Return-to-Play-Programm nach Corona-Infektionen zu erstellen. „Wir Mannschaftsärzte sind ja keine Experten für Viruserkrankungen. Ich zum Beispiel bin Unfallmediziner. Deshalb brauchen wir hilfreiche Empfehlungen, die wir schnell zur Hand haben können”, sagt Gänsslen.

Möglich, dass daraus eine ähnlich erfolgreiche Kampagne entsteht, wie es „Schütz’ deinen Kopf“ bereits ist, dessen Mitinitiator Gänsslen ist. Mit dem Programm haben Mediziner auf Gehirnerschütterungen im Sport aufmerksam gemacht und Konzepte für die Reha-Phase erstellt, um Folgeschäden durch zu kurze Genesungsphasen zu verhindern.

Auch Mösers Ziel ist es, die Öffentlichkeit auf den Zusammenhang von Corona und Herzerkrankungen aufmerksam zu machen. „Ich möchte mit meinem Fall andere Profi- und auch Hobby-Sportler darauf hinweisen, dass sie eine Corona-Infektion nicht auf die leichte Schulter nehmen dürfen”, sagt er. Auf die Weise führt der erste Corona-Fall bei den Grizzlys, der noch schlimmere Folgen hätte haben können, wenigstens auch zu etwas Gutem. Denn nicht alle Corona-Infizierten haben womöglich das Glück, im Falle einer Herzmuskelentzündung die Diagnose rechtzeitig zu bekommen, bevor noch Schlimmeres daraus wird.

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