Janik Möser – ein Aber, das für Wolfsburg-Wechsel sprach

Wolfsburg.  Der Grizzlys-Neuzugang aus Mannheim spricht über seine Gründe, Ziele Bekannte(s), seine Lieblingsposition und seinen Kumpel Phil.

Janik Möser im Trikot der deutschen Nationalmannschaft.

Janik Möser im Trikot der deutschen Nationalmannschaft.

Foto: Peter Schatz / imago/ActionPictures

„Mannheim ist meine Heimatstadt, mit der ich viel verbinde, aber ...“ Eben wegen dieses Aber verließ Janik Möser erneut seinen Geburtsort. Das Talent aus der Jungadler-Schmiede sucht die neue Herausforderung bei den Grizzlys Wolfsburg, um hier endlich zum Stammspieler in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) zu werden. In zwei Jahren bei den Adlern gewann der 24-jährige Verteidiger zwar eine deutsche Meisterschaft, allerdings zum Schluss von der Tribüne aus.

„Ich sehe für mich sehr gute Möglichkeiten bei den Grizzlys. Bei den Adlern ist der Konkurrenzkampf extrem hoch“, erklärt er seinen Wechsel. 41 DEL-Einsätze von 118 möglichen (inklusive Play-offs) in zwei Saisons für Mannheim – die Quote verdeutlicht, dass noch reichlich Luft nach oben ist. Zu den 23 Hauptrunden-Spielen im Meisterjahr 2018/19 kamen nur noch vier Einsätze beim Zweitliga-Kooperationspartner Heilbronn, aber keine Play-off-Partien für die Adler hinzu. 2019/20 hätte es damit klappen können, aber Corona machte ihm einen Strich durch die Rechnung. So blieb es bei 18 Hauptrunden-Spielen für die Mannheimer und 16 für Iserlohn, wohin Möser zwischenzeitlich ausgeliehen war, um dringend benötigte Spielpraxis zu sammeln.

„Ich möchte in Wolfsburg den nächsten Schritt machen und mir meinen festen Platz im Team erkämpfen. Ich hoffe, dass ich das Vertrauen der Trainer bekomme“, sagt Möser. Sowohl Chefcoach Pat Cortina („Er war während meiner Zeit in den U-Nationalmannschaften Bundestrainer“) als auch dessen Co Petteri Väkiparta („Er war früher Coach bei den Jungadlern“) kennt er bereits und kann sich mit ihrer Philosophie identifizieren.

Von der Taktik her seien sein neues und sein bisheriges Team nicht weit auseinander. „Wolfsburg ist – ähnlich wie Mannheim – ein Team, das auf schnelles Umschalten setzt.“ Mit seinen Stärken passe er bei den Grizzlys gut hinein. „Ich kann in den Ecken körperlich hart spielen und bin ein guter Skater.“ Viel Wert legt er außerdem auf einen „guten Aufbaupass“. Wenn er sich darüber hinaus in die Offensive mit einschalten darf, freue ihn das. Aber: Sicherheit gehe vor. „Ich möchte mehr Verantwortung übernehmen dürfen als in Mannheim.“

Oft ist es so, dass der Prophet im eigenen Land nichts gilt. Möser wurde in Mannheim geboren und durchlief dort alle Jugendteams der Jungadler. Den Talent-Status konnte er bislang nicht ablegen. Daran änderten wohl auch die fünf Jahre in den USA bei den Muskegon Lumberjacks in der wichtigsten US-Junioren-Liga USHL (2013/14) und in der Uni-Liga NCAA für Ohio State (2014 bis 2018) nichts. Vielleicht braucht es nun den Tapetenwechsel innerhalb der DEL.

„Ich passe hier gut hinein”, sagt Möser mit Blick auf die Grizzlys. Unter Einhaltung der bestehenden Kontaktverbote habe er sich seit seiner Ankunft in Wolfsburg am vergangenen Mittwoch die Stadt schon ein wenig angeschaut. Auch Stadtforst und Allersee standen auf dem Programm. Bis er fest umzieht, wohnt er für die Zeit der gemeinsamen Trainingswochen in Wolfsburg bei seinem alten und neuen Teamkollegen Phil Hungerecker.

Der Stürmer wechselte ebenfalls in dieser Sommerpause zu den Grizzlys. In Mannheim teilte sich das Duo bei Auswärtsfahrten ein Hotelzimmer. „Wir verstehen uns super. Phil ist ein lustiger und offener Typ, der kein Blatt vor den Mund nimmt und gern und viel redet. Wir kommen gut miteinander aus“, verrät Möser. Hungereckers Wechsel zu den Grizzlys habe zuerst festgestanden. „Das machte mir meinen Wechsel noch leichter als eh schon, und ihn freut es sicher auch, dass ich nachzog.“

Trotz der eingeschränkten Trainingsmöglichkeiten ob der Corona-Pandemie ist Möser zufrieden mit dem Ergebnis seiner individuellen Vorbereitung. „Zu Hause bei meinen Eltern hatte ich von früher noch Hanteln. Radfahren und laufen durfte man ja.“ Deshalb seien der Laktattest und die anderen Fitnesstests Ende vergangener Woche auch kein großes Problem gewesen. „Sie verliefen reibungslos. Ich kannte sie schon aus Mannheim.“ Dort hatte sie der frühere Grizzlys-Erfolgstrainer und jetzige Adler-Chefcoach Pavel Gross eingeführt.

Überhaupt trifft Möser in Wolfsburg auf viel(e) Bekannte(s). Zusammen mit Torwart Chet Pickard und Center Garrett Festerling wurde er mit den Adlern deutscher Meister. Mittelstürmer Fabio Pfohl kennt er „schon ewig“ aus den Nationalteams. Dominik Bittner und Möser stammen beide aus der Jungadler-Schule, hatten sich auch mal kurz überschnitten in einer Mannschaft. Und mit Valentin Busch machte ihn Hungerecker zuletzt schon bekannt. „Ich freue mich auf das Team“, sagt Möser.

Das Mannschaftsziel sollte klar sein. „Nur die Playoffs zu erreichen, wäre zu niedrig angesetzt. Das müssen wir schaffen. Wir sollten aber auch versuchen, die Großen zu ärgern und vorn mitzuspielen, um in den Play-offs dann so weit wie möglich zu kommen.“ In denen will auch er dann endlich einmal spielen. Diese DEL-Premiere steht weit oben auf seiner Wunschliste.

Zur Person:

Janik Möser wurde am 26. September 1995 in Mannheim geboren. Er ist ledig und Single.

Seine bisherigen Eishockey-Stationen waren Jungadler Mannheim (bis 2013), Muskegon Lumberjacks (USHL, 2013/14), Ohio State University (NCAA, 2014 bis 2018), Mannheim (DEL, 2018 bis 2020) sowie leihweise Heilbronn (DEL 2, 2018/19) und Iserlohn (DEL, 2019/20). In seiner DEL-Bilanz stehen 57 Spiele, drei Tore und fünf Assists.

Seine größten Erfolge sind die DEL-Meisterschaft 2018/19 mit Mannheim sowie Titel mit den Schülern (2010/11) und Junioren (2011/12, 2012/13) mit den Jungadlern. Sein berühmtester Teamkollege ist der heutige NHL-Superstar Leon Draisaitl (Edmonton Oilers), mit dem er bei den Jungadlern in einem Team spielte.

Mösers Lieblingsposition ist die linke Abwehrseite. Auch rechts fühlt sich der 1,80 Meter große und 88 Kilogramm schwere Linksschütze wohl. Er kam auch im Angriff zum Einsatz. „Ich bin aber gelernter Verteidiger, und als solcher möchte ich mich bei den Grizzlys durchsetzen“, sagt er.

Als Hobbys gibt er Videospiele zocken (Call of Duty, NHL), amerikanische Eishockey-Podcasts hören (Spittin’Chiclets), Bücher lesen (zuletzt Becoming the Iceman, Autor ist der niederländische Extremsportler Wim Hof) und Kochen (Lieblingsgericht Fleisch vom Grill mit Spargel und Süßkartoffeln) an.

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