Kluskes Besserbissen – Erbseneintopf ohne Kanone

Braunschweig.  Der herzhafte Klassiker aus der Feldküche gelingt auch im Kochtopf – und es ranken sich interessante Geschichten um ihn.

Erbseneintopf ist auch unterwegs eine feine Stärkung.

Erbseneintopf ist auch unterwegs eine feine Stärkung.

Foto: kluske

Die Idee, tierisches durch pflanzliches Eiweiß zu ersetzen, ist nicht neu. So verdanken wir Justus von Liebig nicht nur die Mär, dass sich für ein saftiges Steak dessen vermeintliche Poren durch scharfes Anbraten versiegeln ließen, sondern auch die Erbsbrei-Experimente. Bei diesem 1833 durchgeführten Feldversuch bekamen Soldaten drei Monate lang nur Hülsenfrüchte vorgesetzt. Viel grausamer geht es kulinarisch gesehen eigentlich nicht.

Im wahrsten Sinne des Wortes verheerend waren zudem die aus der Studie gewonnenen Erkenntnisse: Zwar konnte Liebig nachweisen, dass pflanzliches Protein ähnliche Qualitäten wie sein tierisches Pendant aufwies, die Probanden zeigten jedoch vielerlei Vergiftungserscheinungen und neurologische Störungen. Diese beschrieb übrigens Georg Büchner, der seinerzeit das Experiment an der Uni Gießen verfolgte, anhand seines Protagonisten Woyzeck im gleichnamigen Drama sehr anschaulich.

Aus dem Fundus der Bundeswehr

Doch hin und wieder ist in der kalten Jahreszeit ein Eintopf aus den grünen oder gelben Kügelchen richtig lecker. Und ich meine nicht das oft viel zu süße Creme-Süppchen aus pürierten Tiefkühl-Erbsen, das geschmacklich nur wenig mit dem herzhaften Klassiker aus der Feldküche zu tun hat. So verwundert es kaum, dass das Standard-Rezept eines klassischen Erbseneintopfs aus dem Fundus der Bundeswehr stammt.

Das Gericht gelingt natürlich nicht nur in einer Gulaschkanone. Dieser Kessel, in dem es traditionell gekocht wird, lässt sich dicht verschließen, sodass der Inhalt im Prinzip zeitsparend druckgegart wird. Ein ähnliches Ergebnis erhalten Sie auf dem heimischen Herd bei der Verwendung eines Schnellkochtopfs. Ein normaler Topf eignet sich natürlich auch.

Und so geht es:

Folgende Zutaten werden benötigt:500 g getrocknete Schälerbsen – je 150 g Möhren und Knollensellerie – 2 Zwiebeln – 1 Stange Lauch – 300 g mehlig kochende Kartoffeln – 150 g geräucherten Bauchspeck – 1 EL Majoran – 2 Lorbeerblätter – 1,5 Liter Gemüsebrühe – ½ Bund Petersilie – Salz und Pfeffer zum Abschmecken.

Möhren, Zwiebeln und Sellerie schälen und würfeln. Den Lauch von der Wurzel und dem dunklen Grün befreien, längs vierteln, gut waschen, um den Sand zu entfernen, und in schmale Stücke schneiden. Alles zusammen mit dem ebenfalls gewürfelten Bauchspeck in einem Topf mit etwas Rapsöl bei mittlerer Hitze anbraten, bis die Zwiebeln glasig sind. Die Gemüsebrühe, Lorbeerblätter und Erbsen zufügen. Mit Deckel 90 Minuten köcheln lassen.

Majoran sorgt für die besondere Note

Im Anschluss die Kartoffeln schälen, würfeln und zusammen mit dem Majoran in die Suppe geben. Noch einmal etwa 30 Minuten weiter garen. Den Eintopf abschmecken, mit fein gehackter Petersilie bestreuen und mit heißen Würstchen servieren. Schälerbsen sind, wie der Name schon sagt, geschält und garen auch ohne vorheriges Einweichen verhältnismäßig schnell.

Außerdem finde ich die Konsistenz der Suppe angenehmer, da sich somit keine abgelösten Schalen darin befinden. Das sind zwar gesunde Ballaststoffe, aber die dadurch rege Darmtätigkeit kann auch störend sein. Wobei wir wieder bei den unangenehmen Nebenwirkungen der Erbsbrei-Experimente wären.

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