Salzgitter. Landwirte aus der Region wollten die Minister Habeck und Lies vor der Erweiterung des MAN-Logistikzentrums zum Gespräch bitten.

Knapp 20 Landwirte aus der Region haben sich mit ihren Treckern am Mittwochmittag auf dem Gelände des MAN-Logistikzentrums in Salzgitter versammelt, um Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck oder Landeswirtschaftsminister Olaf Lies ihre Anliegen vorzutragen. Die Minister hatten ursprünglich angekündigt, den offiziellen Spatenstich für die Erweiterung des Logistikzentrums zu begleiten. Jedoch sagten beide spontan ab. Die Landwirte, die unter anderem aus Salzgitter, Gifhorn, Braunschweig und Wolfenbüttel zum Logistikzentrum gereist sind, wollten den Ministern ihre Ideen für mögliche Reformen und Entlastungen mitteilen.

Protestaktion bei MAN in Salzgitter: Das ist passiert

Schon Stunden vor dem offiziellen Termin machten die Landwirte dabei ihrem Unmut Luft, indem sie Teile der Einfahrt vor dem Logistikzentrum mit ihren landwirtschaftlichen Fahrzeugen blockierten. Auf einem Plakat wird die Politik der Ampel-Regierung kritisiert. Kurz vor der Einfahrt des Logistikzentrums platzierten die Bauern ein Plakat mit folgender Aufschrift: „Herr Minister, wir bitten Sie zum Gespräch.“

Mehrere Trecker standen am Mittwoch auf dem MAN-Gelände in Salzgitter
Mehrere Trecker standen am Mittwoch auf dem MAN-Gelände in Salzgitter © FMN | Rudolf Karliczek

Dass aus dem Austausch nichts wurde, frustriert die anwesenden Landwirte. Jörg Schrieber, Landwirt aus Lehre bei Braunschweig, sagt: „Wir hatten gehofft, auch unsere Anliegen in die Wirtschaftspolitik tragen zu können.“ Mit Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies wollten die Landwirte beispielsweise über die großen nitratsensiblen Gebiete sprechen, die mittlerweile in Salzgitter ausgewiesen worden sind. Denn alle Messbrunnen im Stadtgebiet würden regelmäßig einen zu hohen Nitratgehalt im Grundwasser aufweisen. Dann dürften die Landwirte nicht mehr so viel düngen und das senke die Einnahmen.

Das forderten die Bauern aus der Region bei MAN in Salzgitter

Schrieber fügte an: „Herr Lies ist natürlich nicht mehr in der Funktion des Umweltministers tätig. Wir hätten ihm aber gern mitgeteilt, dass wir sehr unter dieser Reglementierung leiden. Wir wollen die großen Mühlenstandorte in Ringelheim, Rüningen oder Flechtorf langfristig mit Mehl versorgen, damit die Bäcker in der Region auch genügend Backwaren zur Verfügung stellen können.“ Schrieber sieht diese regionale Versorgung bald als gefährdet an, da immer mehr Auflagen die Landwirte weiter belasteten.

Bauern kündigen weitere Protestaktionen in der Region an

Staatssekretär Frank Doods war als Vertretung für Lies zum Spatenstich gekommen. Er ging vor Ort allerdings nicht auf das Gesprächsangebot der Landwirte ein. Kurz darauf löste sich die Versammlung der Landwirte auch wieder auf. Schrieber kündigte allerdings weitere Proteste in der Region an neuralgischen Punkten an. So nannte er beispielsweise die Blockade der A2-Auffahrten bei Braunschweig und Helmstedt am Mittwochmorgen als Beispiel. „Wir wollen unseren Forderungen Nachdruck verleihen und hier und da auch spontan aufschlagen“, sagt Schrieber. Gleichzeitig betonte er: „Wir wollen auch Facharbeit leisten und unsere Argumente rüberbringen und nicht nur Hupen und Trecker fahren“.

Landes- und Lokalpolitiker sowie Vertreter der MAN Truck & Bus feiern den Spatenstich zur Erweiterung des Logistikzentrums. 
Landes- und Lokalpolitiker sowie Vertreter der MAN Truck & Bus feiern den Spatenstich zur Erweiterung des Logistikzentrums.  © FMN | Rudolf Karliczek

Während die Landwirte das Gelände vor dem Logistikzentrum mit Hupen und Trompeten verließen, fanden sich Vertreter der MAN Truck & Bus und aus der Landes- und Lokalpolitik im Logistikzentrum ein, um den vierten Bauabschnitt offiziell zu eröffnen. Unter ihnen war auch Michael Kobriger, MAN-Vorstand für Produktion und Logistik. Er sagte: „Der vierte Bauabschnitt ist wichtig als Symbol für unser weiteres Wachstum und unsere weitere Transformation hin zu emissionsfreien Antrieben und Elektromobilität.“ Der 52.650 Quadratmeter große Neubau hat eine Kapazität für bis zu 40.000 Teile. Damit wachse das Logistikzentrum mit seinen gut 800 Mitarbeitenden um ein Viertel auf rund 230.000 Quadratmeter, wie Kobriger sagt.

Der vierte Bauabschnitt ist wichtig als Symbol für unser weiteres Wachstum und unsere weitere Transformation hin zu emissionsfreien Antrieben und Elektromobilität.
Michael Kobriger - MAN Vorstand für Produktion und Logistik

Kobriger fand auch lobende Worte für das Team in Salzgitter. Denn: „Trotz der Lieferkettenproblematik hat das Team es geschafft, über 95 Prozent der eingehenden Bestellungen für Ersatzteile am nächsten Tag zuzustellen. Das ist eine große Leistung.“

Das sagte die Politik zum Spatenstich bei MAN in Salzgitter

Staatssekretär Doods sagte: „Bereits in seiner bisherigen Dimension macht das Logistikzentrum etwas her. Die Erweiterung ist nun eine gute Botschaft. Mit dem Standort Salzgitter verbinden sich mittlerweile Meilensteine der Transformation.“ Doods nannte beispielsweise das Salcos-Programm der Salzgitter AG. Ähnlich groß seien die Transformation und die ambitionierten Ziele der MAN.

Salzgitters Oberbürgermeister Frank Klingebiel zeigte sich bewegt. Er sagte: „In Salzgitter wird Zukunft auf die Straße gebraucht. Das gibt den Menschen vertrauen und zeigt ihnen, dass nicht nur Krise ist, sondern auch wirklich etwas passiert.“

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