Immer wieder finden Archäologen beeindruckende historische Funde. Viele wurden erst durch den Klimawandel an die Oberfläche gebracht.

Waffen, Bekleidung und ganze Mumien: Immer häufiger machen Archäologen interessante Funde in der ganzen Welt. Dabei stoßen sie auf Gegenstände aus vergangenen Jahrtausenden und finden neue spannende Informationen über unsere Vorfahren heraus.

Wie viele Bereiche ist auch die Archäologie vom Klimawandel betroffen. Durch Gletscherschmelzungen und Überflutungen treffen sie dabei immer wieder auf neue Funde, die über Jahrtausende vom Erdboden verschluckt waren. Die Auswirkungen des Klimawandels haben einige prominente archäologische Artefakte zum Vorschein gebracht.

Archäologie: Diese prominenten Funde gab es in den letzten Jahrzehnten

Der wohl bekannteste Fund der letzten Jahrzehnte ist der „Eismann“ Ötzi. Eine archäologische Ausgrabung, die die Welt begeisterte. Gefunden wurde Ötzi 1991 in den Alpen zwischen Österreich und Italien. Eine ganze Mumie, die noch aus der Jungsteinzeit, vor etwa 5.300 Jahren lebte. Die Mumie wurde durch die Gletscherschmelzungen freigesetzt.

Ein Replikat des 1991 in den Ötztaler Alpen entdeckten Steinzeitmenschen «Ötzi» im Museum für Naturkunde in Magdeburg.
Ein Replikat des 1991 in den Ötztaler Alpen entdeckten Steinzeitmenschen «Ötzi» im Museum für Naturkunde in Magdeburg. © Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-Zentralbild/dpa

Ein weiteres beeindruckendes Beispiel wurde in Kanada gefunden. Bergleute hatten bei Grabungen ein vollständig erhaltenes, mumifiziertes Mammut-Baby entdeckt. „Solche Funde sind bisher in diesem Maße nicht aufgetaucht und sind extrem selten, da sie im Permafrost verborgen lagen“, erklärt Dirk Rieger, Bereichsleiter Archäologie und Denkmalpflege in Lübeck unserer Redaktion. Schon einige Jahre vorher gab es einen ähnlichen Fund in Sibirien.

Auch in den USA sind die Auswirkungen des Klimawandels zu sehen. Das Mississippi River Becken wurde vor einigen Jahren von rekordhohen Überschwemmungen heimgesucht, die die Ufer und angrenzenden Gebiete verwüsteten, wie das Wissenschaftsmagazin „Scientific American“ berichtet. Heute ist der Fluss so ausgetrocknet, dass Schiffswracks aus ihren nassen Gräbern auftauchen.

Dazu werden immer wieder kleinere archäologische Gegenstände entdeckt. „In der Schweiz werden praktisch jährlich Objekte aus der Steinzeit gefunden, wie zum Beispiel Bogen oder römische Sandalen, Leder und Objekte aus dem Mittelalter“, erklärt Sabine Reinhold vom Deutschen Archäologischen Institut unserer Redaktion.

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„Am Schnieder-Joch war ein wichtiger Pass, wo die Leute immer wieder was verloren haben. Die Gegenstände wurden dann im Eis konserviert“, erklärt Reinhold, die überwiegend über Sibirien forscht. Und auch in Norwegen finde man immer Ski und Schlittenfragmete, die aus den Gletschern geborgen werden.

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Klimawandel zerstört archäologische Denkmäler

Auch wenn das Wissen über vergangene Leben die Archäologie bereichert, bringen die Folgen des Klimawandels Risiken und Gefahren mit sich. Gletscherschmelzungen, heftige Regenfälle und der ansteigende Meeresspiegel stellen das Forschungsfeld vor neue Herausforderungen. Oft gleicht die Arbeit einem Wettlauf gegen die Zeit.

Der Klimawandel rafft Gletscher dahin und legt so archäologische Schätze frei.
Der Klimawandel rafft Gletscher dahin und legt so archäologische Schätze frei.

Norwegen, die Alpen, der Mittelmeerraum – hier und in viel anderen Gebieten auf der Welt schreiten die Auswirkungen des Klimawandels immer weiter voran. Mit dem Schmelzen der Eisschichten wird die Erhaltung der Denkmäler gefährdet.

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„Die historischen Funde befinden sich in einer Art Tiefkühltruhe, in der sie durch die Temperatur gut aufbewahrt werden“, erklärt Reinhold. Sobald es wärmer wird, setzen auch die Zersetzungsprozesse wieder ein. So kann innerhalb von kürzester Zeit der Gegenstand komplett verfallen und gar verschwinden.

Auch wenn zahlreiche Funde den Anschein erwecken könnten, der Klimawandel helfe den Forschenden, neue Artefakte zu entdecken, ist das wohl eher das Gegenteil. „Im Moment reagiert die Archäologie eigentlich nur noch auf die klimabedingten Schmelzungen und dergleichen, statt aktiv Forschungen und Ausgrabungen zu machen“, sagt Rieger.

Forschende tragen ein Mammut-Baby in Moskau. Das Baby wurde in Sibirien gefunden.
Forschende tragen ein Mammut-Baby in Moskau. Das Baby wurde in Sibirien gefunden. © picture alliance / AP Photo | Ivan Sekretarev

Auch Reinhold bestätigt das: „Wir wissen nicht von allen Quellen, die ans Tageslicht kommen.“ Viele der Funde sind reine Zufallsentdeckungen, die auch oft von Wanderern gemacht werden. „Wir wissen teilweise gar nicht, was wir finden können, weil viele Regionen schlecht zugänglich und dadurch oft schlecht erforscht sind“, erklärt Reinhold.

Deshalb sei unbekannt, wie viele Denkmäler einfach verschwinden. „Der Verlust ist sehr viel größer als der Gewinn des Wissens“, so Reinhold. „Wir versuchen im Moment schnell zu reagieren und vor allem viel zu retten.“

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Denkmälern in Deutschland droht Zerstörung

In Deutschland drohen deshalb archäologische Funde zerstört zu werden. So zum Beispiel in Lübeck, wo zunehmende Feuchtigkeit eine Gefahr für mittelalterliche Häuser birgt. „Wir haben in den letzten Jahren zunehmend Fälle gehabt, in denen Mauern absacken“, sagt Dirk Rieger.

Der Grund: Die alten Häuser wurden auf Holzbalken gebaut, die anfangen zu vertrocknen oder die auf Kloaken gebaut wurden. Deren Füllung fängt durch Austrocknen an nach unten wegzusacken. „Auch im Straßenbild kann man das sehen, dass dann der entsprechende Bereich absinkt“, erklärt Dirk Rieger, der vor allem in dem Raum forscht.

Und auch im Mittelmeerraum sind viele historische Stätte durch Sturmfluten bedroht. Der Anstieg des Meeresspiegels gefährdet antike Hafenstädte mit Überflutungen. „Viele Artefakte und Häuser werden dort weggeschwemmt“, berichtet Ferran Antolín vom Deutschen Archäologischen Institut unserer Redaktion.

Dies habe zu verstärkten Grabungen geführt, um die Geschichte dieser Städte zu dokumentieren, bevor sie unwiederbringlich verloren gehen. Außerdem arbeiten die Forschenden viel mit Einheimischen zusammen. „Einheimische kennen sich mit den Klimabedingungen am besten aus“, erläutert Antolín. Das sei auch in arktischen Klimazonen von großer Bedeutung.

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Klimawandel bedroht Artefakte: Wie die Archäologie reagiert

Das Forschungsfeld reagiert schon seit Längerem auf die Auswirkungen. „Die Archäologie muss sich ständig neuen Gegebenheiten anpassen“, sagt Dirk Rieger. Archäologen entwickeln daher neue Techniken, um die gefundenen Artefakte zu konservieren und zu studieren.

Der Fokus verlagert sich von der reinen Entdeckung hin zur sicheren Bergung und Dokumentation. Durch die sogenannte Monitoring-Programme beobachten die Forschenden positive und negative Veränderungen von Gegenständen und Denkmälern, um diese besser zu dokumentieren.

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So können die Auswirkungen von extremer Hitze oder Starkregen auf die Quellen beobachtet werden. „Das heißt, wir können ungefähr erahnen, was uns verloren geht, wenn die Temperaturen zunehmen“, erklärt Sabine Reinhold.

Die Archäologie steht vor der Herausforderung, eine Balance zwischen Entdeckung und Bewahrung zu finden. Lösungsansätze reichen von intensiver internationaler Zusammenarbeit bis hin zur Schaffung von Schutzzonen für gefährdete Fundstellen. Der Erhalt dieser Schätze ist nicht nur für die Wissenschaft von Bedeutung, sondern auch für das kulturelle Erbe der Menschheit.