Faktencheck

Alles Wichtige zum Wolf in der Region Braunschweig-Wolfsburg

| Lesedauer: 6 Minuten
2022 gab es im Kreis Gifhorn bereits 31 Übergriffe auf Nutztiere durch Wölfe. (Symbolbild)

2022 gab es im Kreis Gifhorn bereits 31 Übergriffe auf Nutztiere durch Wölfe. (Symbolbild)

Foto: Lino Mirgeler / dpa

Braunschweig.  Wölfe sind zurück in Deutschland. Auch bei uns in der Region Braunschweig-Wolfsburg gibt es wieder mehrere Wolfs-Rudel. Das müssen Sie wissen.


  • Der Kreis Gifhorn hat in der Region die meisten bestätigten Wolfsrudel
  • In der Region Braunschweig-Wolfsburg gibt es drei bestätigte Wolfsrudel und einen Einzelwolf
  • Kürzlich wurde im Kreis Peine ein Pony von einem Wolf gerissen
  • In Bad Grund gab es Wolf-Sichtungen

In ganz Deutschland ist der Wolf in den letzten Jahren wieder heimisch geworden. Hier in unserer Region Braunschweig-Wolfsburg taucht das berüchtigte Tier immer regelmäßiger auf. Und auch im Harz ist der Wolf angekommen. Während die einen eine Gefahr für Menschen und Nutztiere fürchten, feiern andere die Rückkehr des Wolfes als wichtiges Glied in der Nahrungskette des Ökosystems. Aber ist der Wolf wirklich eine Gefahr für uns? Wir machen den Faktencheck.

Behauptung: „Der Wolf wird wieder zur Bedrohung!“

Der Faktencheck: Im Zeitraum zwischen 2002 und 2020 gab es keinen einzigen Angriff von Wölfen auf Menschen in Deutschland, so eine Studie des Norwegian Institute for Nature Research. Auch danach gibt es keine bestätigten Fälle von Wolf-Attacken. Davor gibt es keine offiziellen Zahlen. Im ersten Quartal 2022 gab es aber 38 Wolfs-Angriffe, bei denen Nutztiere getötet wurden oder im Nachhinein eingeschläfert werden mussten.

Sie wollen es genauer wissen? Wir haben die wichtigsten Fragen rund um Wölfe in der Region Braunschweig-Wolfsburg beantwortet:

Wo gibt es in der Region Braunschweig-Wolfsburg Wolfsrudel?

In der Region Braunschweig-Wolfsburg gibt es drei bestätigte Wolfsrudel und einen Einzelwolf. Die Rudel befinden sich alle im Norden des Landkreises Gifhorn, in Ringelah, Ehra-Lessien und Steinhorst. Der Einzelwolf befindet sich in Braunlage im Kreis Goslar.

Die Gifhorner Rudel bestehen – Stand April 2020 – aus mindestens acht Wölfen, das geht aus Informationen des Vereins Landjägerschaft Niedersachsen hervor. Neuere Zahlen sind aktuell nicht verfügbar. Diese Zahlen sind außerdem Mindestangaben, da beim Wolfsmonitoring oft nur ein Teil des Rudels erfasst wird. Die tatsächliche Zahl der Wölfe könnte also höher liegen.

Wie viele Tiere werden in der Region Braunschweig-Wolfsburg von Wölfen getötet?

Erst kürzlich kam es zu einem dramatischen Vorfall im Landkreis Peine. Dort hat ein Wolf ein Pony gerissen. Das bestätigen Angaben der Landwirtschaftskammer.

In der Region leidet aber trotzdem der Landkreis Gifhorn mit Abstand am meisten unter Übergriffen von Wölfen auf Nutztiere. Übergriff heißt hier, dass bei einer Wolfs-Attacke mindestens ein Tier getötet oder so schwer verletzt wurde, dass es eingeschläfert werden musste. Es können bei den Übergriffen auch mehrere Tiere umgekommen sein. Zwar gibt es in den Landkreisen Helmstedt, Peine sowie in Wolfsburg hin und wieder Überfälle auf Tiere, aber nur im einstelligen Bereich.

Im Kreis Gifhorn ist außerdem eine deutliche Entwicklung erkennbar. Seit 2017 steigt die Zahl der Übergriffe stetig an. Allein im ersten Quartal 2022 sind es mit 31 Vorfällen mehr als im gesamten Jahr 2021. Außerdem ist – zumindest nach jetzigem Datenstand – der Kreis Gifhorn 2022 der Landkreis mit den meisten Wolf-Attacken auf Nutztiere in Niedersachsen.

Wie gefährlich sind Wölfe?

„Gesunde Wölfe, die nicht provoziert oder angefüttert werden, stellen für den Menschen in der Regel keine Gefahr dar“, schreibt der Naturschutzbund Deutschland (NABU) auf seiner Webseite. Im Zeitraum von 2002 bis 2020 gab es keinen einzigen Wolfs-Angriff auf Menschen in Deutschland. Das ergab eine großangelegte Studie des Norwegian Institute for Nature Research (NINA) im Auftrag des Internationaler Tierschutz-Fonds. Auch danach gab es keinen bestätigten Fall.

Die 2002 vom Norwegischen Institut für Naturforschung (NINA) veröffentlichte Vorgänger-Studie „The fear of wolves: A review of wolf attacks on humans“ gibt für Deutschland die letzten bekannten Angriffe von freilebenden Wölfen auf Menschen im 17. Jahrhundert an. Die Ursache war zumeist Tollwut.

Wie sollte man sich verhalten, wenn man einen Wolf sieht?

Wer einen Wolf auf dem Spaziergang sieht, sollte vor allem Abstand halten, sagt Raoul Reding, Wolfsbeauftragter der Landesjägerschaft Niedersachsen. Wanderer sollten sich langsam rückwärts entfernen. Dabei sei es wichtig dem Tier nicht in die Augen zu starren. Sollte ein Spaziergänger oder eine Spaziergängerin unerkannt sehr nah an ein Tier herangekommen sein, könne man auf sich mit Rufen oder Winken aufmerksam machen.

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Jungwölfe sind dabei schonmal etwas neugieriger. Reding rät: Falls die Tiere sich nicht von alleine entfernen, können Spaziergänger sie durch nochmaliges lautes Rufen und Winken verscheuchen. „Zur Not kann man sogar einen Stein werfen“, sagt der Wolfsbeauftragte.

Wer einen Hund dabei hat, solle diesen eng an der Leine halten. So mache man dem Wolf klar, dass der Vierbeiner zum Menschen dazugehöre.

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