Ist Falko Mohrs nur der „Sohn von…?“

Ein Leser kritisiert die Berichterstattung über MdB Falko Mohrs.

Falko (links) und Klaus Mohrs im Dezember 2018.

Falko (links) und Klaus Mohrs im Dezember 2018.

Foto: Abellio

Der Wolfsburger SPD-Bundestagsabgeordnete Falko Mohrs (35) ist der Sohn des Wolfsburger Oberbürgermeisters Klaus Mohrs (67, ebenfalls SPD). Dieses Familienverhältnis wird in der Berichterstattung dieser Zeitung immer wieder thematisiert. Leser Immo Moshagen, Schatzmeister des SPD-Ortsvereins Helmstedt, nimmt den Beitrag „Unsere Region wird zum 5G-Pionier“ vom 27. Juni zum Anlass, dies zu kritisieren:

Ich möchte sie auf einen Fall unangemessener Berichterstattung aufmerksam machen. Dort heißt es: „Ähnlich äußerte sich dazu auch der Sohn von Wolfsburgs OB. Falko Mohrs sagte: „...“Falko Mohrs ist seit 2017 direkt gewählter Bundestagsabgeordneter für den Wahlkreis 51 Helmstedt-Wolfsburg. Dies verdankte MdB Mohrs nicht dem Bundestrend, sondern nach Einschätzung der meisten Beobachter – m. E. einschließlich der BZ – seinem engagierten Wahlkampf. Darüber hinaus ist MdB Mohrs stellvertretender Bezirksvorsitzender der SPD sowie der Betreuungsabgeordnete der SPD für den Bundestagswahlkreis Braunschweig. Es ist also grob unsachlich, den Abgeordneten zum bloßen Anhängsel zu degradieren und zu insinuieren, er sei ein ewiger Sohn.

Redakteur Andre Dolle nimmt Stellung:

Falko Mohrs und sein Vater Klaus Mohrs spielen in unserer Region politisch eine wichtige Rolle: der eine als Bundestagsabgeordneter, der andere als Oberbürgermeister Wolfsburgs. Und doch kann man nicht voraussetzen, dass jedem unserer Leser die enge Verwandtschaft der beiden bekannt ist. Beim Thema 5G hatten beide enge Berührungspunkte. Deshalb habe ich beide um eine Einschätzung gebeten und sie angerufen. Im Titelseitentext habe ich nicht erwähnt, dass Falko Mohrs der Sohn von Klaus Mohrs ist, hier habe ich lediglich Falko Mohrs zitiert. Im Text auf der Antworten-Seite kamen allerdings beide zu Wort: Die beiden äußerten sich ähnlich. Sie sind in derselben Partei, vertreten Wolfsburg auf unterschiedlichen Ebenen. Es ist nicht ehrabschneidend, die familiäre Nähe zu erwähnen, denke ich, zumal es beiläufig geschehen ist. Es war nicht das erste Mal, dass ich über die „Sohneseigenschaft“ von Falko Mohrs geschrieben habe. Das war zum Beispiel der Fall, als im SPD-Bezirk Braunschweig eine Kampfabstimmung mit dem Landtagsabgeordneten Christos Pantazis um den Vorsitz drohte. Es ging mir dabei darum, Mohrs den Lesern kurz und prägnant vorzustellen.

Der Ombudsrat schreibt:

Wir halten den Einwand des Lesers Moshagen, der ein Parteifreund von Falko und Klaus Mohrs ist, für berechtigt. Der Zusatz „Sohn von“ ist in einer Berichterstattung über einen Bundestagsabgeordneten in den meisten Fällen entbehrlich.

Falko Mohrs hat 2017 eine Mehrheit der Wähler als eigenständige Persönlichkeit von sich als Bundestagskandidat für Helmstedt-Wolfsburg überzeugt. Seine Mandate in Parlament und Partei nimmt der 35-Jährige ohne ständige Begleitung durch seinen Vater wahr; sie sind nicht ererbt, sondern erarbeitet. Deshalb sollte der mögliche Eindruck, Falko Mohrs genieße Vorteile durch die Funktion seines Vaters, in der Berichterstattung tunlichst vermieden werden. Die immer wiederkehrende Bezeichnung als „Sohn von…“ leistet eher Unterstellungen Vorschub, als dass sie den Erkenntnisgewinn steigern könnte.

Eine Erwähnung des Familienverhältnisses zwischen dem Wolfsburger Oberbürgermeister Mohrs und dem Bundestagsabgeordneten Mohrs halten wir nur dann für angebracht, wenn sich eine Berichterstattung auf das Verhältnis dieser beiden Personen von öffentlichem Interesse bezieht. Offenbarten sie beispielsweise unterschiedliche politische Ansichten zu regionalen Fragen, dann kann es für das Gesamtverständnis wichtig sein, das Verwandtschaftsverhältnis zu kennen.

Andre Dolle schreibt in seiner Stellungnahme, er habe die „Sohneseigenschaft“ bewusst nicht auf der Titelseite, sondern erst in einem weiteren Beitrag im Innenteil erwähnt. Allerdings fehlt im Innenteil die Funktionszuschreibung „Bundestagsabgeordneter“ komplett. Diese wäre hier in jedem Falle erwähnenswerter gewesen als das Verwandtschaftsverhältnis zwischen Mohrs Junior und Senior.

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