Leser kritisieren, der Ombudsrat vermittelt

Braunschweig  Sagen Sie es uns ins Gesicht – unter diesem Motto stellten sich der Ombudsrat unserer Zeitung sowie Chefredakteur Armin Maus der Kritik von 40 Lesern.

Der Ombudsrat aus Joachim Hempel (von links) und Thomas Roth vermittelt bei Beschwerden zwischen Lesern und der Redaktion.

Der Ombudsrat aus Joachim Hempel (von links) und Thomas Roth vermittelt bei Beschwerden zwischen Lesern und der Redaktion.

Foto: Kleinschmidt

„Sagen Sie es uns ins Gesicht“ – unter diesem Motto stellte sich der Ombudsrat unserer Zeitung, bestehend aus Joachim Hempel und Thomas Roth, sowie Chefredakteur Armin Maus der Kritik von rund 40 Lesern. Die Erreichbarkeit der Redaktion, die Veröffentlichung von Leserbriefen und die Ausgewogenheit der Berichterstattung waren einige der Themen, die bei der ersten Veranstaltung dieser Art im BZV Medienhaus zur Sprache kamen.

Nicht nur die Diskussionsrunde selbst feierte Premiere – auch für den „Neuen“ im Rat, den emeritierten Domprediger Joachim Hempel, war es der erste Einsatz in der Funktion als Scharnier zwischen Redaktion und Lesern. „Es reizt mich, den Dialog beider Seiten zu fördern“, begründete Hempel sein ehrenamtliches Engagement. Er übernimmt das Amt von Heinrich Kintzi, der im Juni nach kurzer und schwerer Krankheit verstorben war. Chefredakteur Armin Maus überreichte dessen Ehefrau Erika Kintzi einen Blumenstrauß als Zeichen der Verbundenheit.

Hempel, Ur-Braunschweiger und langjähriger Zeitungsabonnent, lobte den Mut des Mediums, das direkte Gespräch mit seinen Lesern zu suchen: „Wer von uns hätte schon Lust, sich für das, was er jeden Tag sagt oder nicht sagt, macht oder nicht macht und schreibt oder nicht schreibt, kritisieren zu lassen?“

Dass die Kritikfähigkeit gerade als Bürgerzeitung eine zentrale Kompetenz sei, davon zeigte sich Chefredakteur Armin Maus überzeugt: „Eine Presse, die frei ist und glaubwürdig sein will, tut gut daran, sich selbst zu überprüfen.“ In Zeiten, in denen sich Medien mit dem Vorwurf der „Lügenpresse“ konfrontiert sehen, sei dies ganz besonders wichtig.

Die Frage nach der Ausgewogenheit der Argumente in der Berichterstattung – sie stellten auch die Leser an den Ombudsrat. Das Gefühl, bestimmte Meinungen nicht wiederzufinden, beschäftigte einen Leser ganz besonders. „Wem sind sie verantwortlich?“, wollte er von Thomas Roth, Ombudsrat in der Redaktion, wissen. Mit Verweis auf Artikel 5 des Grundgesetzes, in dem die Freiheit der Presse verankert ist, antwortete der stellvertretende Chefredakteur: „Ich habe noch nie einen Meinungsbeitrag ändern müssen, weil er meinem Chef nicht gepasst hat.“

Auch zum Thema Leserbriefe wollten die Anwesenden Antworten vom Ombudsrat erhalten. Weshalb dürfen Online-Stimmen unter sogenannten Nicknames veröffentlicht werden – normale Leserbriefe aber nur unter Angabe von Name und Wohnort des Schreibers? Gut fände er das auch nicht, kommentierte Ombudsrat Hempel: „Ich bin kein Freund von anonymen Shitstorms.“ Presserechtlich sei die Vorgehensweise in Ordnung, erklärte Chefredakteur Maus. Außerdem begründete er: „Es sollte keine Grenzen zum Mitreden geben.“

Auch die Abläufe interessierten die Leser. „Wie kann es sein, dass orthografische Fehler abgedruckt werden?“, wollte eine Braunschweigerin wissen. „Das darf nicht passieren“, antwortete Armin Maus und fügte an, dass jede Seite abends Korrektur gelesen werde. Aber: „Letztlich sind auch Redakteure nur Menschen und machen Fehler.“

Ein weiteres heiß diskutiertes Thema: der Kontakt zur Redaktion. Etliche Leser beklagten sich, nur schwerlich Antworten von Redakteuren zu erhalten. Die Chefredaktion versprach, für Abhilfe zu sorgen – „auch wenn das jetzt schon selbstverständlich sein sollte.“ Ein Diskussionsteilnehmer riet: „Dasselbe Problem hatte ich auch schon. Dann habe ich mich an den Ombudsrat gewandt – und schon lief die Sache.“

Doch nicht nur Kritik führte die Diskutanten ins Medienhaus. Auch Lob hatten einige mitgebracht: „Ich lese Sie seit Jahren – und ich fühle mich bestens informiert. Besonders gefällt mir das Konzept der Bürgerzeitung“, sagte ein Leser in Richtung der Redaktion. Ein anderer stellte fest: „Durch solche Abende fühle ich mich als Leser ernstgenommen.“

DER OMBUDSRAT

Der Ombudsrat ist per E-Mail für Beschwerden und Anregungen unter ombudsrat@bzv.de zu erreichen oder per Brief unter dem Stichwort „Ombudsrat“ an die Braunschweiger Zeitung, Hintern Brüdern 23, 38100 Braunschweig.

Der Rat besteht aus Thomas Roth, Stellvertretendem Chefredakteur der Braunschweiger Zeitung, und Joachim Hempel, emeritierter Domprediger aus Braunschweig.

Am Ende des Abends zog auch Joachim Hempel ein positives Resümee: „Ich war erstaunt, wie groß der Bedarf ist, Dialoge über verschiedene Themen zu führen – zum einen zwischen Lesern und Redaktion, zum anderen zwischen den Bürgern selbst.“ Um dafür eine Plattform zu schaffen, sind weitere Veranstaltungen für das gesamte Erscheinungsgebiet unserer Zeitung geplant.

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