Kommentar

Problemfall Wolfsburg

„Der Aeroliner soll als Volumen-Stromer Maßstäbe setzen wie einst Golf oder Tiguan in ihren Segmenten.“

Andreas Schweiger

Das VW-Werk Wolfsburg befindet sich in einer undankbaren Situation. Es ist das Stammwerk des Autobauers und produziert Brot-und-Butter-Autos wie Golf und Tiguan. Was vor gar nicht allzu langer Zeit wie eine Lebensversicherung wirkte, wird allmählich zum Problemfall. Golf und Tiguan verkaufen sich schleppend, die neue Car-Software-Organisation residiert in Ingolstadt und nicht in Wolfsburg. Kurz: Dem Werk Wolfsburg fehlt eine Perspektive.

Die soll der Aeroliner bringen – ein Elektro-Modell der neuesten Generation, das ab 2025/2026 in Wolfsburg gebaut werden soll. Das Auto – vermutlich eine Mischung aus Coupé, SUV und Limousine – soll das Neueste in sich tragen, was VW zu bieten hat. Die dann leistungsfähigsten Batterien und die dann neueste Software. Der Aeroliner soll als Volumen-Stromer Maßstäbe setzen wie einst Golf oder Tiguan in ihren Segmenten.

Das ist eine gute, eine mutige Entscheidung des Aufsichtsrats für Wolfsburg, ein Bekenntnis zum Standort Niedersachsen. Zugleich wird eine Forderung des Betriebsrats erfüllt. Was dennoch Sorge macht: Das neue Auto soll frühestens in gut vier Jahren vom Band rollen. Das ist eine lange Zeit, allemal für das Werk Wolfsburg, dem es an Produktionsvolumen für die Wirtschaftlichkeit mangelt. Noch fehlt eine Antwort, wie diese Zeit überbrückt wird, sollten Golf und Tiguan weiter schwächeln.

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