Kommentar

Zum Ausrasten

Es muss sich stärker lohnen, Waren und Güter nicht zwangsläufig über die Straße zum Kunden zu bekommen.

Redakteur Dirk Breyvogel

Die Ärmsten sitzen im Führerhaus, heißen Klaus, Waldemar, Petr oder Bogdan und verzweifeln schier bei der nächtlichen Suche nach einer Verschnaufpause. Zeit zum Rasten oder auch Sich-Ausrasten, wie man in Österreich sagt. Ein Nickerchen eben.

An deutschen Autobahnen stehen laut Bundesverkehrsministerium 51.000 Lkw-Stellplätze zur Verfügung. Es sind offensichtlich viel zu wenig. In ihrer Not parken die Fahrer entweder verstärkt auf Standstreifen oder nutzen Aus- und Abfahrten heillos überfüllter Rastanlagen. Beides ist kreuzgefährlich. Oder sie suchen Plätze in angrenzenden Wohngebieten, sehr zum Ärger der Anwohner. Das ist dann wirklich zum Ausrasten.

Die Lobbyisten der Speditionsbranche fordern seit Jahren einen massiven Ausbau, auch weil ihre Fahrer die gesetzlich festgeschriebenen Lenk- und Ruhezeiten einhalten müssen. Doch während der Stellplatzausbau – auch in unserer Region – gefühlt eher in Hunderterschritten pro Jahrzehnt vorangeht, wächst der Schwerlastverkehr im Vergleich dazu um ein Vielfaches und das in viel kürzer Zeit. Deutschland als EU-Transitland leidet darunter extrem.

Angesichts dieser Entwicklung ist die Politik zum Handeln gezwungen. Mit Blick auf Sicherheit und Menschenwürde müssen die haltlosen Zustände an den Autobahnen schnellstens beseitigt werden. Das kostet Geld. Zugleich muss es sich stärker lohnen, Waren und Güter nicht stets über die Straße zum Kunden zu bekommen. Diese Frage braucht am Ende eine europäische Antwort. Sonst droht auf Sicht ein Verkehrskollaps.

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