Kommentar

Es geht auch ohne Abi

„Gymnasien werden nicht besser. Und Schüler nicht schlauer. Wohl eher werden Eltern immer ehrgeiziger.“

Das Gymnasium ist angesagter denn je – das zeigen die jüngsten Zahlen, die das Kultusministerium in Hannover veröffentlicht hat. Zum letzten Schuljahr wechselte von 70.000 Viertklässlern in Niedersachsen fast die Hälfte auf ein Gymnasium. Für Kultusminister Tonne ist das ein willkommener Anlass, das Schulsystem zu loben – für andere die Qualität der Gymnasien hervorzuheben.

Mehr Gymnasiasten, das könnte bedeuten, dass es auch mehr Abiturienten gibt. Es könnten aber auch mehr Abbrecher sein. Und: Mehr ungesunder Druck auf Schüler, für die eine andere Schulform vermutlich besser wäre. Denn für immer mehr Schüler stellt Lernen keine Herausforderung mehr dar, sondern wird zur Quälerei. Es ist ein Trugschluss, dass unsere Gymnasien immer besser werden – und Schüler immer schlauer.

Wohl eher werden Eltern immer ehrgeiziger. Das Kind ist der Stolz, wird zum Aushängeschild. Mein Vorgarten, meine Doppelhaushälfte, mein schlaues Kind… Und was würden die Nachbarn denken, wenn der Sprössling auf eine Haupt- oder Realschule geht?

Vorurteile bestimmen unser Bildungssystem. Das ist peinlich für unsere Gesellschaft. Ohne Abitur hast du verloren im Leben, wird suggeriert. Unsinn! Andere Schulformen sind ebenso wertvoll. Wichtig ist doch, dass junge Menschen einen guten Schulabschluss erlangen – egal in welcher Schulform. Denn dann sind sie in der Lage, sich für einen Beruf zu entscheiden, der sie glücklich macht. Und darum geht es doch im Leben.

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